Erinnerung an vergessene Helden

Von: Björn Wickmann
Letzte Aktualisierung:
geschichts-bu
Neben dem Preisgeld hat Frederik Johnen auch eine Urkunde als Auszeichnung für seine Arbeit mit der Unterschrift des Bundespräsidenten erhalten. Foto: Wickmann

Tetz. Die Sieger des 21. Geschichtswettbewerbs, der von Bundespräsident Horst Köhler unter dem Thema „Helden: verehrt - verkannt - vergessen” ausgerufen wurde, stehen fest. Zu den Gewinnern des Förderpreises, der mit 100 Euro dotiert ist, gehört auch Frederik Johnen aus Linnich-Tetz.

Der 13-jährige Schüler des Gymnasiums Haus Overbach hatte sich das von der Mönchengladbacherin Ruth Hermges verfasste Buch „Eine Kindheit in dunkler Zeit 1932-1945” als Quelle für seine Arbeit ausgesucht. In den von Schülern eingereichten Arbeiten sollte nach Helden des Alltags gesucht werden, die selbstlos zum Wohl anderer handeln.

Hierin berichtet das Kind einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters von ihren Erlebnissen in der Zeit des Nationalsozialismus.

Viele Menschen halfen der Familie in diesen schweren Zeiten nicht, da sie es nicht wollten oder befürchteten, ansonsten von der Gestapo verhaftet zu werden. Aber es gab immer wieder Menschen, die trotz der Gefahr für ihr eigenes Leben bereit waren, ihnen beizustehen.

Offenes Gespräch

„Den Kontakt mit Frau Hermges hat meine Oma hergestellt. Da die beiden Nachbarinnen waren, konnte ich sehr schnell mit ihr ein Gespräch über ihre Erlebnisse führen”, berichtet Johnen. Ihn beeindruckte in dem anschließenden Gespräch sehr, dass Ruth Hermges ganz offen über die schwere Zeit sprechen konnte.

Als sehr negatives Erlebnis ist der Familie das Verhalten eines Arztes im örtlichen Krankenhaus in Erinnerung geblieben, der Hermges kleinen Bruder nicht behandeln wollte, weil er Jude war.

Als die Amerikaner schließlich die Stadt 1945 befreiten, stellten sie fest, dass Hermges Familie die einzige in Mönchengladbach war, die den Holocaust überlebt hatte. Gerettet hatte sie ihrer Meinung nach auch die Tatsache, dass der Vater Katholik war und so immer wieder Unterstützer für seine Familie fand.

Ruth Hermges ist mittlerweile 76 Jahre alt und besucht immer noch sehr viele Schulen, um den Jugendlichen von ihren Erlebnissen zu berichten und sie über die Gefahren des neu aufkommenden Rechtsradikalismus aufzuklären.

Hass auf die Täter von damals spürt sie laut eigener Aussage aber trotz ihrer Erlebnisse nicht. Als echten Helden sieht sie ihren Vater an, der trotz widrigster Umstände immer zu seiner Familie gestanden hat und sich nicht zwingen ließ, sich von seiner jüdischen Frau zu trennen.

„Mich hat der Inhalt des Buches sehr betroffen gemacht, und für mich sind die Leute Helden, die der Familie damals geholfen haben, auch wenn für sie nie ein Denkmal errichtet wurde” berichtet Johnen rückblickend.

In Zukunft kann er sich durchaus vorstellen, nochmals am Geschichtswettbewerb teilzunehmen, da ihm die Arbeit an diesem Projekt nach eigener Aussage viel Freude bereitet hat.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert