Erfolglose Suche nach dem Python

Von: gep
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Biologe und Experte Dennis Rödder mit dem Schlangenhaken auf dem Dürboslarer Grundstück, auf dem der der Python zuletzt gesehen worden war. Foto: Peters

Dürboslar. In Gabun hat er Nattern gefangen, in Brasilien Vipern aufgespürt und auf Hawaii Chamäleons studiert. In Dürboslar sucht der Biologe Dr. Dennis Rödder den aus einer Hobbyhaltung entfleuchten Teppichpython.

Rödder ist Leiter der herpetologischen Sektion des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig (ZFMK), Bonn. Der Spezialist für Amphibien und Reptilien erklärt den etwa zwei Dutzend Feuerwehrleuten der Löschgruppen Aldenhoven, Freialdenhoven und Dürboslar, „wo sie am besten suchen“.

Blick in die Tanne

„Theoretisch auch in der Tanne“, sagt Bürgermeister Lothar Tertel in einem der Gärten hinter den Häusern an der St. Ursula-Straße.

Einige Meter weiter mustert ein Feuerwehrmann mit Taschenlampe Tomatenstauden unter einem durchsichtigen Unterstand. Saftig rot sind etliche der kleinen Tomaten, doch von der kleinen Riesenschlange weit und breit keine Spur.

„Habt Ihr was gefunden“, fragt der eine Suchtrupp den anderen. Die Anwort: „Nee, noch nichts.“ Bald macht sich Resignation breit: „Hat keinen Zweck.“ Der Teppichpyhon bleibt verschwunden, obwohl alle möglichen typischen Verstecke durchkämmt werden: „Höhere Lagen, die sonnenexponiert sind“, erläutert Rödder. Das sind etwa Holz-, Reisig- oder Komposthaufen, aufgeschichtete Pflastersteine oder kleine Tierställe.

Kurz keimt Hoffnung auf, als sich die Meldung verbreitet, in einem Kaninchenstall fehlten mehrere Tiere. Hat die Würgeschlange Beute gemacht? Doch bald stellt sich heraus: Es ist ein Fehlalarm.

Die drei Biologen aus Bonn, die sich zuletzt wissenschaftlich mit der „Reproduktionsbiologie ausgewählter Pfeilgiftfrösche“ oder dem akustischen Vermögen von Klappenbachs Hummelkrötchen (Melanophryniscus klappenbachi) beschäftigt haben, bringen, herankutschiert von Bürgermeister Tertel, das übliche Equipment zum „Snake Handling“ mit: Schlangen-Haken, um das Tier aus seinem Versteck zu angeln, Tier-Greifer, um das Reptil sicher hinter dem Kopf zu fixieren, überlange Schutzhandschuhe und eine Transportbox aus weißem Kunststoff.

Doch weder Rödder noch seine beiden Helfer, die beiden Master-Studenten Meike Kurth und David Hörnes, kommen dazu, die Profi-Gerätschaft einzusetzen. So müssen sich damit begnügen, im Reisig zu stochern oder hinter Steinhaufen zu spähen.

Otto Normalverbraucher sollte sich auf jeden Fall davor hüten, den Teppichpython anzupacken, betont Rödder. Er würde sich nur „blutige Finger“ holen. Spitz und einem Zentimeter lang sind die Zähne der Würgeschlange, fügt Jung-Biologe Hörnes hinzu, der ansonsten aber „alles mag, was kreucht und fleucht“. Schlangen sind keine Schoßtiere. So hält seine Kommilitonin Kurth selbst sechs bis zu 1,50 Meter lang werdende ungiftige Kornnattern, „zum Knuddeln“ aber hat sie eine Katze.

Dass Rödder zur Schlangenjagd ausrücken muss, ist nicht der Regelfall. Meist muss er Tiere begutachten, die von der Feuerwehr gefunden und in Boxen gebracht werden oder vom Zoll präsentiert werden. Denn der Handel mit exotischen und oft auch geschützten Arten ist ein Milliarden-Markt.

Nachweis der Sachkunde

Rödder, der unter den deutschen Terrarianern als Kapazität gilt, spricht sich dafür aus, dass Halter einen Sachkundenachweis vorweisen müssen. Denn „auch Schlangen leiden“, wenn sie nicht richtig umsorgt werden, können dies aber nicht wie ein Hund deutlich machen, fügt Hörnes hinzu. Denn unbedingt gehöre auch „Verantwortungsbewusstsein“ dazu, betont Meike Kurth.

Scharfe Kritik an dem „unnötigen Spektakel“ übte indes der Vater des Halters des Dürboslarer Teppichpythons. Der Großeinsatz hätte abgeblasen werden müssen.

Das „absolut ungefährliche“ Tier hätte schon am vorigen Freitag, als es „seelenruhig“ in der Hobby-Werkstatt herumschlängelte, von seiner mit allem Nötigen ausgerüsteten Tochter „aufgenommen“ werden können. Doch daran sei sie gehindert worden. Der Teppichpython war vorige Woche Dienstag bei Renovierungsarbeiten aus dem Haus entwischt.

Wer die dämmerungs- und nachtaktive Würgeschlange sichten sollte, wird gebeten, sich unverzüglich beim Bereitschaftsdienst der Gemeinde Aldenhoven unter Telefon 0151/ 12618070 zu melden oder die Notruf-Nummer der Feuerwehr Telefon Telefon 112 anzuwählen. Diese Schlangenart benötigt hohe (tropische) Temperaturen um zu überleben. Sie liegen tagsüber bei 28 bis 31 Grad, nachts bei 25 Grad.

Die örtliche Feuerwehr ist dank Dr. Rödder jedenfalls gewappnet, um sich des Reptils bemächtigen zu können: Handschuhe tragen, Frotteehandtuch über den Kopf des Tieres werfen, um ihm die Orientierung zu nehmen, und es in einem Sack transportieren.

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