Der Therapeut und die Marathonläufer: „Kenne alle Wehwehchen”

Von: hfs.
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Hatten im zweiwöchigen Trainingslager in St. Moritz auch ihren Spaß: der Marathonläufer Falk Cierpinski, der Bourheimer Physiotherapeut Andreas Nelles und die Langstreckler Tobias Sauter und Martin Beckmann (v.l.).

Jülich. Wenn sich ab dem kommenden Samstag im Berliner Olympiastadion die besten Leichtathleten der Welt messen, ist Andreas Nelles nicht dabei. Aber aus seinem Heimatort Bourheim wird er die Wettkämpfe der deutschen Geher und Marathonläufer am Bildschirm sehr intensiv verfolgen.

Denn Nelles ist Physiotherapeut in Diensten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), er hat die Athleten beim letzten Höhentrainingslager im schweizerischen St. Moritz betreut.

„Ja, ich habe alle Daten gespeichert, ich kenne die möglichen Wehwehchen unserer Sportler.” Erst in der Vorwoche ist Nelles mit den deutschen Athleten aus einem zweiwöchigen Trainingslager aus St. Moritz zurück gekehrt. Mit vielen Eindrücken, sowohl beruflicher als auch privater Natur. „Es war mein erstes Trainingslager mit den DLV-Athleten, aber nicht mein Letztes.”

Andreas Nelles weiß schon jetzt, dass er schon bald in Richtung USA aufbrechen wird, erneut mit den Lang- und Mittelstreckenläufern und den Gehern. Dass er beim DLV gelandet ist - hauptberuflich arbeitet Nelles in einer Praxis in Jülich - verdankt er zum einen seinen guten Kontakten, Empfehlungen und nicht zuletzt seiner Ausbildung.

„13 Jahre lang habe ich mich in meinem Beruf ausbilden lassen”, sagt der jetzt 28-Jährige, der nach seinem Studium der Physiotherapie in Heerlen zuerst bei einem holländischen Fußball-Zweitligisten arbeitete. In dieser Zeit wurde der DLV auf den Bourheimer aufmerksam, ließ anfragen, ob Interesse bestünde, als Physiotherapeut für die Ausdauersportler tätig zu werden. „Ein solches Angebot kann man einfach nicht ausschlagen”, sagt Nelles, fügt hinzu „dass es trotz großer Zeitintensität sehr viel Spaß macht.”

Dies insbesondere mit den Marathonläufern Falk Cierpinski, Tobias Sauter, Martin Beckmann. und Andr Höhne. Die laufen als Trainingseinheit in der Woche rund 200 Kilometer. „Dann kommt schon einmal die Blase am Fuß, dann schmerzt der Rücken oder das Becken”, berichtet Nelles. Was dann folgt, ist zuerst eine manuelle Therapie. „Es ist sozusagen der Griff in den Körper, der Ursachen-Behandlung folgt die Symptombehandlung.”

Dieses manuelle Diagnose-und Behandlungskonzept erlernte Nelles in einer fünfjährigen zusätzlichen Ausbildung der Osteopathie.

Massage der Leber

Wenn man so will ein alternativmedizinisches Verfahren. Denn Störungen und Bewegungseinschränkungen der Gelenke können auch Symptome an anderen Organen und Körperregionen auslösen. In diesem Zusammenhang bringt der Bourheimer dann als Beispiel den „Leberschuss” ins Spiel.

„Nicht immer, wenn die rechte Schulter schmerzt, der Kopf etwas schief steht, hängt dies mit dem Gelenk zusammen. Die Ursache kann auch von der Leber kommen.” Denn die ist über sogenannte Faszien, anpassungsfähige Gewebsteile, mit der rechten Schulter verbunden. Ziehen sich diese Faszien nun zusammen, kommt es automatisch zum Schmerz in der rechten Schulter. „Dann hilft eine manuelle Grifftechnik, die Leber wird massiert.”

Reizung im Knie

Auf die Grifftechnik vertrauen auch die Athleten, für die Nelles im Trainingslager in St. Moritz im Fall der Fälle rund um die Uhr erreichbar war. Natürlich wird er auch telefonisch kontaktiert, man tauscht sich aus, denn jeder Athlet hat ein individuelles Trainingsprogramm mit nach Hause genommen, mit denen zum Beispiel Reizungen im Knie, Blockaden im Fuß oder Becken oder Muskelreizungen begegnet werden kann.

Was die Medaillenhoffnungen anbelangt, kann sich Andreas Nelles vorstellen, dass der eine oder andere seiner Schützlinge auf dem Treppchen stehen wird. „Ich werde auf jeden Fall die Wettkämpfe am Fernsehen verfolgen und kräftig die Daumen drücken. Und hoffen, dass alle Muskeln und Faszien mitspielen.”
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