Erinnerungen auf Tonband konserviert

Von: ptj
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Eine Abordnung des Fördervereins „Alte Schule” betreibt Heimatgeschichte: Alte Fotos lassen die Mitglieder alles um sich herum vergessen. Foto: Jagodzinska

Ameln. Das Leben in Ameln und die Geschichte des Ortes interessiert Karl-Josef Vonderbank, der 30 Jahre lang Geschäftsführer der alten Schnapsbrennerei war, ganz besonders.

„Warum leben Sie schon so lange hier, warum ist es hier so schön?”, ist eine seiner häufig gestellten Fragen an Mitglieder des „Fördervereins Alte Schule”. Die Abordnung des Fördervereins besteht aus 15 Mitgliedern, die es sich seit einem halben Jahr, neben vielen anderen Aktivitäten, zur Aufgabe gemacht haben, Heimatkunde zu betreiben und „von den Lebenden noch etwas zu erfahren”.

Ein Ausschuss erarbeitet historische Details, ein zweiter verarbeitet sie. Besonders gefragt sind die Erinnerungen der 80- bis 90-jährigen Bürger, die zur Archivierung auf Band aufgenommen werden.

Der Förderverein hat seinen Bürgerraum im Erdgeschoss der instandgesetzten Alten Schule, während die Amelner Feuerwehr Keller, Obergeschoss und Speicher des Gebäudes nutzt.

Beeindruckende Passionsspiele

Beliebtes Gesprächsthema ist der ehemalige, aus etwa 100 Amelnern bestehende Theaterverein, der Schätzungen zufolge 1925/26 gegründet worden sein müsste. Ab 1930 führte er seine beliebten Passionsspiele im ehemaligen Saal auf, machte aber auch „Gastreisen” nach Linnich und sogar nach Mönchengladbach.

Etwa 700 Bilder sind inzwischen eingescannt und auf CD gebrannt worden, darunter natürlich auch Bildmaterial über die Passionsspiele mit beeindruckendem Bühnenbild und Kostümen. Ein mitwirkender Esel musste nach Bekunden der Teilnehmer die Treppe zum Saal hochsteigen, zum jährlichen Klompenball war es eine Ziege. Im Saal wurden die Tiere dann mit Bier „belohnt”, weiß man zu erzählen.

„Wir haben am Dürpel (auf den Treppenstufen) jesesse met en Jitar un en Mundharmonika”, erinnert sich eine Dame an einstige Freizeitgestaltungen. Das Alter spielte hierbei keine Rolle, zehnjährige Jungen waren genauso dabei wie die 90-jährige Oma.

Die Aufarbeitung der Heimatgeschichte macht Spaß, soviel ist klar. Einige alte Fotos lassen die Mitglieder alles um sie herum vergessen. „02463 war das Postamt Ameln, hier gab es weiß Gott was für Geschäfte und einen Bahnhof. Das Amelner Johännche fuhr von Ameln nach Bedburg”, sind einige Beispiele aus der guten alten Zeit. „Künnemer Platt kalle?”, lautet eine Frage sogar während einer Bandaufnahme. „Is schad, datt dat Platt nit geflescht widd”, setzt eine Dame nach.

Vonderbank nimmt eine lange Auflistung mit „Spitznamen” zur Hand. So wurde Willi Schiffer wegen seiner Größe „Lang” genannt. Der „Ochsebuhr” hatte unüblicherweise Ochsen, während alle anderen Pferde hielten. Zu den weiteren Spitznamen zählten „Nahspaasch” (Rübenkraut) oder „Schermann”. So wurde der einstige Jesusdarsteller genannt, dessen Familie ein Frisörgeschäft führte. Die Teilnehmer haben ihren Spaß, eine Geschichte nach der anderen wird erzählt. Neben Erinnerungsstücken der vornehmlich älteren Teilnehmer sind die „Rurblumen” eine beliebte Quelle, einsehbar im Museum Zitadelle.

Doch die Klärung vieler historischer Fragen steht noch offen, Schriften, Urkunden und Berichte sind gefragt. Interessant ist auch das Leben nach den Kriegen, das Miteinander im Dorf sowie „Amelner Originale”.
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