Barmen - Der Mann mit dem eisernen Willen

Der Mann mit dem eisernen Willen

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
Holger Lengersdorf läuft bei
Holger Lengersdorf läuft bei den meisten Rennen vorneweg. Seine Behinderung merkt man dem Sportverrrückten in positivem Sinne auf der Strecke kaum an. Hin und wieder reicht ein Stubs seiner Mtläufer, um ihn auf die rechte Bahn zu bringen.

Barmen. „Ich mache das jetzt trotzdem.” Den Satz hat Holger Lengersdorf schon oft gesagt und vermutlich noch viel öfter gedacht. Mit dem Reden ist das so eine Sache bei dem 29-jährigen Marathonläufer. Seit seiner Geburt ist Lengersdorf fast taub und so gut wie blind.

Auf einem Auge hat der Mann aus Barmen etwa acht Prozent Sehvermögen. Mit Hilfe von Hörgeräten nimmt er laute Geräusche wahr. Das Organ hinter den Augen und zwischen den Ohren, genannt Gehirn, ist topfit. Genau wie der Rest seines Körpers. Seiner Trotzdem-Einstellung hat es der Barmener zu verdanken, dass er zu den schnellsten Läufern im Kreis Düren gehört. 36,23 Minuten über 10 Kilometer lautet die Bestzeit des Mannes, der für den TV Huchem Stammeln startet, 1.19,14 Stunden ist die Marke im Halbmarathon.

„Mich erstaunt das immer wieder, wie er das mit dem Laufen macht”, bekennt Mutter Marliese, dass sie ein Fan ihres Sohnes ist. Denn Holger Lengersdorf will nicht bei Wettkämpfen für Behinderte starten. Der 29-Jährige tritt bei jedem Volkslauf in der Region an. Die meisten Starter kommen hinter dem Barmener ins Ziel. Trotz der Nachteile, dass er wenig hören und sehen kann.

In der hiesigen Läuferszene ist er längst bekannt. Ein bisschen Hilfe ist manchmal nötig, zum Beispiel, wenn die Mit-Läufer ihm mit einem kleinen Stubser den Weg weisen. Davon mal abgesehen ist Holger Lengersdorf längst zu einem Selbst-Läufer geworden. Die Volksläufe am Wochenende zählen zu den Höhepunkten, die der 29-Jährige schon lange in seinem inneren Kalender und in dem auf seinem Computer verzeichnet hat.„In der Läuferszene fühle ich mich sehr wohl”, sagt Lengersdorf.

Der Mann mit abgeschlossener Bäcker-Lehre trainiert hart, jeden Tag. Dienstags tut er das mit anderen auf der Laufbahn in Titz. An jedem anderen Tag in der Woche ist er alleine unterwegs auf bekannten Wegen rund um Barmen. Trotzdem, obwohl Lengersdorf Gegenstände, die weiter als zehn Meter weit weg sind, kaum erkennt, kommt er so gut wie nie vom Weg ab. „Wir leben in einem Dorf. Hier kennt jeder jeden. Und alle kennen sie ganz sicher Holger”, sagt Mutter Marliese, dass jeder Barmener von der Behinderung des schnellsten Einwohners weiß.

Der Läufer lebt nach seinem Sport, die Ernährung ist auf das Laufen abgestimmt. „Er ist da sehr diszipliniert”, berichtet die Mutter. „Was ich will, das will ich”, lautet ein anderes Motto des 29-Jährigen. Angst hat er keine. Sonst würde kaum gerne Abfahrt-Ski fahren. Die Bedingungen sind so, als würde ein Sehender bei dichtem Nebel Gas auf der Piste geben. „Man muss manchmal einfach sagen: Ich mache das trotzdem”, sagt die Mutter, dass Rücksicht und Vorsicht wegen der Behinderung nicht immer die richtige Wahl seien.

Sie unterstützt ihren laufenden Sohn vor allem am Wochenende. Autofahren kann Holger Lengersdorf aufgrund seiner Seh- und Hörbehinderung nicht. Die Muttern fährt ihren Sohn. „Mittlerweile kennen mich viele Leute in der Laufszene als die Mutter von Holger”, erzählt sie.

Der schnelle Mann hat neben Skifahren und Laufen noch weitere sportliche Hobbys. Trotz seiner Behinderung spielt Lengersdorf gerne Tennis. Zudem ist er Fußball-Fan. Schwarz-Gelb sind die Farben seiner Wahl. Borussia Dortmund und Alemannia Aachen drückt er besonders die Daumen. Zudem ist der 29-Jährige ein Dauer-Favorit beim Fußball-Tipp unserer Zeitung. Lengersdorf hat schon häufig die beste Idee von den möglichen Ergebnissen im hiesigen Amateurfußball gehabt. Fußballspiele sieht er durch eine kleine Lupe, die er immer dabei hat. Durch diese Sehhilfe betrachtet Lengersdorf die Welt. So sitzt er vor dem Videotext, so arbeitet er am Computer.

Mittlerweile bezieht der Barmener eine Erwerbsminderungsrente. Den Wunsch zu arbeiten hat der Bäckergeselle allerdings nicht aufgegeben. „Wir haben allerdings nicht mehr den Druck, dass wir unbedingt etwas finden müssen”, sagt Mutter Marliese. Holger Lengersdorf will arbeiten. Trotzdem. Deswegen arbeitet er seit einem halben Jahr mit einem Logopäden zusammen, um besser sprechen zu können. Denn seiner Behinderung gegenüber nimmt er eine Verweigerungshaltung ein. „Ich mache das jetzt trotzdem.” Der Satz ist Programm.
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