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Der gläserne Mensch: Das Netz vergisst nichts

Von: Simone Dolfus
Letzte Aktualisierung:
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Über die realen Gefahren im Internet informierte die Fachfrau und Autorin Constanze Kurz die Gäste im Rahmen einer Lesung in der Buchhandlung Fischer. Foto: Dolfus

Jülich. Spannender als ein Krimi gestaltete sich die jüngste Autorenlesung in der Buchhandlung Fischer. Denn was Constanze Kurz und Frank Rieger in ihrem Buch „Die Datenfresser” beschreiben, hat einem Krimi einiges voraus: Es beschreibt die realen Gefahren im Internet. Erst im Laufe des Abends ging einigen der rund 30 Gäste auf, wie sorglos sie bis dato mit dem Internet umgegangen waren.

Andere hatten sich bereits mit der Problematik auseinandergesetzt und stellten in der anschließenden Diskussionsrunde gezielte Fragen.

Sinn und Unsinn im Netz

Constanze Kurz war alleine gekommen, ihr Co-Autor war kurzfristig erkrankt. Die sehr fachkundige Berlinerin trug einige Passagen ihres Werks vor und gab Erläuterungen dazu, bevor sie sich den vielfältigen Fragen des Publikums stellte.

Das Buch enthält drei große Themenschwerpunkte: Datenklau und -manipulation im Internet, Sinn und Unsinn von biometrischen Daten und die immer präziser werdende Personenlokalisation via Handy. Die Autoren servieren zudem eine recht finstere Zukunftsvision und geben Tipps für Schritte zu mehr „digitaler Mündigkeit”, die auch auf einer Website nachzulesen sind.

Kurz informierte über einiges, was den meisten wohl eher unbekannt ist, beispielsweise dass Google seit Monaten keine universellen sondern individualisierte Suchergebnisse liefert. Oder dass es keine Informationen vom Auswärtigen Amt darüber gibt, welche Länder die Daten aus den biometrischen Reisepässen auslesen können oder wie unsinnig die Erfassung dieser Daten überhaupt ist: So gut wie fälschungssicher waren die deutschen Reisepässe auch vorher schon.

„Und Terroristen sind eigentlich immer mit echten Pässen unterwegs...”, gab Kurz zu bedenken. Massive wirtschaftliche Interessen seien vielmehr der Grund für die Einführung der biometrischen Pässe als eine effektive Gefahrenabwehr. Als Mitglied der Enqute-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft” im Bundestag vertritt sie auch ihren ethischen Standpunkt, Kinder stärker zu schützen.

Noch ein langer Kampf

Biometrische Daten von Kindern zu erfassen sei ebenso unethisch wie Ultraschallbilder und Entwicklungsschritte des eigenen Nachwuchses ins Internet zu stellen. „Da muss der Gesetzgeber ran.” Denn: „Der Spruch, dass das Netz nicht vergisst, ist zu einem gewissen Teil wahr.”

Die Informatikerin erläuterte auch die Geschäftspraktiken von facebook, warnte vor der Monopolisierung des Marktes (beispielsweise bei Suchmaschinen) und der Post-Privacy-Debatte. Letztere schwappt momentan aus dem anglo-amerikanischen Raum herüber und besagt, aus der „Not eine Tugend zu machen” und komplett transparente Gesellschaften zu erschaffen.

Die Frage nach konkreten Gefahren für die Jugend im Netz beantwortete Kurz eher überraschend. Dies sei eine übertriebene Gefahr. „Der Schritt von virtueller Kommunikation zu einem realen Treffen ist sehr weit.” Viel riskanter sei der sorglose Umgang mit den eigenen Daten im Netz. „Unsere Lebensäußerungen werden monetarisiert. Dagegen müssen wir uns wehren. Das wird auch noch ein langer Kampf!”
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