Aldenhoven/Baesweiler - Ein halber Abschied von der Erlöserkirche

Ein halber Abschied von der Erlöserkirche

Von: Sigi Malinowski
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(Vorläufiger) Abschiedsgottesdienst in der Erlöserkirche: Pfarrer Ulrich Schuster spricht von einem schweren Tag. Foto: Sigi Malinowski
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Die Tür wird nicht für immer abgeschlossen sein, davon ist auch Prädikant und Küster Dieter Gatzke überzeugt. Foto: Sigi Malinowski

Aldenhoven/Baesweiler. Es ist nur von oben – von der Empore – sichtbar. Mitten in der Predigt streift Pfarrer Ulrich Schuster seine Armbanduhr ab. Als wolle er die Zeit anhalten. Einen Moment von Symbolkraft könnte man das nennen. Denn der evangelische Geistliche und Presbyteriumsvorsitzende der Kirchengemeinde Setterich-Siersdorf spricht von einem schweren Tag.

Während er das tut, bildet sich die nächste hoch emotionale Szene: Drei junge Menschen umarmen sich. So, wie man das tut, wenn man eine Niederlage beispielsweise beim Sport nur gemeinsam ertragen kann. Dabei ist es (noch) kein Verlust, keine Niederlage.

Denn die Erlöserkirche in Siersdorf wird nicht entwidmet. Das betont Pfarrer Schuster ausdrücklich. Es ist auch nicht, wie es fälschlicherweise kommuniziert wurde, der letzte Gottesdienst. „Es wird weiterhin Gottesdienste zu den großen Festen geben“, versichert Schuster. Die Kirche wird allerdings umgebaut, in Kooperation mit der Diakonie. Kostenzwänge und der stark nachlassende Besuch des Gotteshauses haben die Neuorientierung verursacht.

Kurz vor dem (vorläufigen) Abschiedsgottesdienst erzählt Ulrich Schuster in kleiner Runde: „Die Situation ist in etwa so, nicht Fisch, nicht Fleisch.“ Nicht nur die schwindenden Finanzen zwingen zu neuen Wegen, „zeitweise waren wir nur noch mit fünf Besuchern bei den Gottesdiensten“ – bei allein 300 Euro Personalkosten pro Messe.

Schlussendlich suchte man die Zusammenarbeit mit der Diakonie und arbeitet seitdem an einem Projekt einer Tagespflegestätte in der Erlöserkirche. Dazu wird man sich in diesen Tagen mit den Verantwortlichen der Diakonie und auch mit einem Architekturbüro zusammensetzen. Wie die „neue“ Kirche dann aussehen soll, wird sich dann konkretisieren.

Im Gottesdienst, dem ein anschließendes Gespräch mit der Gemeinde folgte, wandte sich Ulrich Schuster an die Menschen und unterstrich: „Wir bringen heute viele gemischte Gefühle mit.“ Und: „Wir verabschieden uns halb von unserer Kirche. Dies in Worte zu fassen fällt sehr schwer“. Trost hatte der Seelsorger für die Menschen aber auch: „Gott ist unsere Zuversicht, unsere Stärke. Herr wir machen uns bereit, Dir bei uns Raum zu geben.“ Verschiedene Angebote, wie beispielsweise die Kinderkirche, sollen bleiben.

Insgesamt stellte der „Hausherr“ fest: „Wir sind in einer Umbruch- und Aufbruchsituation gleichermaßen. Wir wissen aber auch, dass wir nicht ins Ungewisse gehen.“

Wie die Zukunft aussehen könnte, diskutierten der Pfarrer und die Vizevorsitzende des Presbyteriums, Judith Jung, sowie Prädikant Dieter Gatzke und seine Frau Bärbel (Küsterin) bei einem Imbiss mit der Gemeinde. Die befürchteten „Frustgespräche“ blieben aber aus.

Insgesamt war doch Hoffnung spürbar. Hoffnung auf etwas Neues, was Kirche und soziales Engagement in einem Haus weiter bestehen lassen soll.

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