Jülich/Niederzier - Eine junge Erfolgsgeschichte

Eine junge Erfolgsgeschichte

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
Heute ist Fabian Lohrmann ein
Heute ist Fabian Lohrmann ein gefestigter junger Mann. Die Zeit in Jülich hat ihm dabei geholfen. Foto: Jansen

Jülich/Niederzier. Zerrüttet - so lässt sich das Leben von Fabian Lohrmann bis zum Herbst 2006 beschreiben. Die Beziehung der Eltern untereinander war zerrüttet, die Beziehung zu ihrem Kind, der Junge selbst auch. Heute lächelt der 18-Jährige viel, ist auf dem besten Weg, einer Einser-Abi zu bauen und wird von vielen seiner Mitschüler beneidet.

Der erste Tag in seinem neuen Leben hat mit einer Entscheidung begonnen. Seit einer gefühlten Ewigkeit schon hatte sich der Zwölfjährige damals so viel Zeit wie möglich genommen und so viele Ausreden wie möglich gefunden, um die Rückkehr von der Schule nach Hause herauszuzögern.

An diesem Tag war die Heimkehr unmöglich. Deswegen hat er sich einem Freund und am gleichen Abend noch der Polizei anvertraut. Sein leiser Hilferuf verhallte nicht ungehört. Innerhalb von 24 Stunden wurde er im Krankenhaus auf Spuren von Gewalt untersucht und dann nach Jülich gebracht. „Ich wusste am Anfang gar nicht, was ich denken sollte. An diesem Tag war so viel passiert”, erzählt der Schüler heute über die ersten Stunden in der Kinder-WG im Stadtteil Mersch. „Aber ich war auf einmal in einer sicheren und freundlichen Umgebung.” Eigentlich sollte der Junge nur ein paar Tage auf dem entwidmeten Bauernhof bleiben. Daraus wurden über fünf Jahre.

Geschichte und Erdkunde

Die Entwicklung, die der junge Mann seit seiner Ankunft in der Kinder-WG genommen hat, ist eine der Erfolgsgeschichten, die das Haus der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe geschrieben hat. Aufgrund der vielen Probleme in seiner Familie war Fabian Lohrmann ein schlechter Schüler, und war „überhaupt nicht motiviert.” Das hat sich grundlegend geändert. Heute besucht der junge Mann die Oberstufe der Gesamtschule Niederzier/Merzenich. 1,3 lautet sein Notendurchschnitt im Moment. „Ich interessiere mich für Erkunde und Geschichte; auch, wenn die Schule vorbei ist”, sagt er. Worum ihn die meisten Mitschüler beneiden: Der 18-Jährige hat eine eigene Wohnung. Im Winter ist er aus der Kinder-WG ausgezogen in Richtung Niederzier. Eineinhalb Stunden Busfahrt liegen zwischen Mersch und seiner Schule. Mit den Mitschülern treffen; jetzt geht das ohne Probleme.

Keine Probleme bereitet ihm das Alleinleben. Haushalt und Ordnung, Dinge eben, mit denen sich junge Menschen in seinem Alter plagen müssen, funktionieren von selbst. Das hat er in der Kinder-WG gelernt. Ordnung halten und für andere mitdenken sind ein Muss, wenn man mit acht anderen jungen Menschen unter einem Dach wohnt. In Sachen Selbstständigkeit und Sozialverhalten hat Fabian Lohrmann die meisten Menschen in seinem Alter überholt. Auch, weil er gut mit dem wenigen Geld, das ihm zur Verfügung steht, wirtschaften kann.

Dabei war der Rückstand groß, als er 2006 nach Jülich kam. Schwierig sei die Zeit in Mersch manchmal gewesen. „Aber ich habe die Probleme gemeistert und mich weiter entwickelt.” Dieses Fazit kann er jetzt, wenige Monate nach seinem Auszug, ziehen. Vielleicht auch, weil er die Sorgen und Ängste, die andere Kinder in der WG nach ihm durchlebt haben, schon kannte.”Er fehlt uns. Auch als Zugpferd für die Jüngeren”, sagt Betreuer Sebastian Simons.

Die Kinder-WG ist weiter zuständig

Fabian Lohrmann gehört nach wie vor der Kinder-WG in Mersch an, obwohl er mittlerweile alleine in Niederzier wohnt. Zumindest bis zum Abitur wird das so bleiben. In der Zeit in der WG und auch derzeit kommt die finanzielle Grundlage für sein Leben vom Jugendamt seines Heimatortes. Perspektivisch wird die ARGE die Förderung übernehmen.

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