Bourheim - Die Schorns flüchten vor dem Winter, nicht vor der WM

Die Schorns flüchten vor dem Winter, nicht vor der WM

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
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Alida und Josef Schorn leben seit 43 Jahren in Südafrika und fiebern mit der deutschen und südafrikanischen Mannschaft. Leider gibt es noch keine Trikots in den Farben der Heimat und Wahlheimat, deshalb trägt Alida das Trikot der Südafrikaner, ihr Mann das der deutschen Elf. Foto: Gottfroh

Bourheim. Bis zum 11. Juli ist Südafrika der Mittelpunkt der Fußballwelt. Hunderte deutsche Fans würden die Spiele gerne live in den neuen Stadien in Johannesburg oder Kapstadt erleben. „Wir haben uns einige angesehen. Die Stadien sind wirklich sehr, sehr schön, die muss man gesehen haben”, schwärmt Josef Schorn. Für ihn und seine Frau Alida ist die Fußball-Weltmeisterschaft ein Heimspiel.

Die meiste Zeit des Jahres lebt das Paar auf dem schwarzen Kontinent. Einmal im Jahr kommen sie nach Deutschland. Dieses Jahr besuchen sie ihre alte Heimat Bourheim genau zur Zeit der Fußball Weltmeisterschaft. In einem Anbau an das vermietete Wohnhaus haben sie sich ihr deutsches Urlaubsdomizil eingerichtet, gestaltet in einem interessanten Mix aus deutschen und afrikanischen Einrichtungsstücken.
Was verleitet die Auswanderer dazu, gerade zur Fußball-WM in die Heimat zu reisen? „Wir sind wie die Schwalben. Wir reisen dem Sommer hinterher”, antwortet Alina Schorn lachend und fügt hinzu: „Auf ein Sommermärchen darf man bei dieser WM nicht hoffen, schließlich ist dort gerade Winter. Wir dürfen höchstens ein Wintermärchen erwarten.”

Obwohl der Südafrikanische Winter nicht mit dem deutschen Vergleichbar sei, erklärt ihr Mann. Tagsüber scheine die Sonne bei Temperaturen weit über 20 Grad. „Sobald es dunkel wird, kann es richtig kalt werden. Die Temperaturen können sogar unter den Gefrierpunkt fallen”, sagt die Auswanderin. Sie weiß, wovon sie redet.

Vor 43 Jahren sind Josef und Alina Schorn nach Südafrika ausgewandert. Den Entschluss fasste das damals frisch verheiratete Ehepaar, als Josef Schorn seinen Arbeitsplatz verlor. Er war 25 Jahre alt, als er Deutschland den Rücken kehrte, sie gerade 22 und das erste Kind hatte gerade den dritten Geburtstag gefeiert.

So nutzte die kleine Familie die Chance, sich in einem fremden Land eine neue Existenz aufzubauen. „Damals haben wir nicht geglaubt, dass es für immer sein würde. Wir gingen davon aus, eines Tages zurückzukommen. Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen in Deutschland zu leben.” Für das Paar ist Südafrika „das schönste Land der Welt”. „Das kann man nur verstehen, wenn man selbst einmal da war”, sagt der 68-Jährige.

In Germeston, einer Kleinstadt in der Größe Jülichs, rund 15 Kilometer von der Goldstadt Johannesburg entfernt, haben sie sich in den vergangenen vier Jahrzehnten eine Existenz aufgebaut, ihre Familie erweitert und sich selbstständig gemacht. In Südafrika kam Sohn Joe zur Welt. Viele Jahre später wurden dort die beiden Enkelkinder geboren.

Inzwischen hat das Paar seine Firma verkauft, genießt den Ruhestand. „Wer sich kurzfristig entscheidet, ein Spiel in Südafrika zu sehen, sollte dem Krüger Nationalpark einen Besuch abstatten”, sagt Josef Schorn. Er greift nach einem Fotoalbum und zeigt stolz Bilder von seinem Leben am anderen Ende der Welt: ein großes Anwesen mit Palmen und Pool, ein Oldtimer in der Garage, seine erwachsenen Kinder und die Enkelkinder. Vor allem letztere werden die WM live erleben und sich die Spiele in den Stadien ansehen.
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