„Der Tod gehört zum Leben”

Von: ptj
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„Die Kinder gehen anders mit
„Die Kinder gehen anders mit dem Thema Tod um”: LVR-Förderschüler besuchen den Linnicher Bestatter Koch. Foto: Jagodzinska

Linnich. „Warum verbrennt man jemanden?”, fragte der 13-jährige Jascha im Linnicher Bestattungsunternehmen Koch. „Aus Platzgründen und wegen der Grundwasserbelastung. Die Einäscherung wird aber von den Kirchen heute noch nicht gerne gesehen”, antwortete Bestattungsunternehmer Jürgen Müller-Koch.

Dieser stellte im Rahmen einer Projektwoche zum Themenkreis „Sterben und Tod” der Linnicher LVR-Förderschüler etwa eineinhalb Stunden lang umfassend informativ sein Unternehmen vor und beantwortete jede der vielen gestellten Fragen gerne, denn: „Der Tod gehört zum Leben”, wie er einführend erklärt hatte.

Keine Berührungsängste

Erstaunlicherweise zeigten die Förderschüler keinerlei Berührungsängste: Was ist ein natürlicher und was ein unnatürlicher Tod? Wer stellt den Tod fest? Wie lange dauert die Verwesung eines Verstorbenen?, lauteten ihre Fragen, primär zum Themenkreis Feuerbestattung. Von Müller-Koch erfuhren sie, dass ein Arzt den Totenschein ausstellt und etwa bei Mordverdacht eine Obduktion folgen muss. Ferner werde ein natürlich Verstorbener bis zur Beerdigung, die spätestens sieben Tage nach Eintritt des Todes erfolgen muss, in der Leichenhalle gekühlt aufbewahrt - bei jedem Wetter. Der Verschiedene wird „gewaschen, bis auf die Schuhe komplett angezogen, geschminkt. So trägt etwa ein verstorbener Schütze seine Uniform mit Handschuhen”. Kein Leichenhemd mehr? „Das wird vorrangig nach einer Operation getragen.”

Nach neuem Bestattungsgesetz „müssen Muslime nicht im Sarg beerdigt werden”, weil der islamische Glaube die schnelle Bestattung in Tüchern vorschreibt. Müller-Koch, der durch den täglichen Umgang mit dem Tod auch bei der Vorstellung seines Unternehmens eine gewisse Routine an den Tag legte, betonte aber die „einfühlsame Begleitung und Beratung im Trauergespräch und auch danach” und die Notwendigkeit, „auf die Angehörigen einzugehen und ihnen möglichst viel Arbeit abzunehmen”. Dabei werden möglichst alle Wünsche erfüllt: So zählen Seebestattungen auf Ibiza und Lanzarote an Bord eines Schiffes zu den speziellen Angeboten im Hause Koch, denn viele Menschen wollen dort begraben sein, wo sie ihren schönsten Urlaub erlebt haben.

Urnen aus Salz

Die Schüler haben sich gemerkt: „Für Seebestattungen werden Salzurnen verwendet, die sich in 24 Stunden auflösen”. Schmückende „Überurnen” aus Metall, Keramik und Stein verbergen hingegen die Metall-Aschekapsel bei Erdbestattungen. Ein makaber anmutendes Detail am Rande: Weil Knochen nicht verwesen, werden diese im Rahmen der Feuerbestattung gemahlen. Ist euch nicht doch ein wenig schaurig geworden? Diese Frage verneinten die Schüler: Sie fanden es „gut” oder „interessant”.

„An der Förderschule kommt es auch öfter vor, dass ein Schüler stirbt”, bedauert Lehrerin Gudrun Müllers. Umso wichtiger ist die Aufarbeitung dieses Themas, wie in der aktuellen Projektwoche: „Wir lesen gerade ein Buch über einen krebskranken Jungen: ?Wie man unsterblich wird”, erzählt der 13-jährige Christian. Der Protagonist des Buches erstellt „to-do-Listen”, davon zeigten sich die Schüler beeindruckt.

Während Klassenlehrerin Birgit Polzenberg und Krankenpfleger Roman Gonzales es besonders interessant fanden, zu erfahren, „wieviel nach dem Tod des Angehörigen auf die Familie zukommt” oder „was nach dem Transport vom Krankenbett noch alles passiert”, hatte Kollegin Müllers Probleme mit der notwendigen Routinemäßigkeit im Bestattungsunternehmen. „Wir kommen zum ersten Mal her”, entschuldigte sie sich.

Förderschüler und Lehrer/Betreuer nutzten zusätzlich Müller-Kochs Angebot, sich am nächsten Tag in der Friedhofshalle wieder zu treffen, denn „das hört sich spannend an.”
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