Rödingen - Die Überzeugung des Rabbiners: Gott hat Humor

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Die Überzeugung des Rabbiners: Gott hat Humor

Von: ptj
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„Humor ist, wenn man trotzdem lacht”: Rabbiner Julian Chaim Soussan referiert in Rödingen locker über jüdischen Humor und seine Hintergründe. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Gibt es jüdischen Humor? Darf ein Rabbiner einen Vortrag darüber halten? Julian-Chaim Soussan, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, der drittgrößten in Deutschland, sieht da kein Problem. „Solange wir drüber lachen können, wissen wir, dass wir am Leben sind”, dieses alte jüdische Sprichwort deutet auf einen Katalysator, um mit Antisemitismus und Zensur umzugehen.

Aber der jüdische Witz ist mehr: Immer eine religiöse, politische, soziale oder philosophische Kritik enthaltend, will er den Spiegel vorhalten, auf Schwächen aufmerksam machen. „Judentum verbinden wir zunächst mit der Shoa. Aber es gibt ein lebendiges, aktives und lustiges Judentum”, betonte Soussan, der ständiges Mitglied in jüdisch/christlichen Gesprächskreisen beiderlei Konfessionen ist, im LVR-Kulturhaus Landsynagoge.

Den Mensch auf sein Maß zurückführen

Die gute Resonanz - die ehemalige Synagoge war vollbesetzt - deutete auf ein Thema, das nicht nur vor Ort auf Interesse stößt. „Gott hat Humor. Er benutzt ihn, um fehlgeleitete Menschen aufs richtige Maß zurückzuführen”. Diese Behauptung unterlegte der Rabbiner mit Ausschnitten aus der Schrift, aus dem ersten Buch Mose: Sara, die Frau Abrahams, glaubt der Botschaft Gottes nicht, dass sie im nächsten Jahr einen Sohn gebären wird, weil sie und ihr Mann zu alt sind. Die hebräische Stelle „watizchak” sagt aus, dass sie lacht, und zwar hämisch, ungläubig. Dreimal kommt in der weiteren Unterhaltung mit dem Engel das Wort „jizchak” vor, deswegen trägt das Kind auch später diesen Namen, der Lachende. „Wenn Gott es will, hast du irgendwann mal wieder Grund, richtig zu lachen”, lautete eine der möglichen Deutungen des Rabbiners.

Jüdisches Selbstverständnis

Im Judentum sei sogar der Talmud diskutabel, der die 613 Ge- und Verbote zur Lebensführung erklärt. Wer jüdischen Witz verstehen will, muss in die weite Welt jüdischen Selbstverständnisses und in die aus Konsonanten bestehende hebräische Sprache eingeführt werden, was dem Referenten vorzüglich gelang. Er brachte Witzbeispiele aus mittelalterlichen „Disputationen”, wo jüdische Gelehrte zum lebensbedrohenden Religionsstreit herausgefordert wurden, oder den verschiedenen jüdischen Glaubensrichtungen der Neuzeit.

Witzbeispiele

So werden die Rabbiner im Chassidismus mit häufig mystischer Ausprägung gerne als „Wunderrebbe” gesehen. In dem Zusammenhang prahlt einer: „Unser Rabbi spricht mit Gott selbst”. „Das ist doch nicht wahr”, antwortet sein Gegenüber. „Doch. Würde Gott etwa mit einem Lügner sprechen?” Ein anderer Witz spielt sich am höchsten Feiertag „Jom Kippur” ab, wenn die Synagogen so voll sind, dass Eintrittskarten verkauft werden. In wichtigen Finanzangelegenheiten wird einem Bittsteller kurz Einlass gewährt mit der Mahnung: „Aber wehe, ich erwisch dich beim Beten”.

Je mehr Einblicke den interessierten Besuchern gewährt wurden, desto mehr reizten die während des Vortrags erzählten Witze zum Lachen. Die hinter dem jüdischen Humor verborgene Philosophie kennen zu lernen, erwies sich als mindestens genauso interessant.
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