Jülich - Der TTC Indeland Jülich rettet sich in die 1. Liga

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Der TTC Indeland Jülich rettet sich in die 1. Liga

Von: Volker Uerlings
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Eines der letzten Erstliga-Highlights beim TTC Indeland Jülich vor dem Abstieg im Jahr 2010: Der heutige Bundestrainer Jörg Roßkopf tritt im grünen Trikot der Herzogstädter gegen die heutige Nummer 1 der Weltrangliste, Dimitrij Ovtcharov für Düsseldorf, an. Jülich verlor im April 2009 mit 1:3. Foto: Kròl
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Ehrenpräsident Arnold Beginn meldet sich nach langer Krankheit zurück und schmiedet mit Präsident Mike Küven Pläne: Das TTC-Team 2018/19 soll nach Möglichkeit wieder in der 1. Liga starten. Foto: Uerlings

Jülich. Der Blick auf die Tabelle der 2. Tischtennis-Bundesliga müsste den Verantwortlichen des TTC Indeland Jülich eigentlich Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Der mehrfache Zweitligameister befindet sich in ungewohnter Umgebung: in der Abstiegszone. Akut gefährdet, obwohl zuletzt gegen Mainz 05 ein wichtiger Sieg erreicht wurde.

„Wir wollen aufsteigen“, sagen Präsident Mike Küven und Ehrenpräsident Arnold Beginn (76) und verziehen dabei keine Miene. Das ist nämlich kein Scherz. Am Samstag nimmt Küven den Antrag auf Aufnahme und Lizensierung für das Oberhaus mit zur Liga-Tagung.

Bei diesem Zusammentreffen zeigt sich spätestens, wer von den aktuellen Zweitligisten überhaupt Aufstiegsambitionen hat – die meisten haben keine, obwohl zwei zusätzliche Plätze in der 1. Bundesliga frei werden. Sie soll auf zwölf Teams aufgestockt werden. Diese Chancen wollen die Jülicher ergreifen, die nach 33 Jahren Erstliga-Zugehörigkeit 2010 aus freien Stücken in die Zweite Liga gegangen sind. „Wir wären nicht mehr konkurrenzfähig gewesen“, sagt Arnold Beginn zu der Entscheidung von vor acht Jahren. Danach bestand lange kein Anreiz zum Aufstieg mehr, obwohl sich der TTC Indeland Jülich als Zweitliga-Meister mehrfach auch sportlich qualifiziert hatte.

Zum einen waren die Abgaben an die Tischtennis Bundesliga GmbH beziehungsweise den Verband vielen Zweitligisten zu hoch, zum anderen hält sich seit Jahren die Kritik am Spielsystem, denn im Oberhaus gab es keine Doppel. „Es gab mehrfach Ankündigungen, sie wieder einzuführen, auf die wir uns verlassen hatten, die dann doch nicht umgesetzt wurden. Jetzt steht der Beschluss: Bei einem Spielstand von 2:2 gibt es ein Entscheidungsdoppel“, erklärt Mike Küven, der immer mehr in die Rolle des Machers beim TTC gewachsen ist.

Und das hat seinen Grund. Der langjährige Manager und Ehrenpräsident des Vereins, der bundesweit zu den bestgeführten Klubs gehört, erkrankte im vergangenen Jahr fast aus dem Nichts. Am Tag der Mannschaftsvorstellung 2017 musste er ins Krankenhaus, was für den heute 76-Jährigen der Start einer langen Zeit des Leidens und der Ungewissheit war. „Jetzt will ich ein Zeichen setzen und melde mich zurück“, sagt Arnold Beginn im Gespräch mit der Redaktion, das auf seinen Wunsch stattgefunden hat. Er leidet an den Folgen einer spontanen neurologischen Erkrankung, die zu Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen führte – von jetzt auf gleich. „Das Gehen wird besser“, sagt der Mann, dessen Lebenswerk der TTC ist und der mit einer Ausnahme alle Spiele der ersten Mannschaft in der laufenden Saison nur noch am Liveticker verfolgen konnte. „Das war grausam“, erinnert er sich. Doch er fühlt sich nach mehrmonatiger Therapie besser und will jetzt seinen Beitrag aus dem Hintergrund leisten, denn das Beginn'sche Beziehungsgeflecht ist legendär.

Infrastruktur bundesligatauglich

Die erste Frage, die sich bei der Ankündigung eines Aufstiegs aufdrängt, ist die nach der Finanzierung. Hier kommt Ausrüster Tibhar ins Spiel, der viele europäische Talente an sich gebunden hat und diese gern in Teams spielen lassen will, die er auch ausrüstet. Das ist zum einen der 1. FC TT in der Tibhar-Heimat Saarbrücken mit zwei Mannschaften – und zum anderen der TTC Indeland Jülich. „Die kriegen in Saarbrücken die vielen Weltklasseleute gar nicht alle eingesetzt“, erklärt Arnold Beginn. Und Präsident Mike Küven konkretisiert: „Wir werden dann so etwas wie ein ,Farmteam‘ von Saarbrücken.“ Darunter versteht man eine Mannschaft, deren Aufgabe die Ausbildung und Qualifizierung junger Sportler für höhere „Weihen“ ist. Sprich: Jülich bekäme vom langjährigen Partner Personal gestellt, das über das Rüstzeug für die 1. Liga verfügt.

Die Infrastruktur in Jülich ist ansonsten ohnehin bundesligatauglich: vom Fußboden über die noch junge Beleuchtung bis zu den Banden und technischen Voraussetzungen für TV-Livebilder im Internet. Das könnte auch für andere Sponsoren interessant sein. Für den Verein wäre es aus Sicht des Präsidenten und des Vorstands ein Glücksfall, denn das System TTC bringt seit Jahrzehnten Spitzen- und Breitensport zusammen. 13 Teams im Spielbetrieb belegen das, mit den 1. Jungen (NRW-Liga), den 2. Herren (NRW-Liga) und den 1. Damen (Bezirksliga mit Aufstiegsambitionen) mehrere auf höchstem Amateurniveau.

Bei der Ligatagung wird sich zeigen, wer außer Jülich aufsteigen möchte. Sollten das tatsächlich zwei weitere Klubs sein, wäre das mit dem Klassenerhalt für Jülich gleichbedeutend – und man könnte über die 2. Liga einen weiteren Anlauf nehmen. Wahrscheinlicher scheint, dass der TTC sogar als Tabellenvorletzter aufsteigen kann.

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