Die Jülicher Atomkugeln wurden „nonchalant” gezählt

Von: Johannes Nitschmann
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Jülich Castor atom
Das Modell einer Graphitkugel zeigt der Leiter des Bereiches Nuklear-Service im Forschungs-Zentrum Jülich, Rudolf Printz. Foto: dpa

Düsseldorf. In der Jülicher Atomkugel-Affäre ist Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) von einem hohen Beamten des CDU-geführten Bundesforschungsministeriums überraschend entlastet worden.

Vor dem Untersuchungsausschuss im Landtag sagte der Ministerialdirektor Ulrich Scheffler am Freitag als Zeuge aus, dass die umstrittene Antwort Schulzes zum Verbleib der hochradioaktiven Brennelementekugeln aus dem stillgelegten Jülicher Forschungsreaktor aus fachlicher Sicht nicht zu beanstanden gewesen sei. „Über die Gelungenheit der Formulierungen kann man diskutieren, aber sie sind per se nicht falsch”, bekundete der 51-jährige Referatsleiter, mit dem der Antwortentwurf der Landesregierung abgestimmt worden war.

Der Landtags-Ausschuss soll untersuchen, ob die Ministerin ihre Antwort auf die Kleine Anfrage 583 des Landtagsabgeordneten Hans-Christian Markert (Grüne) im März 2011 manipuliert hat, um nach der Reaktor-Kernschmelze im japanischen Fukushima hierzulande Atomangst zu schüren.

Unscharf und unvollständig

Während das Forschungszentrum Jülich (FZJ) den Verbleib der in dem Reaktor eingesetzten über 290 705 Atomkugeln für „lückenlos dokumentiert” hält, hatte Schulze in ihrer Antwort auf die Anfrage erklärt, dass 2285 Brennelementekugeln „allem Anschein nach” illegal in dem niedersächsischen Bergwerk Asse eingelagert worden seien. Der Bundesbeamte erklärte jetzt, die Zahlenangaben des FZJ für den Nachweis der im Reaktorbetrieb eingesetzten Kugeln seien seinerzeit „unscharf und unvollständig” gewesen. So hätten in den Auflistungen etwa 62 Atomkugeln gefehlt, die sich damals noch in den Reaktorzellen befunden hätten. Die Dokumentation aus Jülich sei „nonchalant”, also lässig und unbekümmert, erfolgt, beklagte der Zeuge. Allerdings habe es in seinen Gesprächen mit dem Düsseldorfer Wissenschaftsministerium „nie geheißen, dass Brennelemente abhandengekommen sind”. Er habe dem Düsseldorfer Ministerium lediglich geraten, in ihrer Antwort auf die Anfrage, „gewisse Unschärfen auszuräumen”, um in der „aufgeregten Situation” um die Atomkraft „nicht neue Nachfragen und Unsicherheiten” zu provozieren.

Zudem bestätigte Scheffler, dass er mit dem Referatsleiter aus dem Schulze-Ministerium auch über eine mögliche Lagerung von Kugelbruch aus Jülich in der Asse gesprochen habe. Dabei habe er darauf verwiesen, dass zu dieser Zeit ein U-Ausschuss im niedersächsischen Landtag „offene Fragen” geklärt habe, ob neben schwach- und mittelradioaktivem Atommüll aus Jülich möglich auch hochradioaktiver Kugelbruch in der Asse gelandet sei. Allerdings habe es für die späteren „Zuspitzungen” von Schulze, Jülicher Brennelementekugeln seien womöglich illegal in die Asse gelangt, „keine Hinweise” gegeben.
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