Jülich - „Ein Bethaus für alle Völker”

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„Ein Bethaus für alle Völker”

Von: ptj
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Jülich. Viele Menschen hatten wie jedes Jahr „das warme Heim verlassen und die Strapazen des Sich-Erinnerns auf sich genommen”, wie Pfarrer Dr. Peter Jöcken es ausdrückte.

„An der Synagoge” in Jülich begann die Gedenkfeier an die Pogromnacht vor 71 Jahren, die genauso zur deutschen Geschichte gehört wie der Fall der Mauer”.

Vertreter der beiden christlichen Konfessionen sowie der Bahái-Gemeinde, der jüdisch/christlichen Gesellschaft Aachen, der „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz” und einige Politiker zählten zu den Gedenkenden.

Eine Bläserabordnung der benachbarten Musikschule umrahmte die Feier unter Leitung von Klaus Luft. Mit dem Gedicht „Hiob”, in dem die jüdischen Dichterin Nelly Sachs indirekt nach dem Sinn des Lebens fragt, tauchte Pfarrer Jöcken ein in die „Windrose der Qualen”.

In einem Frage- und Antwortspiel mit Pfarrerin Karin Latour riefen Konfirmanden der Christuskirche die schrecklichen Ereignisse in Erinnerung. Sie folgten jüdischen Spuren wie der des Mädchens Anita Lichtenstein, nach der heute eine Gesamtschule in Geilenkirchen benannt ist.

Ihre Freundin Elfriede van der Weyden, die sie in der Dürener Notunterkunft „Gerstenmühle” kennengelernt und der sie ihre Puppe anvertraut hatte, stiftete diese lange nach Anitas Ermordung in Lublin der Schule, die heute ihren Namen trägt, „damit wir nicht vergessen, sondern uns erinnern”.

Ehrliches Bedauern

Es folgte das gemeinsame Gebet von Psalm 121 („Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand. Dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts”) und das jüdische Heiligungsgebet „Kaddisch”.

Im Anschluss hielt der neue Aachener Rabbiner Max Mordechai Bohrer eine kurze Ansprache. Er schätzte das ehrliche Bedauern der Deutschen Bevölkerung und ihr Bemühen um eine friedliche Zukunft, ihre Stütze beim Wiederaufbau jüdischer Gemeinden und schloss mit einem „besonderen Segen”, in dem es nach Jesaija heißt: „...Denn mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker”.

Mit brennenden Kerzen in Händen folgte der Schweigemarsch zum Mahnmal am Propst-Bechte-Platz, wo erneut einfühlsame Trompetentöne erklangen. „Heute versucht man die Opfer noch einmal zu töten, indem man sie ihrer Vergangenheit beraubt” oder „Sie wussten, sie waren jenseits aller Hilfe, aber sie wollten, dass ihrer gedacht wurde”, betonten hier Leserinnen die Wichtigkeit der jährlichen Gedenkfeiern.

Angestimmt wurde das Lied vom Wiedererwachen des Lebens und der Liebe des jüdischen Theologen Ben Chorin: „Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt” und „Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen”. Trennen sollten sich die Gläubigen auch nicht, denn im Bonhoeffer-Haus wurden koschere Häppchen und eben solcher Wein serviert.
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