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Durch Krisenherde wird Flüchtlingsstrom wieder stärker

Von: ahw/gep/ojo/vpu
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Äußerlich kein Ruhmesblatt, aber wichtige Adresse für die Stadt, einen Teil der Flüchtlinge unterzubringen: die Unterkunft Selgersdorf. Foto: Uerlings

Jülicher Land. Vor 20 Jahren wurde das Asylrecht in Deutschland spürbar verschärft. Folge des „Asylkompromisses“ der Parteien war ein spürbarer Rückgang von Menschen, die hier Zuflucht suchten, um mehr als 75 Prozent. In Folge haben auch die Städte und Gemeinden im Jülicher Land die Kapazitäten reduziert. In diesem Jahr gibt es wieder deutlich mehr Flüchtlinge und Asylsuchende, die den Kommunen zugewiesen werden, was in erster Linie auf die zahlreichen Krisenherde in der Welt zurückzuführen ist.

Unsere Zeitung hat in fünf Rathäusern des Nordkreises nachgefragt, ob die zur Verfügung stehenden Gebäude und Wohnungen ausreichen, um Antragsteller menschenwürdig unterzubringen. „Wir kommen mit den Räumlichkeiten hin“, sagt der Aldenhovener Bürgermeister Lothar Tertel.

Wohncontainer wie etwa in den 90er Jahren müsse die Gemeinde nicht anmieten. Derzeit werden 15 Asylbewerber beherbergt, die sich im Anerkennungsverfahren befinden. Im vergangenen Jahr waren es zwölf. Die 15 „können wir mit dem Land abrechnen“, erläutert Tertel. Doch die anderen 22 Asylbewerber, die in Aldenhoven trotz Ablehnung des Antrags aus anderen Gründen untergebracht sind, gehen zu 100 Prozent zu Lasten der Gemeinde.

Diese Kosten beziffert der Bürgermeister auf rund 250.000 Euro im Jahr. Die Flüchtlinge sind in ehemaligen Bergarbeiterwohnungen in der Knappenstraße untergebracht. Da es sich meist um Alleinstehende handelt, wohnen sie zu zweit in einer 40 Quadratmeter-„Einheit“. Es sind etliche Nationalitäten vertreten, zählt Dieter Labudda von der Verwaltung auf – etwa Inder, Äthiopier, Aserbeidschaner, Kongolesen, Marokkaner, Iraker, Türken oder Libanesen.

Die Stadt Jülich zählte im Juni gut 140 Asylbewerber, was einer Auslastung von gut 90 Prozent entspricht. „Das liegt daran, dass zwei Familien als Asylsuchende anerkannt worden sind. Wir liegen in der Regel sonst immer bei 100 Prozent“, berichtete Sozialamtsleiterin Doris Vogel auf Anfrage. 70 Menschen sind in Privatwohnungen und 71 in städtischen Quartieren untergebracht. Die Zuweisungszahl steige an. Im Haushalt 2013 sieht die Stadt Kosten von etwa 450.000 Euro vor und erhält 153.000 Euro Landeszuweisung. Die Zufluchtsuchenden stammen unter anderem aus Nordafrika, aus der Türkei (Kurden), Pakistan oder Georgien. Die Sozialamtsleiterin sieht bei beständiger weiterer Zuweisung ein Raumproblem.

Die Gemeinde Inden beheimatet derzeit 23 Asylbewerber. Auch hier ist die Tendenz steigend. 2012 waren es 22, im Jahr zuvor 18. Die jährlichen Kosten beziffert Hauptamtsleiter Heinrich Unterberger – abzüglich der Landesmittel – auf derzeit 115 000 Euro. Nur acht Personen sind in der Gemeinde selbst untergebracht, die anderen in Linnich. Auch in Inden sind die verschiedensten Nationalitäten vertreten – zum Beispiel Türken, Nigerianer, Iraker, Marokkaner, Kongolesen und Somalier.

Die Stadt Linnich beherbergt zur Zeit in der Unterkunft in Gevenich insgesamt etwa 56 Flüchtlinge, die der Stadt Linnich (35) sowie den Gemeinden Inden (13) und Titz (8) zugewiesen sind. Zudem leben in angemieteten Wohnungen 14 Flüchtlinge, die der Stadt Linnich zugewiesen sind, erklärt Sachbearbeiter Stefan Helm. Von den der Stadt Linnich zugewiesenen Flüchtlingen sind derzeit 23 im Anerkennungsverfahren. Die übrigen Personen haben eine Duldung oder eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen.

Hinsichtlich der Nationalitäten ergibt sich ein breites Bild: Nigeria, Ägypten, Marokko, Irak, Syrien, Georgien, Indien, Tadschikistan, Bangladesch, Kongo, Eritrea, Pakistan, Ghana, Afghanistan, Sierra Leone, Guinea, Türkei, Russland und Iran. Probleme bei der Unterbringung ergeben sich, so Helm, in erster Linie aus den breit gefächerten Nationalitäten: Oftmals leben Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten gemeinsam in einem Zimmer. In seltenen Fällen komme es daher zu Spannungen unter den Bewohnern.

Bis auf wenige Plätze sind die Kapazitäten erschöpft, so dass zukünftig weitere Anmietungen auf dem freien Wohnungsmarkt erforderlich würden. Als Landeszuweisung erhält Linnich in diesem Jahr 56.000 Euro. Die Ausgaben für Unterkunft und Regelsätze dürften bei ca. 216.000 Euro liegen.

Die Aufnahmequote für die Gemeinde Titz liegt derzeit bei 12 Asylbewerbern, berichtet der Beigeordnete Christian Canzler. Zuvor waren es jahrelang neun Personen. Canzler: „Auch ich kann einen Anstieg zum Beispiel aufgrund eines weiteren Zustroms von syrischen Kriegsflüchtlingen nicht ausschließen.“

Zu den Bewerbern im laufenden Asylverfahren kommen wie bei den anderen Kommunen auch die bestandskräftig abgelehnten Asylbewerber, die ausreisepflichtig sind, aber nicht ausreisen – zum Beispiel wegen Erkrankungen – und für deren Versorgung die Gemeinde Titz keine Landesunterstützung erhält. Derzeit sind das 14 Menschen. Die laufenden Kosten für 2013 kalkuliert die Gemeinde mit rund 139.000 Euro.

Das Spektrum der Herkunft ist, so der Beigeordnete, sehr weit gefächert – von afrikanischen Nationalitäten über pakistanische Staatsangehörige bis hin zu syrischen Kriegsflüchtlingen. Alleinstehende Männer würden in der Unterkunft in Gevenich untergebracht. Die Unterbringungsmöglichkeiten seien derzeit insgesamt zwar knapp, aber noch ausreichend.

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