Energiewald stellt Unabhängigkeit sicher

Von: Antonius Wolters
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Der Energiewald an der Hompescher Straße in Müntz ist der ganze Stolz von Rolli-Fahrer Michael Biermann, den die schnell wachsenden Pappeln energieautark machen sollen. Foto: Wolters

Müntz. Die Energiewende hat viele Facetten. Neben Strom aus Wind, Wasser und Sonne gibt es auch nachwachsende Rohstoffe, die einen Beitrag zur Energieversorgung leisten, wie etwa der Energiewald Müntz. Der gehr auf die Initiative von Michael Biermann zurück, der nach einem Unfall seit rund 20 Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Das beschränkt naturgemäß die Bewegungsfreiheit des 44-Jährigen, nicht jedoch dessen Ideenrichtum. So hat er eine frühere Scheune als Wohnhaus umgebaut und vor zwölf Jahren um einen Kaminofen ergänzt, für den er im waldarmen Müntz stets auf der Suche nach Brennholz war.

„Der Traum ist, eine große Feuerungsanlage für mehrere Wohneinheiten zu errichten“, schwebt Biermann eine so genannte Hackholzheizung vor, die natürlich noch mehr Brennstoff benötigt.

„Es ist faszinierend, eigene Bäume anzupflanzen“, hat Biermann vor knapp einem Jahr damit begonnen, den Gedanken der Selbstversorgung in die Tat umzusetzen, um „mal den Anfang zu machen“. Am 18. April 2012 hat er mit Hilfe seiner beiden Neffen Pascal und René Strehl sowie seinem besten Freund Roland Gilles damit begonnen, auf einem Feld an der Ophertener Straße 400 Stecklinge im Abstand von 1,80 Metern zu setzen. Auf der rund 1500 Quadratmeter großen Fläche hatte sein Nachbar Heinz-Josef Schmitz als weiterer Beteiligter zuvor den Boden maschinell vorbereitet. Nebenan befand sich ein Rübenacker.

Schnell wachsende Pappeln

„Das läuft alles unter Landwirtschaft, ist keine Forstwirtschaft“, weiß Michael Biermann, der die zertifizierten Pappelbäumchen übers Internet bezogen hat. Es ist eine speziell gezüchtete, schnell wachsende Sorte, die eine schmale Krone aufweist und wenig Laub entwickelt.

Die 400 Bäume werden in zehn Jahren rund 20 Meter hoch sein bei einem Stammdurchmesser von etwa 25 Zentimetern – das ergibt unterm Strich etwa einen halben Kubikmeter Holz.

Bei der Inventur im Dezember , die auch mit dem Jäten von Wildkräutern verbunden war, hatte das kleine Gehölz bereits eine Größe von gut zwei Metern erreicht bei einem Durchmesser der Bäumchen von rund 2,5 Zentimetern. Auch die garantierte Anwachsquote von mindestens 80 Prozent wurde in Müntz mit mehr als 90 Prozent deutlich übertrofen. „Ich bin erstaunt, dass es so gut geklappt hat“, ist der Müntzer Rolli-Pilot mit der bisherigen Entwicklung seines Versuchsballons sehr zufrieden.

Da die Handhabung von 20 Meter großen Stämmen im Jahr 2022 nicht ganz einfach wäre, hat Jung-Bauer Biermann inzwischen überlegt, die Bäumchen alle zwei bis drei Jahre zu ernten und mit einem umgebauten Maishäcksler in die gewünschten Hackschnitzel zu zerkleinern. Eine Weiterverarbeitung zu Holzpellets ist indes nicht möglich, da der Rindenanteil zu groß ist.

Unlängst war ein weiterer Arbeitseinsatz für das bewährte Helferteam fällig, denn Michael Biermann hat zwischenzeitlich festgestellt, dass bei der Pflanzaktion vor einem Jahr der Mindestabstand zur Straße nicht eingehalten worden ist. So lange die Bäume so klein sind, ist das zwar noch unproblematisch, könnte aber zu Behinderungen führen, wenn die Bäume in die Höhe schießen.

So sind die entsprechenden Pappelbäumchen gerodet worden und dienen nun als Stecklinge für eine Neuanpflanzung im hinteren Teil des Geländes. Ein Vorteil der Pappeln ist es nämlich, dass sie – einmal in die Erde gesteckt und angegossen – Wurzeln ziehen und als eigenständige Pflanze weiter wachsen und gedeihen. So kann Biermann mit den nachgezogenen Ablegern im Frühjahr das Wachstum seines Energiewaldes trotz zwischenzeitlicher Ernten während der Wintermonate stetig in Gang halten.

„Ich denke auch ein bischen an die Umwelt“, erwähnt Energiewirt Biermann einen weiteren Aspekt, den er mit seinem Projekt verfolgt. So können Interessenten zum Preis von 15 Euro einen Baum kaufen und ihrem Kaminholz quasi beim Wachsen zusehen. Mit einem der durchnummerierten Anteilschein kann im Jahr 2022 der zuvor ausgesuchte Baum gefällt werden, muss jedoch anschließend auch selber zerlegt und abtransportiert werden.

CO2-Neutralität erwerben

Eine weitere Möglichkeit ist es, sich CO2-Neutralität zu kaufen: Pro Baum und Tag werden rund zwei kg CO2 gespeichert. Für fünf Euro wird ein Baum für zehn Jahre angepflanzt, der in dieser Zeit rund 7,3 Tonnen CO2 umwandelt. Wer beispielsweise ein Auto fährt, das 150 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt, erzeugt bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern in zehn Jahren rund 22,5 Tonnen CO2. Mit dem Kauf von drei Bäumchen würde hier die CO2-Neutralität erreicht. Nähere Infos: www.energiewald-muentz.jimdo.de; E-Mail: rolli.energy@gmail.com

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