Rödingen - Eine Fundsache gerät in Mühlen der Bürokratie

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Eine Fundsache gerät in Mühlen der Bürokratie

Von: jago
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Gefunden und verschwunden: Heinz-Theo Becker wundert sich, dass eine wertvolle Fundsache auf dem Amtsweg verloren gehen kann, ohne dass es Konsequenzen nach sich zieht. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Als Heinz-Theo Becker im Mai 2012 in Düsseldorf ein Mobiltelefon fand, war ihm zunächst gar nicht bewusst, dass es sich um ein Blackberry Smartphone der gehobenen Preisklasse um 500 Euro handelte. Die Zeit drängte, der Zug nach Hause sollte in wenigen Minuten abfahren. Deshalb steckte Becker das Handy ein und gab es später bei der Jülicher Polizeiwache ab. Jetzt ist es weg.

Da es nicht als gestohlen gemeldet war, wurde es von dort als Fundsache der Stadt Jülich übergeben, deren Mitarbeiter den Erhalt quittierte. Ein halbes Jahr später fragte der ehrliche Finder beim Fundbüro nach, ob der Verlierer sich gemeldet habe, andernfalls würde das Mobiltelefon ihm ja zustehen. Damit begann die Suche. Ein Mitarbeiter des Fundbüros teilte mit, dass das Blackberry per Post ans Fundamt in Düsseldorf geschickt worden sei. Doch dort sei es nie angekommen, lautete die Auskunft aus der Landeshauptstadt. „Ich hatte es fast erwartet“, erzählt Becker, dessen Spürsinn nun geweckt war und ergänzt: „Jetzt wollte ich erst recht wissen, wo das Gerät abgeblieben ist.“

Das Amt für Rats- und Rechtsangelegenheiten der Stadt Jülich nahm sich der Sache an und meldete den „Schadenfall abhanden gekommene Fundsache“ der städtischen Haftpflichtversicherung. Schließlich ging es darum, dass man dem ehrlichen Finder den ihm zustehenden Finderlohn nicht vorenthalten wollte. Die Versicherung kam jedoch zu dem Ergebnis, „dass ein begründeter Schadenersatzanspruch … nicht besteht“.

Dieser bestehe nur dann, „wenn ein schuldhaftes Fehlverhalten oder Versäumnis in Bezug auf den Schadeneintritt vorzuwerfen ist“, was im vorliegenden Fall nicht nachgewiesen sei. Auf Anfrage unserer Zeitung bei der „GVV Kommunal Versicherung VvaG“, ob sie den Standpunkt vertritt, dass der von der Stadt Jülich bestätigte unversicherte Versand des etwa 500 Euro teuren Mobiltelefons in einem Luftpolsterumschlag ohne Einlieferbeleg nicht als Versäumnis zu werten sei, obwohl in der Verwaltung bekannt ist, dass die Deutsche Post AG bei der gewählten Versandart ausdrücklich für einen Verlust auf dem Versandweg nicht haftet, antwortete diese: „Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir Ihnen gegenüber in dieser Angelegenheit mit Rücksicht auf das laufende Verfahren keine Stellungnahme abgeben.“

Vom Rechtsamt der Stadt Düsseldorf erhielt Heinz-Theo Becker die schriftliche Auskunft, „dass im Düsseldorfer Fundbüro grundsätzlich nicht automatisch die Fundsachen an eine andere Stadt abgegeben werden, sondern eine Kopie der Fundanzeige nur dorthin verschickt wird.“ Weiter heißt es: „Telefonisch teilte mir auch der Leiter des Fundbüros mit, …, dass die Stadt Jülich anscheinend vergessen hat, gewisse Identifizierungsmerkmale festzuhalten. Eventuell wäre dies auch hilfreich für die Argumentation mit der Versicherung.“

Der Leiter des Jülicher Ordnungsamtes, Hans Pinell, bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung den Sachverhalt. „Die Abgabe einer Fundsache aus einer anderen Stadt hatten wir bisher noch nie. Dass jemand, der ein Handy in Düsseldorf verliert, ausgerechnet in Jülich nachfragt, kann man wohl ausschließen. Verwaltungstechnische Vorgaben für eine solche Situation gibt es nicht, und so hat unser Mitarbeiter im Vertrauen auf die Zuverlässigkeit der Post das Gerät dorthin geschickt, wo am ehesten damit zu rechnen war, dass es dort gesucht wird.“

„Unglücklich abgelaufen“

Im Nachhinein sieht die Behörde ein, dass eine Meldung nach Düsseldorf und der Verbleib der Fundsache in Jülich der bessere Weg gewesen wäre, räumt Pinell ein: „Es tut uns leid für Herrn Becker, dass der Vorfall derart unglücklich abgelaufen ist. In Zukunft werden wir anders verfahren. Wir bitten aber um Verständnis, dass unsere Möglichkeiten im vorliegenden Fall ausgeschöpft sind.“ Rechtlich ist die Vorgehensweise der Jülicher Amtsstelle nicht zu beanstanden. Heinz-Theo Becker geht es auch nicht darum, sich zu bereichern. Wollte er das, hätte er das Blackberry gar nicht erst abgegeben.

Einen eventuellen Finderlohn würde er einer sozialen Einrichtung spenden. Über die weitere Vorgehensweise ist er sich noch nicht im klaren, zumal die Versicherung von einem „laufenden Verfahren“ spricht. Eins steht für ihn jedoch fest: „Wenn ich noch einmal etwas Wertvolles finde, dann werde ich damit ganz sicher anders umgehen.“

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