Jülich - Erstwählerinnen: „Wir können endlich etwas mitbewegen”

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Erstwählerinnen: „Wir können endlich etwas mitbewegen”

Von: Regine Beyß
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Hier ist „Europa” mehr als nur ein abstrakter Begriff: Für die Schülerinnen des Mädchengymnasiums Jülich steht außer Frage, dass sie bei der Europawahl ihre Stimmen abgeben. Foto: Beyß

Jülich. Im Grunde ist es kein großer Akt: Ein kleines Kreuz in einem kleinen Kreis. Ein Kreuzchen unter Millionen, das nur im fernen Brüssel zur Geltung kommt. Warum also zur Europawahl gehen? Sophia Pal und Tanja Becker stellen sich diese Frage nicht. Sie können in diesem Jahr zum ersten Mal ihre Stimme für Europa abgeben.

Für sie steht nicht zur Debatte, diese Möglichkeit nicht wahrzunehmen: „Jetzt haben wir das Wahlalter erreicht und können endlich etwas mitbewegen.” Schließlich sei es auch ihre Zukunft, über die in Brüssel entschieden wird, und wer nicht wählt, dürfe sich nachher auch nicht beschweren.

NRW-Zertifikat

Europa ist für die beiden Schülerinnen kein abstrakter Begriff, sondern Alltag, denn sie besuchen eine „Europaschule”. In letztem Jahr erhielt das Mädchengymnasium Jülich dieses NRW-Zertifikat für überdurchschnittliches Engagement im Bezug auf Europa. Die Schule legt unter anderem ein besonderes Augenmerk auf Sprachen, organisiert Austauschprogramme und Praktika im Ausland und pflegt Partnerschaften mit anderen europäischen Schulen.

So absolviert Nadine Dübbel im Herbst ein Praktikum bei einer französischen Kosmetikfirma in Marseilles. Und lebt dort bei der Gastfamilie, die sie bereits 2005 im Rahmen eines Austauschs besucht hat. „Das Zusammenwachsen in Europa läuft über die Menschen und besonders über die Jugendlichen”, begründet Schulleiterin Maria Bardenheuer das Engagement der Schule.

Das Thema „Europa” wird auch im Unterricht immer wieder aufgegriffen, wenn möglich in allen Fächern. „Wir suchen immer wieder Anknüpfungspunkte, nicht nur vor der Wahl”, so Politiklehrer Thomas Floßdorf. „Dadurch erhalten wir einen ganzheitlichen Ansatz.”

Natürlich steht in diesem Zusammenhang auch politische Bildung auf dem Programm, damit die Schülerinnen auf Veranstaltungen wie die Europawahl vorbereitet sind. „Politik unterrichten wir in der fünften und zehnten Klasse”, erklärt Politiklehrer Lutz Terodde. „Im Bezug auf Europa haben wir uns unter anderem mit den einzelnen Institutionen und mit der Funktionsweise der Wahlen beschäftigt.”

Sophia Pal und Tanja Becker sind sich zwar einig, dass sie sich auch unabhängig vom Unterricht über die Europawahl informiert hätten, doch andererseits ist ihnen bewusst, dass nicht alle Jugendlichen ein solches Interesse zeigen. Politiklehrer Hansbert Schruff führt das unter anderem darauf zurück, dass sich Jugendliche und auch Erwachsene immer mehr auf individuelle Lebensgestaltung als auf Ideale und Engagement konzentrieren. Zudem beklagen die Schülerinnen den „Informationswust”, der für sie schwer zu bewältigen sei.

Genau deshalb solle Schule ein neutrales Forum bilden. „Wir möchten bei den Schülerinnen die kritische Urteilsfähigkeit ausbilden und die Verantwortlichkeit, sich zu informieren”, erklärte Floßdorf. Denn nur mit Hintergrundinformationen bekommt das kleine Kreuz im kleinen Kreis eine große Bedeutung.
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