Jülich - Die Zuckerrüben tragen ihr Winterkleid

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Die Zuckerrüben tragen ihr Winterkleid

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
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Heinz Leipertz von der Zuckerfabrik präsentiert diverse Rübenmieten auf der Merscher Höhe, die von langen Vliesbahnen gegen die Witterung geschützt werden. Foto: Wolters

Jülich. In der Jülicher Zuckerfabrik sind die Verantwortlichen momentan darauf erpicht, auf dem Rübenhof große Vorräte anzulegen, um gut über die Feiertage zu kommen, in denen die Verarbeitung der süßen Feldfrüchte rund um die Uhr weiterläuft.

Auch wenn sich die Rübenkampagne im Jülicher Land noch bis Ende Januar hinzieht, die Rübenroder, die im Einzugsgebiet der Jülicher Fabrik tätig sind, haben bereits ganze Arbeit geleistet. Bis auf einzelne Lohnunternehmer, die noch mit dem Roden beschäftigt sind, stecken die süßen Knollen nicht mehr im Ackerboden, sondern liegen am Feldrand in länglichen Mieten aufgestappelt, wo sie später mittels der Lademaus auf bereitstehende Rübenzüge oder Lastwagen geladen werden. Dieses technische Hilfsmittel räumt nicht nur recht schnell eine Miete vom Feld, sondern trägt auch und vor allem dazu bei, den Erdanhang weitgehend von den geernteten Zuckerrüben zu entfernen.

Vorsorgliches Zudecken

Damit dies effizient gelingt, trägt das Gros der Feldrandmieten – so die offizielle Bezeichnung – momentan ihr Winterkleid. Heinz Leipertz, Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung im Jülicher Werk von Pfeifer & Langen, schätzt, dass etwas mehr als die Hälfte der Rübenmieten mit Vlies geschützt ist. Das vorsorgliche Zudecken der zwischengelagerten Zuckerrüben werde empfohlen, sobald die maximale Tagestemperatur unter zehn Grad sinkt.

Vom Vlies perle der Regen ab, sagt Leipertz, und trage so dazu bei, die Miete trocken zu halten. Zudem ist das Vlies atmungsaktiv, was wichtig sei, da die Rübe nach dem Roden biologisch noch aktiv sei und dabei den in der Pflanze eingelagerten Zuckervorrat „veratme“. Die dabei entstehende Energie kann durch das Vlies entweichen. Zudem werde die Temperatur konstant gehalten, die Rüben wärmen sich praktisch gegenseitig. Damit wird die Atmung auf einem niedrigen Niveau gehalten, was den Verlust beim Zuckergehalt minimiere.

Vliesmaterial auf Rollen

Das Vliesmaterial auf Rollen – 11,4x43m oder 13x38,5m groß – stellt der rheinische Frostfond zur Verfügung, der auch die Verteilung an die Landwirte organisiert. Getragen und paritätisch finanziert wird der Frostfond von Pfeifer&Langen und vom Rheinischen Rübenbauernverband.

Am 21. November wurde für das gesamte Einzugsgebiet des Jülicher Werkes die Empfehlung zur vorsorglichen Abdeckung verbreitet. Ein Frostaufruf werde erst dann erfolgen, wenn Gefahr in Verzug sei, sagt Leipertz. Die kurzfristige Warnung wird ausgesprochen, wenn im Wetterbericht Temperaturen bis -3 Grad vorhergesagt werden. Das Problem ist der Frostschutz, der bei Temperaturen von -4 Grad und darunter für eine 100-prozentige Sicherung notwendig wird. Das ist nicht zuletzt bei starkem Ostwind der Fall, der indes im Rheinland eher selten auftritt. Solch eine Warnung war im laufenden Winter allerdings noch nicht notwendig.

Sollten die Rüben tatsächlich einfrieren, ist das nicht unmittelbar ein Problem, denn auch tiefgekühlte Feldfrüchte lassen sich innerhalb von acht Tagen verarbeiten. Problematisch sind dagegen Wechselfröste, wenn sich Frost und Tauwetter abwechseln und die Rüben zusammenfrieren, was die Verarbeitung erschwert. Solch eine Witterung ist indes nicht in Sicht.

Um die Rübenmieten und ihre Pflege hat sich mittlerweile beinahe eine eigene Wissenschaft etabliert. So werden alljährlich nicht nur die Eigenschaften diverser Vliesmaterialien bei Langzeit-Lagerversuchen getestet, sondern auch die Maschinen zur Mietenpflege.

Die helfen dabei, die 500 Quadratmeter großen Vliese über der Miete abzurollen und am Fuß der Miete einzuschlagen, damit sie nicht vom Winde verweht werden können. Zudem werden die 17 im Einzugsbereich der Jülicher Zuckerfabrik vorgehaltenen Mietenpfleger vor dem Verladen der Rüben eingesetzt, um die Vliese wieder einzurollen. „Das Material ist bis zu sieben Mal verwendbar“, bescheinigt Heinz Leipertz dem verwendeten Material eine hohe Belastbarkeit.

Mit Hand-Nähmaschine flicken

Bildet sich trotzdem mal ein Riss, ist das Vlies noch nicht reif für den Mülltonne, denn es gibt inzwischen auch Hand-Nähmaschinen, um die Vliese zu flicken, die nach einigen Wochen und entsprechender Witterung mehrere Tonnen schwer werden können. Leipertz beziffert das verfügbare Material auf knapp 5000 Rollen. Das reicht aus, um rund 1,4 Millionen Tonnen Zuckerrüben winterfest zuzudecken.

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