Jülich - Die Ziele der Aufklärung sind ihm bestens vertraut

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Die Ziele der Aufklärung sind ihm bestens vertraut

Von: Kr.
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Elke Bennetreu, Leiterin der Erwachsenenbildung, stellte Manfred Geier vor, bevor dieser vor interessiertem Publikum im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Jülich aus seinen Werken las. Foto: Kròl

Jülich. Das Jahresthema der evangelischen Kirche in Deutschland ist die Frage nach der Toleranz. Wer nach der Toleranz fragt, der kommt an der Aufklärung nicht vorbei, und wer nach der Aufklärung fragt, kommt wiederum an Manfred Geier nicht vorbei.

1943 geboren, absolvierte er ein klassisches Studium der Germanistik, Politikwissenschaften und Philosophie und war von 1962 bis e_SSSq98 zunächst an der Universität Marburg, anschließend an der Universität Hannover tätig. Dann entschied er sich für eine freiberufliche Laufbahn und seine Liebe zur Philosophie und den Philosophen.

20 Bücher zum Thema geschrieben

20 Bücher hat er bisher zu diesen Themen veröffentlicht und seit 2004 beschäftigt sich der Buchautor intensiv mit der Zeit der Aufklärung, die mit John Locke in England begann und über Frankreich auch nach Deutschland kam. Philosophen wie Kant, Moses Mendelsohn und andere prägten diese Zeit, wandten sich gegen die Allmacht von Kirche und Staat und forderten einen mündigen Bürger, der sich seines Denkens und seiner Verantwortung bewusst ist.

Eine Trilogie verfasste Geier über diese Epochen und ihre Menschen. Zunächst stellte er bei seiner Lesung in Jülich Emanuel Kant ausführlich vor, um sich dann auch den anderen Philosophen zuzuwenden und sie in ihrer Zeit und ihrem kulturellen Hintergrund vorzustellen.

Auf diese Weise sind es spannende und lebendige Ausführungen, die auch den Laien fesseln. „Ich habe meine Bücher nicht für Akademiker geschrieben, sondern für interessierte Menschen“, gestand dann auch der Buchautor, der auf Einladung der Erwachsenenbildung des evangelischen Kirchenkreises Jülich ins Dietrich- Bonhoeffer-Haus gekommen war. Herzlich hieß ihn dort Elke Bennetreu willkommen, die Leiterin der Erwachsenenbildung. Ein Buchhändler hatte sie bereits vor über einem Jahr auf das jüngste Werk des Autors „Aufklärung – Das Europäische Projekt“, aufmerksam gemacht und mit Begeisterung hatte sie es gelesen.

„Es holt uns ab in die Epoche der Philosophen, und so erschließt sich uns ihr Denken“, erklärte sie und freute sich, Geier in Jülich begrüßen zu dürfen. Beide hatten zudem festgestellt, dass sie eine Schwäche für den jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn haben, der ebenfalls in diesem Buch behandelt wird.

„Die Aufklärung ist keine abgeschlossene Epoche. Ihr Konzept gilt auch heute noch im internationalen Kontext.“ Aktueller denn je seien die Themen der Aufklärung und die Gefahren zu scheitern, betonte er. Dennoch gehe die Aufklärung hin zu einem mündigen Bürger trotz aller Rückschritte, wie beispielsweise durch das Dritte Reich, stetig voran.

„Aufklärung ist der Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit“, zitierte Manfred Geier den Wahlspruch der Philosophen dieser Zeit und erklärte weiter: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

Zu Beginn des Irakkrieges habe Amerika den Europäern häufig vorgeworfen, sie lebten in der Zeit Kants, der von einem ewigen Frieden träume. Sind die Europäer folglich Kantianer, war daher auch für ihn eine naheliegende Frage, die er in mehreren Punkten zu beantworten suchte. Bei seinem abschließenden Fazit meinte er: „Ja. Die Menschheit ist auf dem richtigen Weg. Kant dachte über den Frieden nach und formulierte den Völkerbund. Er forderte Staatsbürgerrechte für alle, eine Föderation der Staaten und Weltbürgerrechte. Viele dieser kantischen Ideen sind für uns selbstverständlich geworden. Kant hat sie als erster formuliert und Aufklärung ist auch heute noch eine Perspektive für uns.“

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