Ein Abstecher zum Bombennest an der Frontlinie

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Hier spielt die Musik, erklär
Hier spielt die Musik, erklärte Steffen Bräunlich (r.) seinen interessierten Besuchern an der Hauptlinie. Foto: Kròl

Jülich. Hermetisch abgeriegelt ist im Allgemeinen bei einem Feuerwerk die Abschusszone. Dort haben im Vorfeld zu dem großen Spektakel die Pyrotechniker alle Hände voll zu tun, um die Feuerwerkskörper entsprechend der Choreografie aufzubauen und zu verkabeln.

Doch 15 glückliche Leser und ihre Begleitung war es auch beim diesjährigen Feuerwerksfestival „Flammenzauber” vergönnt, einen Blick hinter die Absperrung zu werfen. Bei einer Verlosungsaktion unserer Zeitung hatten sie eine Führung durch die Abschusszone gewonnen und durften Feuerwerker Steffen Bräunlich nach allen Regeln der Kunst über sein Metier ausfragen.

Gerne stand der Pyrotechniker Rede und Antwort. Als die Gäste den abgesperrten Bereich betraten, war schon alles hergerichtet für das spanische Feuerwerk am Freitagabend. Die Musikanlage, die pro Seite 7000 Watt leistete, war bereits aufgebaut. „Wir brauchen diese Leistung, denn ein guter Ton ist wichtig”, erklärte Steffen Bräunlich, der mit fünf Mitarbeitern, darunter einem Tontechniker vor Ort war.

Zunächst führte er seine Gäste zur Frontlinie, die bei den Spaniern relativ klein ausfällt, um dann gleich zur Hauptkampflinie weiter zu gehen „Hier spielt die Musik”, erklärte Bräunlich.

Auf einer Breite von 60 Metern befanden sich alle 12 Meter eine Hauptposition, die wenig später bunte Sterne an den Nachthimmel malen und den Zuschauern so manches Oh und Ah entlocken sollte. Immer beeindruckt sind seine Besucher vom Bombennest, in dem sich die schweren Geschütze befinden. Bis zu 220 Meter steigen die Feuerwerkskörper hoch und zeichnen sich durch herrliche Effekte aus. „Wir haben über 2000 verschiedene Effekte in unserem Lager. Dazu gibt es eine Datenbank, die uns die einzelnen Feuerwerkskörper genau beschreibt”, erklärte Bräunlich. Er wusste leider auch zu berichten, dass es diese Effektvielfalt aufgrund neuer Bestimmungen nicht mehr lange geben werde. „Feuerwerk hat keine Lobby”, bedauerte er und meinte weiter: „Dabei ist das auch Kunst.” Für ihn ist es auch ein Stück Kulturgeschichte, das da verloren gehe, denn stets war ein Feuerwerk Ausdruck besonderer Lebensfreude. Es wird schließlich dann gezündet, wenn es etwas ganz Besonderes zu feiern gilt.

Doch Bräunlich klärte auch über die Technik auf. Obwohl beim Feuerwerk immer noch viel Handarbeit gefordert ist, hat der Computer hier das Sagen. Schon lange wird nicht mehr jede einzelne Rakete von Hand gezündet, sondern durch den Computer. Dabei betont der Feuerwerker aber auch: „Wir können, wenn es nötig wird, jederzeit ins Programm eingreifen und stoppen.” In Jülich wurde dies nicht nötig, und die Teilnehmer der illustren Runde sahen an diesem Abend das Feuerwerk mit ganz anderen Augen. Sie wussten schließlich jetzt, wie viel Arbeit und vor allem auch Sorgfalt hinter diesem himmlischen Feuerspektakel steht.
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