Eine Exkursion durch 20 Millionen Jahre Waldgeschichte

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Dr. Nils Redde (l.) führte die LeserGruppe bis hinauf bis zur Wiege und der Kinderstube des Waldes auf der Sophienhöhe. In zwei Förstergenerationen haben die Rekultivierungsexperten und die Natur ihre Aufgabe erfüllt. Foto: Jonel
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Noch stehen die Küstentannen dicht im Mammutwald. Doch in diesem Jahr wird durchforstet, um den Sequoia-Riesen Platz zu schaffen. Foto: Jonel

ülich. Es war eine außergewöhnliche Sommertour, zu der mit dem Hahnenschrei knapp 20 Leserinnen und Leser unter Führung von Dr. Nils Redde den Aufstieg zum Gipfel der Sophienhöhe unter die Wanderschuhe nahmen. Es ging hinein in die erwachende Natur und durch ein Ökosystem, das gleichsam am Reißbrett geplant wurde.

 Das aber soll dem fertigen Werk letztendlich nicht mehr anzusehen sein. „Rekultivierung fängt im Altwald an, und da wollen wir mit der Rekultivierung auch wieder hin“, beschrieb Dr. Nils Redde den Kreis, den man vollenden will. Der Projektleiter Rekultivierung bei RWE Power ließ die Gruppe an einem hochspannenden Projekt von Alleinstellungscharakter teilhaben: „Wie wir hier rekultivieren, mit solch einem Standard, ist weltweit einzigartig.“

Redde ging tief hinab in die Erdgeschichte, in die Zeit vor 20 Millionen Jahren und zum Ursprung der Braunkohle, zu der Verkapselung durch Schotter- und Kiesschichten, zur Eiszeit vor 7000 Jahren und einem drastischen Klimawandel vor 6000 Jahren mit mediterranem Charakter und einem weiteren vor 4000 Jahren hin zu dem jetzt herrschenden. Der Mensch war in der eigentlichen Eichen-Hasel-Zeit ein prägender Faktor. „Agrarisches Hochleistungsraum“ nahmen die Bereiche ein, „wo heute eigentlich Buchenwald sein müsste“. Mit Beginn des Braunkohlenabbaus im 17. Jahrhundert und vor allem der industriellen Verwertung der Braunkohle ab dem 19. Jahrhundert, setzte der Gedanke ein, „die Landschaft nach der Braunkohle“ möglichst „multifunktionaler“ zu hinterlassen. Redde: „Das machen wir seit 1860.“

Und dann ging es in medias res – in den alten Mittelwald am Fuß der Abraumhalde, der „typisch ist für den Hambacher Forst“. Er wie auch der Lindenberger Forst – in NRW erste Naturwaldzelle in privater Hand – werden genutzt als „Trittsteine“ der Arten vom Altwald in den rekultivierten Bereich.

Der wiederum hat im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte wesentliche Veränderungen erfahren. Das vormals praktizierten Planieren der Hänge des „Tafelbergs“, das zur Bodenverdichtung führte, wurde aufgegeben. Die Sophienhöhe modelliert nun der Absetzer. Der überzieht die den alten tertiären Boden mit einer vier Meter mächtigen Forstkiesschicht. Dieser Nährboden des pflanzlichen Lebens ist ein spezifisches Gemisch aus Löss, Sand und Ton. In diesen Böden „ohne Gefüge“, Redde nennt diesen Bereich „Kampfzone“, werden die Bäume gesetzt, die in zwei Förstergenerationen eine gesunden Wald bilden sollen: Buchen, die im Schatten von Erlen und Pappeln heranwachsen.

Pro Jahr wird eine Fläche von 50 bis 75 Hektar im Tagebauvorfeld gerodet. Eine gleich große Fläche wird im Gegenzug aufgeforstet mit rund 500.000 Bäumen jährlich. Sie unterliegen hohen Qualitätsanforderungen, allerdings haben sie auch eine extrem hohe Anwachsrate. Die „toten“ Bäume, die aus dem Jungwald ragen, sind gezielt gesetzt worden. Es handelt sich um präparierte Höhlenbaume, in die Tiere aus dem Altwald Siedlungsmöglichkeiten finden.

Wie vor 20 Millionen Jahren

Eine Besonderheit bietet der sogenannte Mammutwald in der Nähe des einstigen Gipfelkreuzes – der Gipfel des Abraumbergs liegt mittlerweile etwas höher. Der Bestand mit den markanten raurindigen Sequoia und amerikanischen Küstentannen sind „so was wie ein Arboretum“, ein Baumarten. „Die Zypressen erinnern an das, was hier vor 20 Millionen Jahren gewachsen ist“, schlug Redde einen weiten Bogen. Hier wie auch im Altwald ließ Redde die Sinne den Wald erforschen.

Schweigend lauschen und auch mal einen Baum anfassen, eröffneten sich Eindrücke, die dem Normalwanderer entgehen. Bei der Fülle an Details und Informationen, mit denen der Rekultivierungsexperte aufwartete, war ihm eine Botschaft besonders wichtig, die der öffentlichen Einflussnahmen auf die Rahmenbetriebspläne. „Wie die Landschaft sich hier gestaltet, ist nicht der Wille von RWE, sondern der Wille der Gesellschaft, Ihr Wille also.“

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