Jülich/Lund/Oslo - Ein Duke kämpft für die EU-Demokratie

CHIO-Header

Ein Duke kämpft für die EU-Demokratie

Von: gep
Letzte Aktualisierung:
conrad fdp bild
Der Jülicher Freidemokrat Maximilian Conrad mit seiner isländischen Ehefrau Hulda Herjolfsdóttir Skogland und der zweijährigen Tochter.

Jülich/Lund/Oslo. Seine erste Erfahrung mit dem europäischen Ausland war eine denkbar schlechte. Bei einem Familienurlaub in Südfrankreich klaute ein Tintenfisch am Strand die Limonadenflasche des Dreijährigen. Zugleich wurde das Auto seiner Eltern aufgebrochen.

Heute jettet der 34-Jährige, 1,87 Meter groß und 82 Kilogramm schwer, zwischen Jülich, Lund/Schweden und Oslo/Norwegen und kandidiert für den FDP-Bezirksverband Aachen für einen Sitz im Europa-Parlament.

Maximilian „Max” Conrad, Mitbegründer des Jülicher Baseball-Clubs Dukes, arbeitet zur Zeit als Politikwissenschaftler an der Universität Lund; im Oktober will er seine Doktorarbeit vorlegen.

Thema der Dissertation ist - natürlich - Europa. Genauer: Kann es so etwas wie eine europäische, also grenzüberschreitende Öffentlichkeit geben, die eine demokratische Kontrollfunktion gegenüber den EU-Institutionen ausüben könnte?

Dass er sich so eindeutig auf Europa spezialisiert hat, ist dem Umstand geschuldet, dass er als Bonner Student der Politikwissenschaften, der Amerikanistik und der Neueren Deutschen Literatur bei einem Studienjahr in Schweden mit einer „großen Europa-Skepsis” konfrontiert wurde.

In Deutschland dagegen, so Conrad, „sieht man die EU schlimmstenfalls als notwendiges Übel an, aber doch überwiegend als einen ganz normalen teil unseres politischen Systems”.

Die Antwort auf die Frage, „was denn an diesem Europa so schlimm sein soll”, hat er bislang - nach zwei abgeschlossenen Master-Studien (in Europa-Politik und Sozialwissenschaften) sowie einer fast fertigen Doktorarbeit „immer noch nicht gefunden”.

Eines ist dem Freidemokraten aber klar: Es liege an den Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten, im Sinne des deutschen Sozialdemokraten Willy Brandt „mehr Demokratie zu wagen”. Und: „Die EU ist genauso bürgerfern, wie sich die Mitgliedsstaaten das wünschen”, nimmt er insbesondere die Europäische Kommission in Schutz. Und dass die Beteiligung an den Europawahlen so niedrig sei, habe seinen Grund darin, dass „das System EU viel zu kompliziert ist”. Wer wisse etwa exakt, was das Europa-Parlament mache und nicht mache?

Mit seiner Kandidatur für das Europa-Parlament will er „das Ganze nun auch einmal praktisch angreifen”. Sein konkreter politischer Antrieb ist: „Die Bürgerrechte haben es zur Zeit schwer, nicht nur in Europa.” Er trete für eine „liberale Politik mit einem sozialen Anspruch” ein.

Dass er auf einem wenig aussichtsreichen FDP-Listenplatz - in NRW auf Platz 6, im Bund auf Platz 30 - rangiert, ist ihm natürlich klar. Die Stimmen gingen der Partei aber nicht verloren, davon profitierten die Kandidaten auf den vorderen Plätzen. „Trotzdem wäre es toll, wenn ich in meiner Heimatstadt für die FDP ein gutes Ergebnis erzielen könnte”, fügt er hinzu.

Wahlkampf im Web

Natürlich werde Wahlkampf „immer noch auch auf der Straße gemacht”, aber das Internet ermögliche jederzeit in Sekunden die Kommunikation mit den Jülicher Parteifreunden und auch mit den Schwiegerelten in Island. „Schade” findet er indes, dass in Deutschland „die Europawahlen vor allem eine Testwahl für die Bundestagswahlen sind”. In Schweden dagegen gehe es dann „wirklich um Europa, um nichts anderes”.

Gleichwohl sei im Zuge der europäischen Einigung vieles erreicht worden. „Die EU ist ein Motor für Wohlstand und Entwicklung.” Der Euro sei eine starke Währung, die sich auch in der derzeitigen Finanzkrise bewährt habe. Die Umweltpolitik verfüge über ein Instrumentarium, um effektiv zu sein. Und: „Wir können überall in Europa leben und arbeiten” - wie er beispielsweise in Schweden, dass 1995 ein Mitgliedsstaat der EU geworden ist.

„Schweden ist einfach ein fantastisches Land”, schwärmt Conrad. „Die Menschen haben eine sehr respektvolle Art im Umgang miteinander.” Was ihn auch beeindrucke, sei die Leistungsfähigkeit des fast schon legendären schwedischen Sozialstaats und die demokratische Organisation der schwedischen Gesellschaft.

Zuckerrüben in Lund

„In Schweden erlebe ich praktisch jeden Tag, dass ich Deutscher bin”, erzählt er. „Aber in Deutschland stelle ich fest, wie schwedisch ich in den vergangenen zehn Jahren geworden bin. Dann fehlt mir vieles, was in Schweden zum Alltag gehört.”

Aber „im Herbst riecht es in Lund genau wie in Jülich nach Zuckerrüben, da denke ich zuweilen an Jülich”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert