Die Festung in Jülich wird zur Multi-Bühne

Von: René Blanche
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Gelungene Premiere der Fest(ungs)spiele in der Zitadelle: Theatergruppen aus der Region – hier der „Bühne ’80“ aus Jülich – zeigten ihre Kunst unter freiem Himmel, da das Wetter einigermaßen mitspielte. Foto: Greta Kott
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Auf zwei Bühnen – hier im Renaissancegarten – boten sieben Ensembles beste Unterhaltung

Jülich. „Immer, wenn ich auf der Bühne stehen kann, fühle ich mich lebendiger als sonst irgendwo auf der Welt!“ Rosemarie David, Schauspielerin bei der Laienschauspielgruppe „Bühne ’80“ aus Jülich, hat es wieder einmal geschafft.

Seit vielen Jahren schon ist die Bühne ihr zweites Zuhause, aber als sie an diesem Abend von derselben abgeht, strahlen ihre Augen besonders glücklich. Oft schon hatte sie ihr Publikum zusammen mit ihren Kollegen in den Bann gezogen und zum Lachen und zum Weinen gebracht, doch diesmal war der Anlass ein besonderer.

Am vergangenen Samstag erlebte Jülich mit den ersten Jülicher Fest(ungs)spielen eine Premiere in vielfacher Hinsicht. Insgesamt sieben Theatergruppen aus Aachen, Jülich und Kaarst waren gekommen, um zusammen mit den Theater- und Kulturfreunden aus dem Jülicher Land gleich ein ganzes Festival zu feiern.

Im Gepäck hatten sie Szenen, Sketche und ganze Stücke, die auf mehreren Freilichtbühnen vor der malerischen Kulisse im Renaissancegarten sowie im Schlosshof der altehrwürdigen Zitadelle bewundert werden konnten. „So etwas gab’s bisher noch nie!“, erklärt Mitinitiator Christoph Fischer vom Stadtgeschichtlichen Museum Jülich. „Wir möchten den Menschen im Jülicher Land gerne die große Vielfalt der Theaterlandschaft in unserer Region näherbringen. Oft kennen die Leute nur Theater in den großen Häusern, jedoch nicht die bunte Vielfalt der freien Theater- und Schauspielgruppen.“

Rosemarie David war am selben Morgen, trotz aller Routine, noch ziemlich aufgeregt gewesen. Die Generalprobe ließ zu wünschen übrig, aber das gilt in Schauspielerkreisen ja als sehr gutes Omen für die Premiere.

Den bunten Reigen eröffneten die „Spielfreu(n)de 2010“ aus Aachen mit Auszügen aus ihrem Stück „Mein Freund Harvey“, ein hochkomisches Schauspiel, in dem der Protagonist ins Sanatorium eingewiesen wird, nachdem er auf einer Party einen zwei Meter großen, sprechenden Hasen kennenlernt – liebevoll inszeniert von Stefanie Otten. Dass beim sogenannten „Theatersport“ auch das Publikum aktiv gefordert wird, erlebten die begeisterten Zuschauer beim Auftritt der Improvisationstheatergruppe „disziplinLOS“ aus Kaarst, die das Publikum charmant dazu anhielt, das bunte Treiben auf der Freilichtbühne im Schlosshof entscheidend mitzugestalten. Auf Zuruf aus dem Publikum, wurden nicht nur die Rollen der Darsteller, sondern auch der Ort, die Zeit und sogar das Genre der atemberaubend schnellen Handlung auf der Bühne festgelegt. Sogar Petrus hatte an diesem Abend, trotz pessimistischer Wettervorhersagen, ein Einsehen und sandte dem Jülicher Festungsspielpublikum ein paar Sonnenstrahlen.

Wer selbst sein Talent auf die Probe stellen wollte, konnte das bei Improvisationsworkshops in der Schlosskapelle unter der fachkundigen Anleitung von Schauspielerin Stefanie Otten tun.

Rosemarie David, deren humorvolle Darbietung als wortgewandte Ehefrau in insgesamt drei Loriot-Sketchen, zum gezielten Angriff auf die Zwerchfelle des Publikums wurde, erlebte den Schlusspunkt der durchweg gelungenen Veranstaltung selbst als Zuschauerin, als die Aachener Theatergruppe „Spürbar Theater“ das Stück „Push Up 1-3“ zum Besten gab.

Die Anzahl der Zuschauer bei der durchaus gelungenen Premiere war ordentlich angesichts schlechter Wetterprognosen. Die Besucher äußerten sich positiv, auch die gut 120 Mitwirkenden und Helfer waren zufrieden. Eine Wiederholung scheint nicht ausgeschlossen – vielleicht dann eher an einem Sonntagnachmittag. Darüber wird Organisator Christoph Fischer mit Initiator Peter Schmitz und dem Verein Stadtmarketing unter Vorsitz von Wolfgang Hommel sicher diskutieren.

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