Jülich - Einbürgerungstest: Auch mancher Deutsche würde dran scheitern

Einbürgerungstest: Auch mancher Deutsche würde dran scheitern

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Der Einbürgerungstest ist nicht einfach. Im Bild eine VHS-Gruppe bei der Vorbereitung auf den Test. Foto: VHS Jülich

Jülich. Erinnert sich noch jemand an den Film „Die Schweizermacher” mit Emil Steinberger, in dem satirisch die schweizerische Einbürgerungspraxis aufs Korn genommen wird? 30 Jahre später werden jetzt auch Deutsche „gemacht”.

Seit September erfolgt die „Umsetzung des Einbürgerungstestverfahrens”, wie es im schönsten Bürokratendeutsch heißt. Danach kann jemand erst dann Deutscher werden, wenn er neben ausreichend nachgewiesenen Sprachkenntnissen auch den so genannten und viel diskutierten Einbürgerungstest besteht. Der besteht aus 310 Fragen aus den Bereichen „Politik in der Demokratie”, „Geschichte und Verantwortung” und „Mensch und Gesellschaft”.

33 Fragen an die Bewerber

Wie beim Führerschein erhalten die Bewerber aus diesem Gesamtkatalog 33 Fragen, von denen mehr als die Hälfte richtig beantwortet sein muss. Die Fragen sind nicht immer ganz einfach, und wahrscheinlich müsste mancher „geborene Deutscher” seinen Pass abgeben, wenn er denn getestet würde.

Die Organisation der Tests liegt bundesweit in Händen der Volkshochschulen. In Jülich ist also die VHS zuständig für Anmeldung, Ablauf und Abwicklung des gesamten Verfahrens. Auftraggeber und quasi „Verfahrensherr” ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge”, das auch die Tests auswertet und den Erfolg bescheinigt. Bundesweit sind die ersten Tests gelaufen, auch in Jülich.

Wo früher gewichtige Entscheidungen für die Stadt getroffen wurden, nämlich im Sitzungssaal des Alten Rathauses, saßen unlängst die ersten 25 „Deutsch-Werdungs-Willigen” angespannt, aber guten Mutes über ihren Tests. Ihre Heimatländer sind über den Globus verstreut: Vietnam, Kongo, Syrien, Kuweit, Türkei, Tunesien, Irak und China.

So ernst das Testverfahren ist, es gibt bei den Antwortmöglichkeiten auch witzige Alternativen. Kostprobe zur Zusammensetzung des Bundeskabinetts: „Das Bundeskabinett ist der Zusammenschluss der unterschiedlichen Kantinen der Bundesregierung”. Und es ist natürlich auch ganz klar, dass ein richtiger Deutscher nur ist, der weiß, dass das „Wunder von Bern” nichts mit der Kirche, aber viel mit Fußball zu tun hatte.

Die letzte Hürde nehmen

Ob das alle Kandidaten auch so sehen, wird sich spätestens zeigen, wenn die Tests ausgewertet sind. Mit einem positiven Ergebnis ist für die Bewerber die letzte, aber wichtige Hürde genommen auf dem Weg, Deutscher zu werden. Einen Emil, der kontrolliert, ob auch alle die deutsche Fahne im Garten hissen, braucht es dann nicht mehr.
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