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Die SEG ist in Schwierigkeiten

Von: Karl Stüber
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„Sorgenkind” Neubaugebiet Lindenallee: Während sich der erste Bauabschnitt zögerlich mit Neubauten füllt (Bild), steht die Erschließung der Restflächen noch in den Sternen. Foto: Stüber

Jülich. Energisch tritt Geschäftsführer Frank Rutte-Merkel dem Eindruck entgegen, die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Jülich stehe unmittelbar vor der Pleite. Auf Anfrage unserer Zeitung sagte Rutte-Merkel, die im April 2004 gegründete Gesellschaft habe zwar im letzten Jahr ein Minus in Höhe von rund 430.000 Euro gemacht, vom Aus für diese „Tochterfirma” der Stadt Jülich könne jedoch keine Rede sein.

„Wir sind nicht pleite, aber in einer durchaus schwierigen Situation. Wenn wir allerdings in diesem Jahr alles weiter so laufen lassen würden, dann wird es eng.”

Beim Gesellschafter, der Stadt Jülich, im Aufsichtsrat und in der Politik würden derzeit verschiedene Modell und Verfahrensweisen diskutiert, wie die SEG besseres Fahrwasser erreichen könne. Grundsätzlich sei es möglich, die SEG durch Senken der Personalkosten oder der Zinszahlungen zu entlasten. Zu Details wollte sich Rutte-Merkel aber nicht äußern, da eine Entscheidung noch ausstehe.

Rutte-Merkel legte dar, dass die SEG die von ihr erbrachten erheblichen Vorleistungen bislang nicht durch entsprechende Vermarktungserfolge hat abdecken können und auf Kredite und die Rückendeckung der Stadt Jülich angewiesen sei. Derzeit werde ein Bürgschaftsrahmen in Höhe von acht Millionen Euro genutzt.

Größtes Sorgenkind der SEG ist laut Geschäftsführer das Neubaugebiet Lindenallee. Für vier Millionen Euro habe die SEG im Jahre 2004 das gesamte Areal von der Stadt gekauft, die damit ihren angespannten Haushalt habe entlasten können. Der Kaufpreis habe aber finanziert werden müssen.

Da im ersten Bauabschnitt nur ein Drittel der Fläche erschlossen wurde und dort erst 38 von 68 Grundstücken veräußert werden konnten, drücken die Zinsen das Betriebsergebnis deutlich ins Minus. Die bescheidenen Umsatzerlöse der letzten Jahre seien darauf zurückzuführen, dass zum 1. Januar 2006 die Eigenheimzulage wegfiel. Zudem hätten erhöhte Mehrwertsteuer und gestiegene Baupreise potentielle Bauherren zurückschrecken lassen.

Um dem gegenzusteuern, hatte die SEG vorübergehend Baukindergeld-Rabatt gewährt und zuletzt den Quadratmeterpreis zeitweise von 150 auf 135 Euro gesenkt. „Die weitere Erschließung des Baugebietes Lindenallee ist vom Zeitplan her noch völlig offen”, sagte Rutte-Merkel.

„Die Zinsbelastung von jährlich 150.000 Euro können wir auf Dauer nicht vor uns herschieben”, da wäre es das Beste, würde die Stadt die weiteren Flächen zurückkaufen.

Besser laufe es mit dem Baugebiet „Schneppruthweg”. Dort seien schon 17 von 22 Grundstücken verkauft. Auch die Erfolgsaussichten des Neubaugebietes auf dem ehemaligen Sportplatz in Koslar schätzt Rutte-Merkel hoch ein.

Allerdings müsste die Vermarktung dieser Flächen die Vorleistungen decken. Dass hier noch nennenswerte Summen die Bilanz der SEG aufpolieren können, erwartet Rutte-Merkel nicht.

Auch das brach liegende Grundstück des abgerissenen Haus Hesselmann steht mit minus 400.000 Euro in dem Geschäftsbüchern. Auch dies ist per Kredit finanziert. Gerne würde die SEG die Fläche an den Investor bringen. Allerdings könne die SEG nicht losgelöst von Rat und Verwaltung agieren.

Die SEG sei im Auftrag der Stadt für Wirtschaftsförderung zuständig. Rutte-Merkel erklärt, dass als Möglichkeit zur Entlastung diskutiert wird, für diese Dienstleistung der SEG einen Betriebskostenzuschuss zu zahlen.

Es gibt Zeichen von Hoffnung. Gerade im letzten Quartal 2008 sei eine verstärkte Nachfrage nach Grundstücken zu verzeichnen gewesen. Vielleicht eine Flucht in Sachwerte angesichts der Rezession?

Ungeachtet weist Frank Rutte-Merkel auf den entscheidenden Faktor hin: „Es kommt darauf an, was die Stadt Jülich will und wie sie das Instrument SEG nutzen möchte.”
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