Jülich/Stolberg/Düren - Dorfladen goes online: Abholstation soll digitalen und stationären Handel vereinen

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Dorfladen goes online: Abholstation soll digitalen und stationären Handel vereinen

Von: Laura Laermann
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„ONLEIN versorgt – one stop ein shop“: So lautet das Projekt, das die Nahversorgung im DORV-Zentrum Barmen mit dem Einsatz digitaler Technik noch attraktiver machen soll. In speziellen Boxen, die Kühlung garantieren, sollen bestelle Waren in das Geschäft geliefert werden. Foto: Laura Laermann
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Heinz Frey aus Barmen ist Geschäftsführer der DORV/QUARTIER GmbH

Jülich/Stolberg/Düren. Da gibt es dieses eine spezielle Buch, das man lesen möchte. Doch warum sich die Mühe machen, in die Stadt zu fahren, um danach zu suchen? Schließlich kann man auch von Zuhause aus bequem im Internet bestellen und sich ein Exemplar direkt an die Haustür liefern lassen. Kein Wunder also, dass Einzelhändler, ganze Innenstädte unter dem stetig wachsenden Online-Handel leiden.

 Laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) kauften Verbraucher in Deutschland im vergangenen Jahr Waren für 58,5 Milliarden Euro im Internet. Dabei entfiel jeder achte Euro des gesamten Einzelhandels-Umsatzes auf den Handel im Internet. Wer also im stationären Handel zukünftig erfolgreich wirtschaften will, kommt an einer durchdachten Strategie mit mehreren Verkaufskanälen nicht mehr vorbei. Einen ersten Versuch wagt das DORV-Zentrum in Jülich mit dem Projekt „ONLEIN versorgt – ohne stop ein shop“.

Mit den Online-Waffen...

Das Projekt wird vom Land NRW gefördert, das Kommunen, Unternehmen und Vereine regelmäßig dazu auffordert, „digitalen und stationären Einzelhandel zusammenzudenken“. Mit anderen Worten: Der Einzelhandel soll dem Online-Handel mit seinen eigenen Waffen entgegentreten. Bei dem Projekt „ONLEIN versorgt“ soll eine online basierte Abholstation in das DORV-Zentrum inte­griert werden, die das Angebot der Nahversorgung noch attraktiver machen soll. Zunächst wird dieses Konzept in Jülich erprobt, und dann auch im QuartVier in Düren sowie im Dorfladen & Café in Stolberg zum Einsatz kommen.

Bislang können Bürger nicht nur Lebensmittel in dem Zentrum in Barmen kaufen, sondern haben auch Zugang zu Arztpraxen, einem Bankautomaten und anderen Dienstleistungen. Gleichzeitig ist dieser Ort ein Treffpunkt der Gemeinde. Insbesondere Menschen, die wenig mobil sind, bleiben umständliche Wege erspart. Noch einfacher soll es mit einem „Terminal“ werden, der im DORV-Zentrum platziert wird. Über dieses digitale Gerät, aber auch per Handzettel oder App – je nach IT-Fähigkeit des Einzelnen – können Kunden Lebensmittel und andere Waren in das Zentrum bestellen.

Wenn das Sortiment des kleinen Dorfladens ein bestimmtes Produkt nicht hergibt, muss man also fortan nicht mehr in ein weiter entferntes Geschäft fahren. „Uns geht es dabei nicht um Profitmaximierung“, stellt Heinz Frey, der Geschäftsführer der DORV/Quartier GmbH, klar. „Es geht um die Menschen vor Ort, ihre Lebensqualität und das soziale Miteinander.“

Vier Projektphasen

In der ersten Phase des Projekts soll die Bestellung von Lebensmitteln klassischer Supermärkte möglich sein. Dabei bezieht die DORV GmbH die Waren von der Supermarktkette HIT, die die Waren der Bestellung entsprechend kommissioniert. Damit setzt das Projekt einen wichtigen Schritt in Richtung Online-Handel mit Lebensmitteln, der laut bevh im Jahr 2017 erstmals die Milliardengrenze überschritt. Während man vielerorts schon bei Supermärkten frische Lebensmittel bestellen kann, gebe es dieses Angebot für Jülich noch nicht. Frey möchte diese Lücke mit dem Projekt schließen.

In einer zweiten Phase sollen zudem speziellere Produkte aus der Region und in Bio-Qualität angefordert werden können. Hier möchte man mit umliegenden Hof-Läden von Bauern kooperieren. In einem weiteren Schritt werde das System mit Geschäften in der Innenstadt verknüpft. Statt das Buch beim Internetriesen Amazon zu bestellen, kann es dann auch über die App aus der Buchhandlung in Jülich angefordert werden.

Dieser Vorgang ist nicht nur genauso bequem wie Online-Shopping, sondern stärkt auch noch die heimischen Geschäfte. „Eigentlich profitieren alle von dem Projekt“, sagt Frey. „Dem Verbraucher bleibt Strecke und Zeit erspart, das DORV-Zentrum kann mehr Waren verkaufen, und die beteiligten Geschäfte gewinnen neue Kunden.“

Doch wie kommen die Waren der unterschiedlichen Geschäfte in das DORV-Zentrum? „Über eine bestehende Logistikstruktur ohne zusätzliche Kilometer“, lautet Freys Antwort. Ein Transportdienst, der das Lebensmittelgeschäft im DORV-Zentrum generell schon beliefert, lädt dann auch die Bestellungen der Kunden ein und fährt die beteiligten Geschäfte ab. Lebensmittel, die gekühlt bleiben müssen, werden in speziellen Boxen transportiert. In einem Raum im DORV-Zentrum werden die Waren, die bis abends 20 Uhr bestellt werden können, gelagert und können ab morgens 6 Uhr abgeholt werden. Außerdem kann sich Frey vorstellen, noch eine Art Paketstation mit einem 24-Stunden-Zugang in das Zentrum zu inte­grieren.

Letzte Phase

In der letzten Phase von „ONLEIN versorgt“ hat sich der Projektplaner das Ziel „Mobilität“ auf die Fahne geschrieben. Auch der letzte Kilometer – also der vom DORV-Zentrum bis vor die Haustüre – soll überbrückt werden. So dass zum Beispiel alten Menschen das Schleppen schwerer Einkaufstaschen erspart bleibt. Per E-Bike oder E-Car könnten die Waren nach Hause geliefert werden, sagt Frey. „Sogar über Barmen hinaus.“

So lautet der Plan, der Schritt für Schritt in die Realität umgesetzt werden soll. Insgesamt 500.000 Euro soll das Projekt kosten, 50 Prozent dessen zahlt das Land NRW, der Rest wird über Projektpartner finanziert. Erste Testkunden erproben bereits die Bestellung per Handzettel, parallel wird die digitale Shopping-Plattform programmiert, mit der das DORV-Zentrum verbunden sein wird. Im Herbst 2018 soll ein erster „Terminal“ dort Platz finden.

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