Jackerath - Erst Haifischbecken, jetzt Puppentheater: Geschichte eines Artisten-Ehepaares

Erst Haifischbecken, jetzt Puppentheater: Geschichte eines Artisten-Ehepaares

Von: jago
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Früher waren Hochseil-Anlage und Haie das Arbeitsmaterial von Edeltraut und Willi Maatz. Heute arbeitet das Paar mit Handpuppen. Foto: Jagodzinska
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Enkel Sammy kennt sich mit seinen 15 Monaten schon bestens damit aus, wie man mit den Kasperlefiguren Geschichten erzählt Foto: Jagodzinska

Jackerath. Fast wäre es so weit gekommen, dass es zum ersten Mal in der Jahrhunderte alten Geschichte des Eierversteckens nur enttäuschte Kindergesichter gegeben hätte. Herr Osterhase stand kurz davor, resigniert aufzugeben, weil es keine ordentlichen Verstecke mehr gab. Zum Glück wurde er im allerletzten Moment auf das Blumental aufmerksam gemacht und das Eierverstecken konnte seinen Lauf nehmen.

Bei den Planungen für das Osterfest tat sich auf einmal ein riesengroßes Logistikproblem auf. Wegen des oftmals rücksichtslosen Umgangs der Menschen mit der Natur gibt es immer weniger grüne und unbelastete Wiesen, Felder oder Höfe, die sich dazu eignen, dass man auf ihnen Verstecke einrichtet. So konnte man in den letzten Tagen, wenn man nur aufmerksam genug durch die Gegend gefahren ist, oft den Osterhasen entdecken, wie er, die Hände in die Hüften gestützt, kopfschüttelnd in der Landschaft stand.

Wie es jedoch dazu gekommen ist, ist eine lange Geschichte mit dem Titel „Kasperle rettet die Natur“. Erzählt und gespielt wird sie im Zelt des Kasperletheater Maatz auf dem Schlossplatz in Jülich seit Karfreitag bis zum Ostermontag jeweils um 15 Uhr.

Natürlich brauchen Kasperle und seine Gefährten die Unterstützung von Menschen, um ihre Geschichten und Streiche auf die Bühne zu bringen. Bereits in vierter Generation verzaubert das nach einem langen Tournee-Leben in Jackerath sesshaft gewordene Artisten-Ehepaar Edeltraud und Willi Maatz die Kinder bei den Aufführungen im Theaterzelt und weckt bei vielen Eltern nostalgische Gefühle.

Welt des fahrenden Volkes

Als Schausteller haben die Maatz‘ eine bewegte Karriere hinter sich; ihnen bei der Schilderung vieler kleiner und großer Begebenheiten zuzuhören ist wie eine kleine Reise durch die große Welt des „fahrenden Volkes“. Beide stammen aus umherziehenden Artisten-Großfamilien.

Willi Maatz hat acht Geschwister, seine Frau fünf. Seine Familie hatte eine Hochseilshow „von Kirchturm zu Kirchturm“, später eine „Helldriver-Stuntshow“. Sie war Seilläuferin und Bodenakrobatin. Beide kamen im Wohnwagen zur Welt und konnten sich ein Leben als Sesshafte nicht vorstellen. Alle Familien im großen Schausteller-Clan kannten sich, Willis Onkel war sogar mit Edeltrauds Tante verheiratet.

Sie selbst lernten sich aber erst 1974 in Rheinbach kennen, heirateten und machten zunächst mit der Helldriver-Show (Höllen-Fahrer) weiter. Dann wechselten sie zu einer Show mit lebenden Haien, mit denen sie im größten transportablen Meerwasseraquarium durch die Lande zogen – eine Sensation. Im Anschluss traten sie als Hochseilartisten auf, dann wechselten sie zu einem „Treckertreck“.

Nach vielen halsbrecherischen Berufen fand Willi Maatz Gefallen am Puppentheater seines Großvaters mit 100 Jahre alten Marionetten. Die Beiden entschieden sich aber für Handpuppen, mit denen sie Kinder besser begeistern konnten.

Bevor sie im Zelt die Puppen tanzen ließen, traten sie in Kindergärten oder Schulen auf. Die goldenen Zeiten des Kasperletheaters sind wohl vorbei, erfährt man bei einem Besuch und bedauert die Entwicklung sogleich, wenn man sieht, wie intensiv und begeistert der 15 Monate alte Enkel Sammy mit den großen Figuren spielt und Freude an den charakteristischen Köpfen hat. „Sobald der Vorhang aufgeht, sind die Kinder im Geschehen drin“, beobachtet Edeltraud Maatz immer wieder aufs Neue. Dass sich Familien von den Eintrittspreisen ein wenig abschrecken lassen, dafür hat das Ehepaar Maatz durchaus Verständnis.

Kinder sind begeistert

„Aber man muss auch sehen, wie wenig von den sechs oder sieben Euro für uns übrig bleibt“, verweist man zu Recht auf die vielen Kosten, die davon beglichen werden müssen. Die Kinder sind immer noch vom Kasperletheater zu begeistern. Auch wenn man nie wieder eine Besucherzahl wie 1962 erreichen wird, als sich bei einer Aufführung in einem Kinosaal in Frechen 1000 Besucher einfanden, bleiben die Maatz optimistisch.

Sie werden weiterhin in Jülich ihr Zelt und das kleine historische Karussell zur Freude der Kinder aufbauen und hoffen, dass vielleicht sogar irgend wann einmal Enkelchen Sammy, dann in fünfter Generation, mit der Puppenbühne Maatz in das Reich der Fantasie entführen wird.

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