Jülich - Ein Richter der klaren Worte

Ein Richter der klaren Worte

Von: hfs.
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Mit herzlichem Dank für die sehr gute langjährige Zusammenarbeit verabschiedete Rainer Harnacke als Direktor des Amtsgerichts Jülich Strafrichter Ulrich Kuckelkorn (Mitte) in den Ruhestand. Foto: hfs.

Jülich. „Das Leben geht weiter. Ob Freispruch oder Zuchthaus, und auf die Guillotine hat unser Herr Rat eh niemand geschickt.” Carmen Beinuhn benutzte als Vorsitzende des Personalrates den Abspann aus der Fernsehserie „Königlich bayerisches Amtsgericht”, um den dienstältesten Richter am Jülicher Amtsgericht, Ulrich Kuckelkorn mit den besten Wünschen für den Ruhestand zu verabschieden.

Vor bemerkenswerter Gästekulisse. Als Ulrich Kuckelkorn Ende Juni seine letzte Hauptverhandlung in einer Strafsache führte - nach 33 Jahren und sieben Monaten als Strafrichter beim Amtsgericht Jülich - verfolgten die Richterkollegen diese im Zuschauerraum.

„Einfühlsam, professionell und souverän hast du die Sitzung geleitet. Bewährung oder Verbüßung der Strafhaft, bis zuletzt wurde deine Einschätzung für die weitere Entwicklung des Angeklagten gefordert”, stellte Rainer Harnacke als Direktor des Amtsgerichts Jülich fest, als er in vertrauter Du-Form das Wort ergriff, Wirken und Schaffen des scheidenden Strafrichters würdigte.

Keine Strafsachen

Die vielen Richterkollegen, Personalmitarbeitern und vor allen Dingen Rechtsanwälten, die der Abschiedsfeier beiwohnten, wussten immer, wo „sie beim Richter Kuckelkorn dran waren”. Als der im Januar 1977 als Richter beim Landgericht Aachen eingestellt wurde, folgte fast auf den Tag genau ein Jahr später die Versetzung als Proberichter nach Jülich.

„Du wolltest keine Strafsachen machen und hast sie dennoch bekommen”, erinnerte Harnacke an die ersten Tage an dem mittelgroßen Gericht, bei dem es Ulrich Kuckelkorn schnell gefiel. Jugendstrafsachen, Ordnungswidrigkeitsverfahren und Erwachsenenstrafrecht, alles was fortan mit Strafrecht zu tun hatte, landete auf seinem Schreibtisch.

„Ich habe es immer vorgezogen, vor einer anstehenden Verhandlung für Klarheiten zu sorgen”, meinte Kuckelkorn in seiner Begrüßung, bei der er auch die eine oder Anekdote zum Besten gab. Klarheit bedeutete, dass alle Prozessbeteiligten die Bereitschaft und Fähigkeit in der Hauptverhandlung zeigten, dort die bis dahin vertretenden Vorstellungen „über Bord” zu werfen „mit Blick auf das Ergebnis”, unterstrich der Amtsgerichtsdirektor und verwies darauf, dass Kuckelkorn in Verhandlungen keine Phrasen mochte, immer bestens vorbereitet und Ergebnisse von Ermittlungen immer einer kritischen Würdigung unterzog.

So war es denn auch nicht selten, meinte Harnacke, dass sich zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft ein Schriftverkehr entwickelte. Die Gerüchte, dass die Staatsanwaltschaft Ulrich Kuckelkorn „als nicht einfach bezeichnet, deren Referendare als Sitzungsvertreter ihn gefürchtet haben sollen”, kommentierte Rainer Harnacke nicht. Aber das Raunen bei der Abschiedsfeier kann dahin gedeutet werden.

Dass er mit dem einen oder anderen aneckte, verheimlichte der Verabschiedete nicht. Dass er auch irrte, auch dies stellte Kuckelkorn heraus. Zum Beispiel bei der Kleiderordnung der Rechtsanwälte. „Bei einer Verhandlung erschien einmal einer nur mit einer Robe, darunter ein kariertes Hemd, in meinen Augen unmöglich und nicht statthaft.”

Kuckelkorn, so erinnerte er nun mit Schmunzeln, machte sich sofort sachkundig, musste lesen, dass ein weißes Hemd plus Krawatte bei Gericht nicht vorgeschrieben sind. „Ich habe mich sofort bei dem Anwalt entschuldigt.” Der erschien dann bei der nächsten Verhandlung unter dem Vorsitz des Strafrichters Kuckelkorn mit weißem Hemd und Krawatte. „Dass Sie sich bei mir entschuldigt haben, hat mich beeindruckt”, stellte dieser nun fest. „Und hätte es nochmals eine Verhandlung unter Ihrem Vorsitz gegeben, wäre ich wieder mit Krawatte gekommen. Aber jetzt sind Sie mir ja zuvor gekommen.”

Anerkennung für das Wirken als Richter sprach auch Dr. Stefan Weismann als Präsident des Landgerichts Aachen aus. Bei seinen langjährigen Mitarbeitern bedankte sich Kuckelkorn mit einer Blume, er selbst erhielt von der Beleg- und Richterschaft persönliche Geschenke, und mit dem Kompliment von allen, „dass wir alle sehr gerne mit Ihnen/Dir zusammen gearbeitet haben”, endeten 33,7 Jahre Richtertätigkeit am Amtsgericht Jülich mit guten Wünschen für die Zukunft als Pensionär.
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