Einzelhändler wünschen sich ein Zugpferd fürs Stadtzentrum

Von: ptj
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Rund 15 Einzelhändler diskutieren mit Konzeptplaner Rainer Schmidt-Illguth (l.). Foto: Jagodzinska

Jülich. „Wir können die meisten Punkte nachvollziehen und halten sie für sinnvoll“. So kommentierte Wolfgang Hommel, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, das im Neuen Rathaus vorgestellte Einzelhandelskonzept.

Rainer Schmidt-Illguth, Kölner Niederlassungsleiter der BBE Handelsberatung, hat das Konzept, in dem Städte und Gemeinden ihre Entwicklungsziele festlegen, für die Stadt Jülich erstellt und der Öffentlichkeit präsentiert. Erneut hielt sich die Resonanz unter den Einzelhändlern in Grenzen, an Aufmerksamkeit und Beteiligung mangelte es aber nicht. „Mit dem Einzelhandelskonzept kann die Stadt leichter als zuvor einen Bebauungsplan und damit Planungssicherheit herstellen“, klärte Schmidt-Illguth vorab auf.

Defizite in der Innenstadt

Nicht neu ist die Tatsache, dass „Onlineversender den Einzelhandel sehr stark angreifen“. Diese Konkurrenz werde sich weiter verstärken. Aufgabe der Stadt sei es, für städtebauliche Grundlagen zu sorgen. Diese sind im Baurecht unterteilt in zentrenrelevant, nahversorgungsrelevant und nicht-zentrenrelevant. In Jülich verfügen 264 Einzelhandels- und Ladenhandwerksbetriebe über eine Verkaufsfläche von rund 57.150 Quadratmetern und erwirtschaften nach eigener Prognose einen Gesamtumsatz von etwa 185 Millionen Euro.

Schmidt-Illguth analysierte zusammengefasst eine „spürbar scharfe Wettbewerbssituation ohne klare Defizite in der vitalen Innenstadt“. Aber: „Ihre Innenstadt droht, die Nahversorgung zu verlieren. Wir brauchen funktionale Vielfalt auf engem Raum“. Für den Lebensmitteleinzelhandel „müssen geeignete Innenstadtstandorte entwickelt werden“.

Zudem sieht der Experte Ergänzungs- und Verbesserungsbedarfe in den Bereichen „Junge Mode“ und Unterhaltungselektronik. Außerhalb des Zentrums sollen seiner Bedarfsbestimmung nach nur „ausgewählte Großbetriebe realisiert werden“. In seinem Standort- und Zentrenkonzept bezeichnete er außerhalb der Innenstadt die Römerstraße, die Linnicher Straße und Koslar aufgrund ihrer Frequentierung als Hauptversorgungsstandorte. Die Standorte „Von-Schöfer-Ring“ und „An der Lehmkaul“ schlug er ergänzend für den großflächigen nicht-zen-tralrelevanten Einzelhandel vor.

Aus räumlichen Erwägungen nannte er als potentiellen Nahversorgungsstandort zudem Welldorf, wo „der Werbephylon schon von der B55 aus zu sehen wäre“.

Die Handelsberatung hatte sich „in Absprache mit der Verwaltung“ acht Standorte untersucht. Unter anderen nannte Schmidt-Illguth das 1600 Quadratmeter große Areal „Altes Rathaus/Stüssgen“, als geeignet für die Aufnahme kleinerer Fachmarktkonzepte oder das rund 6400 Quadratmeter große Areal am „Neuen Rathaus“ als potentiellen Standort für einen modernen Lebensmittelmarkt. Für den rund 4700 Quadratmeter großen Walramplatz lägen bereits „drei Ideenkonzepte mit spannenden Ansatzpunkten vor“.

Besondere Aktualität gewinnt das rund 3500 Quadratmeter große Areal „Kaiser‘s/Allkauf“ als Potenzialfläche für einen großflächigen Einzelhandelsbetrieb. Sollten die ersten Potenziale „längerfristig nicht entwickelt werden können, bleibe kaum mehr als das (rund 9300 Quadratmeter große) Areal der Stadtwerke übrig“, betonte der Referent, der diesen Standort aber eher als attraktive Wohnfläche an der renaturierten Rur einordnet.

Zentrenrelevante Sortimente

In der anschließenden angeregten Diskussion fragte Wolfgang Hommel nach der Einteilung in der Liste zentrenrelevanter Sortimente. Dort hatte Schmidt-Illguth Fahrräder, -ersatzteile und -zubehör sowie Beleuchtungskörper/Lampen sowie „Zoo und Tiere“ als nicht-zentrenrelevant benannt, obwohl sie in der Jülicher Innenstadt bereits angesiedelt seien. Schmidt-Illguth verwies auf den Maßstab. Ihr Flächenbedarf sei für die Innenstadt zu groß. Im Zen-trum böten sich eher der „Ausstellungsraum“ eines Möbelhändlers oder ein sehr spezieller Fahrrad-Serviceanbieter an. Geld würde in beiden Fällen mit Montage und/oder Einzelanfertigung verdient.

Es sei im Einzelhandel ganz wichtig, „die Modernität im Auge zu behalten“. Ute Werner, die Vorsitzende der Werbegemeinschaft, wünscht sich das „absolute Zugpferd“ wie beispielsweise das mehrfach gewählte „H & M-Geschäft“ nach Jülich. Schmidt-Illguths Einwand: „Dieser Anbieter würde aber nur in die Hauptgeschäftslage (an die Ecke Kölnstraße) gehen“.

Zudem betonte Werner die katastrophale Lage für die Kleine Rurstraße, sollte „Kaiser‘s“ 2015 wegfallen und sich nicht übergangslos ein Lebensmitteldiscounter ansiedeln. Sie bat den Leiter des Planungsamtes der Stadt Jülich, ihre Bitte um Prüfung und Information an die Stadtverwaltung weiterleiten.

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