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Es tropft und plätschert: Tetzer Halle nicht ganz dicht

Von: hfs.
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Schank- und Schöpfwirt: Frank
Schank- und Schöpfwirt: Frank Boermann lässt jeden Tag rund 40 Liter Wasser ab, das durch die Decke sonst aufs Essen tropft. Foto: hfs.

Tetz. „Was hier passiert, ist die systematische Vernichtung von öffentlichem Eigentum.” Das sagt Frank Boermann, dessen Frau Lotti seit 2010 die Rurauenhalle in Tetz gepachtet hat. Diese Meinung teilen an diesem Abend auch andere an der Theke lautstark. Die Fußballer von Rasensport Tetz sind da und beteiligen sich ebenso lebhaft wie die Schützen, die ihre Versammlung abgehalten haben.

Die Diskussion dreht sich um die zentrale Frage, wie lange noch die marode Bausubstanz des Restaurantbereichs der Halle „wissentlich” in Kauf genommen wird. Damit meinen die Diskussionsteilnehmer die Linnicher Verwaltung und die Ratsvertreter.

Denn allen sei das über zweijährige Dilemma mit dem undichten Dach der Rurauenhalle bekannt. Jeden Tag, ob es regnet oder nicht, müssen die Boermanns abends zur Tat schreiten. „Mein Mann klettert dann auf einen Stuhl, steckt einen Schlauch in die Blumenkästen, und ich sauge dann von außen das Wasser ab.” Und nicht selten sind es so um die 40 Liter, die aus dem Deckenbereich des Restaurants nach außen befördert werden. Unter der hölzernen Deckenkonstruktion hat der jetzige Pächter vier Blumenkübel aufgehängt, jeder ist je ein Meter lang. In die tropft unaufhörlich Wasser, „das wir mit dem Schlauch nach außen befördern”.

Seitdem Lotti Boermann die Halle gepachtet hat, läuft der Laden wieder. Die Dorfgemeinschaft Tetz, die die Halle seit Inbetriebnahme 1986 von der Stadt übernommen hat und in Eigenregie betreibt, ist froh, wieder eine solch engagierte Pächterin gefunden zu haben. Schließlich müssen laut Pachtvertrag alle Betriebskosten der Halle selbst erwirtschaftet werden. Und bisher, so wissen die Vereine an diesem Abend zu berichten, musste die Stadt keinen einzigen Cent zuzahlen.

Die Nässe ist auch ein geschäftliches Übel: „Ich kann keine größere Gesellschaft annehme, ich kann die Leute doch nicht unter die Blumenkübel setzen. Mir fehlen effektiv fünf Tische, also 20 Plätze.” So fand denn das eine oder andere Fest nicht in der Rurauenhalle statt. „Denn wer will schon unter einem Regenschirm seine Mahlzeit zu sich nehmen”, fragt Frank Boermann.

Es sind nicht nur die Blumenkästen, über den sich die Besucher wundern. Es sind auch die Lappen, die an einigen Stellen in die Holzvertäfelung gesteckt wurden, damit sie das Wasser aufsaugen. Es sind die unübersehbaren Risse im Holz, es sind die weißen Kalkspuren des Wassers, die sich an Decke, im Flur zu den Umkleidekabinen oder aber am Kamin bemerkbar machen. Und jetzt tropft es auch noch auf die vor einiger Zeit neu installierte Heizungsanlage.

Die Pächter haben nun die Miete ihrerseits gekürzt. Lotti Boermann: „Wir haben bisher 8000 Euro einbehalten, und das werden wir auch weiterhin machen, wenn sich nichts tut.” Als die Stadt Linnich die Halle errichten ließ, flossen Landesmittel, zweckgebunden angelegt. Insgesamt kostete die Immobilie damals 1,2 Millionen Mark. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens erhielt die Dorfgemeinschaft angesichts ihres Betreiber-Konzeptes, der Auslastung und des sportlichen Nutzungs-Betriebs höchstes Lob aus Düsseldorf.

Der Linnicher Verwaltung ist das Dilemma bekannt. Vor zwei Jahren bewilligte der Rat 50.000 Euro zur Behebung des Schadens. Doch die liegen noch immer auf Eis. Denn es soll, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, einfach von der Verwaltung vergessen worden sein, diesen Reparaturauftrag auszuschreiben. Außerdem wurde die Frage aufgeworfen, woher denn nun das eindringende Wasser kommt. Auf dem Flachdach über dem Kneipenbereich wurde vor Jahren die Blitzschutzanlage erneuert und dabei der auf der Bitumenschicht des Dachs aufgetragene Kies zwar entfernt, aber nicht wieder aufgetragen. Zudem stimmte die Stadt zu, dort eine Solaranlange zu installieren. Die wurde aufgeständert.

Auf die Problematik in der Rurauenhalle angesprochen, äußert sich der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Tetz, Hans-Willi Dohmen, sehr zögerlich. Er bestätigt, dass die Schadensursache lokalisiert ist und die Dorfgemeinschaft als Pächterin der Halle die Stadt aufgefordert habe, sofort mit den Reparaturarbeiten zu beginnen. „Aber die Stadt möchte uns als Dorfgemeinschaft an den Kosten beteiligen.” Das lehne man ab. Dohmen: „Die Stadt hat die Verpflichtung, die Immobilie zu unterhalten und nicht in ihrer Substanz zu gefährden.”

Inwieweit die Liquidität der Dorfgemeinschaft ausreicht, die vorenthaltenen Mietzahlungen (Dohmen: „Das ist das gute Recht der Familie Boermann”) zu kompensieren, beantwortet der Vorsitzende nicht. Dafür wird er aber in Richtung Stadt sehr deutlich: „Wir verklagen als Dorfgemeinschaft nun die Stadt Linnich auf Schadenersatz.”

Der Beigeordnete Hans-Josef Corsten erklärte auf Nachfrage, dass er das Thema Rurauenhalle auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Kultur- und Sportausschuss gesetzt habe. „Aber dieses Thema ist zur Chefsache erklärt worden”, sagt Corsten und lehnt weitere Kommentare ab.

Und was sagt der Chef? Laut Bürgermeister Wolfgang Witkopp soll die Reparatur mit der Ausschusssitzung am 22. September in Angriff genommen werden. „Wir lassen das Dach jetzt machen”, sagt der Verwaltungschef, bestreitet aber, dass die Stadt die Dorfgemeinschaft an den Kosten beteiligen will. Ob das auch für die notwendigen Innensanierungen zutrifft, lässt Witkopp offen. „Zuerst machen wir das Dach, dann sehen wir weiter.”
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