Jülich - Ein summender Bienenstock im Klassenzimmer

Ein summender Bienenstock im Klassenzimmer

Von: ptj
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Blechbläser begleiten Kanon d
Blechbläser begleiten Kanon der Kinder: Ein voller Erfolg war das Programm „Das Belch kommt” mit fünf Belchbläsern aus dem WDR-Sinfonieorchester in der katholischen Grundschule Foto: Jagodzinska

Jülich. Wer weiß, was ein Orchester ist? Mit dieser Frage begann das etwa einstündige Programm „Das Blech kommt” mit fünf Blechbläsern aus dem WDR-Sinfonieorchester Köln für die rund 120 Kinder aus der Flexiblen Eingangsstufe (Klassen 1 und 2) der katholischen Grundschule Jülich.

Musiklehrerin und -fachfrau Christiane Jurczyk hatte die Veranstaltung mit dem Ziel organisiert, „Kinder mit Blechblasinstrumenten vertraut zu machen”, wie Schulleiter Fred Reinartz es ausdrückte.

Die Kinder wussten, dass in einem Orchester „viele Musiker zusammen spielen” und zählten zahlreiche Instrumente auf. Mit einem Barockstück aus der Feder eines Komponisten, der „seinen 330. Geburtstag gefeiert hätte”, also Georg Philipp Telemann, brachten Peter Mönkdiek (Trompete), Ludwig Rast (Horn), Hans Nickel (Tuba), Frederik Deitz (Posaune) und Peter Roth (Trompete), den Kindern den Klang eines Sinfonieorchesters nahe.

Moderator Eckhard Leue zeigte sich begeistert darüber, „dass wir heute die Musik, die schon so alt ist, noch genauso hören können”. Sogleich erkannten die Schüler im Anschluss eine vorgespielte Melodie, das simple Lied „Bruder Jakob”. Viel Freude bereitete nun allen Teilnehmern ein vierstimmiger Kanon mit Kindern und Lehrpersonal, jede Singstimme wurde von einem Blechbläser begleitet. Ein Bläservortrag des „Bruder-Jakob”-Arrangements von John Iveson mit pointierten Soloeinlagen wie schmetternden Trompetensoli veranlasste die Grundschüler zu fröhlichem Gelächter.

Als besonders interessant erwies sich die Vorstellung der einzelnen Instrumente und die Demonstration der Klangfarbenveränderung. Zu einem „Dämpfer” und seiner Wirkung befragt, wussten Kinder zu sagen: „Die haben da was reingestopft. Es quietscht und pupst”. Dass einer Trompete nur beim kräftigen Hineinpusten und Tastendrücken kein Ton zu entlocken ist, demonstrierte Peter Mönkdiek: Zunächst müssen seiner Beschreibung nach die „Lippen zusammengedrückt” und ihnen Summgeräusche entlockt werden.

Das anschließende, an einen Bienenstock erinnernde Summen der Kinder, bewies sehr viel Potential für eine Blechbläserkarriere. Eine zaghafte Melodie konnte Mönkdiek alleine mit dem Mundstück erklingen lassen. Eine Fanfare war bereits mit Mundstück auf aufgestecktem Luftschlauch möglich. „Damit das jetzt noch etwas schöner wird”, wurde ein Trichter aufgesteckt. Damit war die Konstruktion eines Blechblasinstrumentes bestens veranschaulicht.

Weil ein „zu langer Schlauch in kein Auto passen würde”, wurde er gewunden und in ein silbernes Metallgehäuse gesteckt, wie mit Ludwig Rasts Horn veranschaulicht. Elefantenähnliche Geräusche oder die vieler vorbeifahrender Rennwagen entlockte Deitz dem Zug (Verlängerung) seiner Posaune. Nickels Tuba war schließlich verstopft, weil sich die Maus aus der „Sendung mit der Maus” darin versteckt hatte. Ganz tiefe Töne, aber auch leisere in höherer Tonlage intonierte schließlich der Tubaspieler. Zum Auftritt der Maus gehörte deren Erkennungsmelodie, die die Sinfoniker nun interpretierten.

Weil Weihnachten vor der Tür steht, begleiteten die Musiker eine Geschichte vom Heiligen Abend, die Moderator Leue vortrug. Eine Powerpointpräsentation verbildlichte die Handlung: Die Trompete eines Engels aus einem himmlischen Orchester spielte schief. Zur Reparatur glitt der Engel auf einer Sternschnuppe zur Erde hinab und versteckte seine Flügel unter einem Regenmantel. Als er mit seinem reparierten Instrument das Musikgeschäft verließ, lernte er Tom kennen. Der Junge, der sich sehnlichst eine Trompete wünschte, war traurig darüber, dass er kein Weihnachtsgeschenk bekommen würde, weil sein Vater arbeitslos war.

Weil „Engel schließlich Freude bringen sollen”, verschenkte der Engel seine sogleich. Weil es eine Zaubertrompete war, spielte sie jede gewünschte Melodie. Viele Menschen blieben bei Tom und seinem wunderschönen Trompetenspiel stehen und warfen Geld in seinen Koffer.

Dramatisch wurde die Geschichte, als drei Halunken Trompete und Koffer stahlen und den Jungen zu Boden warfen. Tom verfolgte die Ganoven durch die Stadt, hinein in eine Kirche und durch einen Zoo. Beeindruckend war die Geräuschkulissenimitation der Blechmusiker.

Doch Tom verlor die Diebe aus den Augen und kehrte traurig heim. Dort trat aber das himmlische Blasorchester auf, spielte zum Tanz auf und überreichte die Trompete zurück. Die Diebe waren bereits in Gewahrsam. Donnernder Applaus und Zugabenforderungen der Kinder waren der Musiker Lohn.

Weil eine andere Schule abgesagt hatte, wurde das Programm im Anschluss überraschend für die Klassen 3 und 4 wiederholt.
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