Jülich - Die zeitlose Geschichte in neuem Gewand

Die zeitlose Geschichte in neuem Gewand

Von: Hilde Viehöfer-Emde
Letzte Aktualisierung:
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Szene aus „Romeo und Julia”: Das NN Theater Köln übertrug die klassische Vorlage von Wiliam Shakespeare in das Italien der Nachkriegszeit. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Auf seine unverwechselbar eigene Art nahm sich das NN Theater Köln (Theater Neue Volksbühne) im Brückenkopf-Park des klassischen Stoffes von Romeo und Julia an. Die Story von der unglücklichen Liebe, die an Familienfehde und äußeren Zwängen scheitert, ist heute immer noch so aktuell wie vor Jahrhunderten.

Sie wurde von Regisseur George Isherwood unbefangen in die Zeit der 50er Jahre verlegt. Zwar ist Schauplatz des Geschehens Verona, die Rahmenhandlung lebt aber von Touristengruppen, die Italien besuchen.

Blitzschnelle Kostümwechsels

Die Hauptakteure, in familiärer Konstellation an das klassische Werk angelehnt, arbeiten im Tourismusbereich. Zeitgeschehen wird integriert und mit liebevollen Details in Szene gesetzt.

Zwei Schauspielerinnen und drei Schauspielern gelang es durch blitzschnellen Kostümwechsel, Pantomime und verfremdete Requisiten eine Vielfalt von Rollen zu präsentieren.

Das Ambiente und die Open-Air-Bühne des Brückenkopf-Parkes kamen der Spielfreude und dem Temperament des Ensembles sehr entgegen.

Die beiden verfeindeten Familien der Capulets und Montagues treten in ideologischen Wettstreit als Kommunisten und Katholiken. Damit spielt die Kölner Inszenierung auf Don Camillo und Peppone an. Die Wirtschaftswunderjahre lebten mit Schlagern, Tänzen und zeitgemäßer Prominenz auf.

Humorvolle Dialoge, die manchmal hart an der Grenze zur volksbühnenhaften Deftigkeit lagen, wurden durch die schelmische Präsentation der Akteure gemildert. Sie wechselten mit Originaldialogen aus Shakespeares Werk ab. Momente der Stille folgten zuweilen Szenen, die wahre Lachsalven auslösten.

Verblüffend einfach und damit schon wieder genial war der Einsatz von Requisiten. Erstmalig erkannte das Jülicher Publikum, wie vielseitig Kleiderbügel einzusetzen sind und wie Kleiderständer mit Garderobe bestückt eine ganze Abendgesellschaft bzw. auch einen Trauerzug darstellen können.

Irene Schwarz, Christine Per, Didi Jünemann, Oliver Schnelker und Bernd Kaftan wechselten Kostüme und Charaktere mit rasender Geschwindigkeit. Sie boten so dem Publikum verschiedene Szenen und bauten Brücken vom klassischen Stoff in die 50er Jahre, aber auch in die Gegenwart mit viel umjubeltem Lokalkolorit. So musste Romeo doch tatsächlich mit dem Fahrrad über die Alpen nach Jülich fliehen und dort in einer alt eingesessenen Eisdiele jobben.

Der Jubel des Publikums für diese Theateraufführung war unüberhörbar und steigerte sich beim Schlussapplaus zu Ovationen.
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