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Erster Containerzug könnte 2016 rollen

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
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Die Portalkräne des von der Rurtalbahn geplanten Containerterminals sollen einmal bis zu vier 700 Meter lange Gleise und daneben liegende Container-Stellplätze überspannen. Aus Rangiergründen ist zudem ein ebenso langer Vorbahnhof vonnöten. Fotomontage: Rurtalbahn

Düren. Es ist das wohl wichtigste Infrastrukturprojekt der kommenden Jahrzehnte im Raum Düren: Bis zum Jahresende will die Rurtalbahn entscheiden, wo das von ihr geplante Güterverkehrszentrum gebaut werden soll. „Nachdem wir zuletzt vor allem mit der Übernahme der Rheingaulinie (siehe Info) beschäftigt waren, gilt unsere ganze Aufmerksamkeit jetzt wieder dem Containerterminal”, erklärt Rurtalbahn-Geschäftsführer Hans-Peter Nießen. „In fünf Jahren könnte der erste Containerzug von Düren aus starten.” Das sei zwar eine ambitionierte Zielsetzung, aber durchaus realisierbar.

Etwa ein Jahr reine Bauzeit

Den eigentlichen Bau der Gleise, Weichen und Krananlagen kalkuliert Nießen mit gut einem Jahr, zeitlich erheblich schwerer einzuschätzen seien hingegen Fragen des Planungsrechts und des Grundstückserwerbs. Allein für Terminal und Gleise werden rund 150.000 Quadratmeter benötigt; Flächen für Speditionen, Logistiker und Lagerhallen nicht eingerechnet. Fragen, bei denen die Rurtalbahn auch auf das Know-how verschiedenster Partner in einer Eigentumsgesellschaft zurückgreifen will. „Wir sind Eisenbahner”, betont Nießen, „um planungsrechtliche Fragen müssen sich andere kümmern”, sagt er und freut sich deshalb über die bereits tatkräftige Unterstützung aus Kreis- und Rathaus.

Gespräche haben er und seine Kollegen aber auch schon mit Blick auf den Betrieb des Güterverkehrszentrums geführt, unter anderem mit einem international renommierten Terminalbetreiber, der Überkapazitäten seiner bisherigen Standorte in NRW gerne nach Düren auslagern würde, erklärt Nießen, aber auch mit dem Hafen Antwerpen, der schon heute den Großteil seines Containerumschlags Richtung Deutschland über Düren abwickelt, vieles noch über die Straße.

In der Standortfrage spricht derweil weiter einiges für eine Umsetzung des Projekts am Dürener Vorbahnhof mit direktem Anschluss an die Hauptstrecke Aachen-Köln. Schon das von der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (AGIT) in Auftrag gegebenen Gutachten des Frauenhofer-Instituts war im vergangenen April zu dem Schluss gekommen, dass dieser Standort die größten Vorteile im Raum Aachen-Köln mit sich bringt. Aber auch der von Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser nachträglich ins Spiel gebrachte Bereich Talbenden/Rurbenden im interkommunalen Gewerbegebiet mit der Stadt Düren ist noch nicht aus dem Rennen, versichert Nießen und betont, dass sich insgesamt noch drei Standorte in der engeren Auswahl befinden und in den kommenden Wochen einer intensiven Prüfung, Vermessung und Bewertung auch aus planungsrechtlicher Sicht unterzogen werden. Parallel bereiteten die Rurtalbahner derweil verschiedenste Förderanträge vor.

Im Endausbau, den Nießen in 15 bis 20 Jahren sieht und mit rund 25 Millionen Euro kalkuliert, sollen in dem Terminal einmal 150000 große Seecontainer (im Expertenjargon ist von 300000 TEU die Rede) jährlich umschlagen. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei zu Beginn aber auch bereits mit 40000 der 40 Fuß langen Container möglich, erklärt der Geschäftsführer. Das würde einem täglichen Umschlag in Düren von etwa vier Containerzügen entsprechen und wäre auch noch ohne das heftig diskutierte und von der Region geforderte dritte Gleis zwischen Düren und Aachen möglich, verweist Nießen auf bereits getroffene Absprachen mit der Deutschen Bahn. Im Endausbau wären es bis zu 13 Züge täglich.

Im reinen Terminalbereich erwartet Nießen bis zur kompletten Fertigstellung zwischen 40 und 50 neue Arbeitsplätze, ein Vielfaches aber darüber hinaus im Umfeld rund um das Terminal, wenn Logistiker und Speditionen vom neuen Güterumschlagzentrum profitieren wollen. Damit könnte das Projekt frühzeitig einen Teil der Arbeitsplätze kompensieren, die nach Auslaufen der Tagebaue in der Region wegfallen. Nicht zuletzt aus diesem Grund erwartet die Rurtalbahn auch Unterstützung vom Land im Rahmen des im NRW-Koalitionsvertrag verankerten Projekts „Innovationsregion Rheinisches Revier”.

Nach Millioneninvestitionen jetzt auch im Rheingau unterwegs

Unter dem Dach der jeweils zu 50 Prozent der Rurtalbahn und der Deutschlandtochter der Dänischen Staatsbahn gehörenden Vias GmbH betreiben die Eisenbahner von der Kölner Landstraße vorerst noch bis Dezember 2015 die Odenwaldbahn (im Bild).

Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember übernahm die Vias GmbH nach einer europaweiten Ausschreibung bis Dezember 2023 auch den Regionalverkehr auf der rechtsrheinischen Strecke Frankfurt - Wiesbaden - Rüdesheim - Koblenz - Neuwied.

Für die Rheingau-Linie hat die Vias 19 Triebzüge bei der Firma Stadler in Berlin angeschafft, die in der zweiten Jahreshälfte auch die fünf neuen, klimatisierten und mit Behinderten-Toilettenausgestatteten Triebwagen für die Rurtalbahnstrecke Düren-Heimbach liefern wird.

In Frankfurt investierte die Vias GmbH, die nun jährlich rund 4,1 Millionen Zugkilometer fährt, auch sechs Millionen Euro in eine neue Werkstatt.

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