„Die Apotheken hier machen einen guten Job”

Von: Guido Jansen
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Luc Reys Mitarbeiterin Trudi H
Luc Reys Mitarbeiterin Trudi Hoffmann überprüft, ob der Kamillentee den Ansprüchen der Apotheke genügt. Foto: Guido Jansen

Jülich. Das neue „Grundgesetz für Apotheken” steht vor Tür. Vor zwei Wochen hat die Bundesregierung einer neuen Apothekenbetriebsordnung zugestimmt. Vermutlich schon zum 1. Juni tritt sie in Kraft.

Sie schreibt unter anderem höhere Sicherheitsstandards im Umgang mit Medikamenten vor, diskretere Beratungsmöglichkeiten, die ein Gespräch auch abseits des Verkaufsbereich ermöglichen. Dass die Apotheke für Rollstuhlfahrer barrierefrei zu erreichen ist, ist laut der Verordnung wünschenswert. „Das bringt viel Arbeit mit sich”, sagt der Jülicher Apotheker Luc Rey über die neue Vorschrift.

Sorgen bereitet ihm das allerdings nicht. „Die Apotheken hier im Jülicher Land machen einen guten Job”, sagt der Chef der Schlossplatz-Apotheke. Davon können sich die Menschen heute überzeugen. Denn heute ist deutschlandweit der Tag der Apotheke. Die Heilberufler wollen zeigen, was sie zu bieten haben.

Das ist laut Luc Rey jede Menge. Beispiel Öffnungszeiten. „Die meisten Apotheken haben 60 Stunden pro Woche geöffnet”, sagt der 49-Jährige. 60 Stunden, in denen die Experten den Patienten rundum beraten können. Das klingt logisch. Einfach ist die Aufgabe aber nicht immer. Die vielen Informationen, die das Internet über Medikamente bereit hält, führen nicht immer zu den richtigen Rückschlüssen. „Die Selbstmedikation hat zugenommen”, sagt Luc Rey mit Blick auf die 20 Jahre, die er die Schlossplatz-Apotheke schon führt.

Kopfschmerz ist aber nicht gleich Kopfschmerz. Der Schädel kann brummen, weil man am Vorabend zu tief ins Glas geschaut hat. Der Schmerz könnte aber auch schwerwiegende Gründe haben. „Wenn die Kopfschmerzen seit Tagen anhalten, dann kann das vermeintliche Wissen aus dem Internet gefährlich sein.” Dann legt der Apotheker einen Arztbesuch nahe, statt ein Medikament zu verkaufen. „Eine der wichtige Aufgaben ist, die Arzneimittelrisiken einzugrenzen”, so Rey.

Beratung ist ein Vorteil, mit dem die Apotheken nicht nur im Jülicher Land punkten können. „Wir stellen als erstes die Frage, ob wir beim Kauf eines Medikaments ein paar Fragen stellen dürfen”, erklärt Luc Rey. „Das kann die Internetapotheke so nicht.” Die Konkurrenz aus dem Netz ist da, vor allem, weil die Internetapotheken rezeptfreie Medikamente oft etwas günstiger anbieten. „Ich spüren diese Konkurrenz. Aber ich fürchte sie nicht.” Einen Notdienst, so wie Rey ihn von gestern auf heute absolviert hat, bietet das Internet nicht. Geschweige denn die Möglichkeit eines persönlichen Beratungsgesprächs.

Service und Qualität - das sind die Schlagworte, mit dem die Jülicher Apotheker punkten. Die neue Betriebsordnung sieht Rey deswegen nicht als Problem, sondern als Leitfaden. Sie besagt, dass jede Apotheke nach einem Qualitätsmanagement-System geführt werden muss. Darin sind Arbeitsabläufe sowie Lagerung und Kontrolle von Medikamenten vorgeschrieben. „Wir testen immer wieder stichprobenartig”, erklärt der Apotheker. Ist beispielsweise die Verpackung dicht? Ist die Flüssigkeit trüb? Ist der Beipackzettel vorhanden? Sogar Tee wird regelmäßig überprüft.

Trudi Hoffmann ist eine von mehreren Mitarbeitern der Schlossplatz-Apotheke, die nicht nur Tee unter dem Mikroskop begutachten. „Denn Kamille ist nicht gleich Kamille”, so Rey. Der Lieferservice wurde vor 20 Jahren weit weniger intensiv betrieben. Vor drei Jahren hat Luc Rey eine so genannte Phythothek eingerichtet. Hier bietet er Arzneimittel auf pflanzlicher Basis an und hat damit ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Arbeit wird mehr, die Margen sinken. Trotzdem ist der Jülicher von der Zukunft der Vorort-Apotheken überzeugt. „Die Verbraucher sehen uns als Lotse in einem immer unübersichtlicher werdenden Gesundheitssystem. Und uns macht diese Beruf nach wie vor sehr viel Spaß macht.”
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