Kreis Düren - Erstmals fünf Abgeordnete aus vier Parteien

Erstmals fünf Abgeordnete aus vier Parteien

Von: Jörg Abels
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Erstmals sind aus dem Kreis Düren fünf Abgeordnete aus vier Parteien im Landtag vertreten.

Kreis Düren. Kurz vor Mitternacht konnte Josef Wirtz am Sonntagabend endgültig aufatmen. Der CDU-Politiker, der das Direktmandat im Wahlkreis Düren 1 an Peter Münstermann (SPD) verloren hat, kehrt trotzdem als Abgeordneter in den Düsseldorfer Landtag zurück.

Paradoxerweise profitiert der 62-Jährige von der Stärke der SPD, die landesweit 99 der 128 Wahlkreise direkt gewonnen hat und damit 23 Mandate mehr als ihr nach ihrem prozentualen Stimmenanteil zustehen würden. Die sogenannten Überhangmandate haben Ausgleichsmandate bei allen übrigen Fraktionen im Landtag zur Folge, so dass bei der CDU auch Wirtz eigentlich wenig Erfolg versprechender Landeslistenplatz 32 noch zum Zuge kam.

„Glück gehabt”, kommentierte der Schophovener am Montag die für ihn positive Entwicklung, nachdem er Sonntagabend noch feststellen musste, dass er selbst mit größtmöglichem Einsatz im Wahlkampf den landesweiten Negativtrend und die Anti-Röttgen-Stimmung nicht hatte kompensieren können.

Damit verfügt der Kreis Düren erstmals über fünf Abgeordnete aus vier Parteien im Düsseldorfer Landtag: Zu den direkt gewählten Münstermann und Rolf Seel (CDU) gesellen sich Gudrun Zentis (Grüne) und Ingola Schmitz (FDP), die wie Wirtz von der Ausgleichsmandatsregelung profitiert haben.

Gudrun Zentis will bis auf weiteres ihre Arbeit im Dürener Kreistag und im Nideggener Stadtrat fortsetzen. „Es ist wichtig, die Erdung zur Basis zu behalten.” Allerdings sagt sie Fraktionsvorsitzende auch: „Ich klebe nicht an Stühlen.” In den kommenden Tagen wird sie Gespräche in beiden Fraktionen führen, denn klar dürfte sein: Wenn Zentis alle Ämter behalten soll, muss ihr Arbeit abgenommen werden.

Auch FDP-Senkrechtstarterin Ingola Schmitz möchte weiter im Nörvenicher Gemeinderat mitarbeiten, „wenn es meine Zeit als Abgeordnete in Düsseldorf zulässt”.

Der große Wahlsieger auch im Kreis Düren ist die SPD, die erstmals seit der Bundestagswahl 2002 mit Abstand wieder stärkste politische Kraft geworden ist. SPD-Kreis- und Bezirksvorsitzender Dietmar Nietan (MdB) wollte sich aber auch am Montag nicht mit fremden Federn schmücken. „Das Ergebnis ist in erster Linie dem Landestrend geschuldet und der Persönlichkeit unserer Ministerpräsidentin.”

Nietan spricht von „Rückenwind für unsere Arbeit vor Ort”, kündigte aber an, dass die SPD auf dem Teppich bleiben werde. „Wir kennen unsere Grenzen und unsere Schwächen”, verweist er beispielsweise auf den Mitgliederschwund und die geringe Zahl junger Genossen in der Kreispartei.

Aber er betont auch, dass für die CDU im Kreis Düren „die Bäume nicht mehr in dem Himmel wachsen” und die Union gut beraten wäre, in Zukunft mehr Demut im politischen Miteinander zu üben. Dass er jetzt sogar bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr das Direktmandat zurückgewinnen könnte, will Nietan nicht bestreiten, weiß aber auch, dass er 2009 satte 15 Prozentpunkte hinter Thomas Rachel (CDU) rangierte und die „CDU bei der Bundestagswahl nicht noch einmal ein derartiges Debakel erleben wird”.

Kommunalpolitisch indes sieht der SPD-Chef im Landtagswahlergebnis eine große Chance, die CDU/FDP-Mehrheit auch in der Stadt und im Kreis Düren brechen zu können. „Jetzt liegt es an uns, etwas daraus zu machen.”

„Ich glaube nicht, dass die Wahl eine Abstimmung über die Kommunalpolitik war”, ist der frisch gebackene CDU-Stadtverbandsvorsitzende Thomas Floßdorf zwar überzeugt, bei einem Zweitstimmenergebnis der CDU in Düren von unter 30 Prozent aber wird auch er nachdenklich. „Haushaltssanierung ist halt nicht das Thema, dass die Menschen interessiert. Wir sind jetzt gut beraten, wenn wir wieder mehr Inhalte transportieren und das Wahlergebnis genau analysieren.”

Blick auf „Sonstige” und ungültige Stimmen

Der Zuspruch für die Parteien am rechten politischen Rand ist bei der Landtagswahl im Kreis Düren nur leicht zurückgegangen. Die Zahl der Zweitstimmen für die rechtsextremistische NPD ging kreisweit von 1751 (1,49 ) auf 819 (0,7 ) zurück, während auf die rechtspopulistsiche Bürgerbewegung Pro NRW 1588 (1,36) der Zweitstimmen entfielen. Hier waren es 2010 noch 1126 (0,96 ).

Bei den „Sonstigen” fällt noch ein Ergebnis auf. Die Tierschutzpartei kam kreisweit auf 1187 Stimmen (1,01 Prozent). Zum Vergleich: 2010 waren es 942 Stimmen (0,8 ).

Auffällig aber auch: 2581 Erst- und 2275 Zweitstimmen am Sonntag waren ungültig.

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