Der „Fluch der Festungsstadt” lastet schwer

Von: gep
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„150 Jahre Schleifung der Festung Jülich”: Die Ausstellungsmacher vor einer Schautafel mit ihren Gastgebern von der Sparkasse. Foto: gep

Jülich. 1500 Jahre war Jülich eine Festungsstadt, bis vor 150 Jahren die Preußen die weitaus meisten Festungswerke rund um die Stadt schleiften, da sie strategisch von minderem Wert für einen Krieg gegen Frankreich geworden war und auch den modernen Geschützen aus der Kruppschen Kanonenschmiede nicht mehr standhalten konnte.

Doch noch heute leidet Jülich unter dem „Fluch der alten Festungsstadt”. Das sagten Peter Nieveler und Wolfgang Gunia vom Bürgerbeirat Historische Festungsstadt Jülich zur Eröffnung der Ausstellung „150 Jahre Schleifung der Festung Jülich” in der Sparkassen-Filiale am Schwanenteich, dem einstigen Löschwasserteich der Festung.

Die militärische Nutzung habe die Entwicklung der „eingemauertenÓ Stadt entscheidend gebremst. Und diese „Wirtschaftskatastrophe des 19. Jahrhunderts” sei bis heute nicht überwunden worden. Beispiele hierfür nannte er einige.

So sei die Garnisonstadt beim Aufbau des Eisenbahnnetzes in eine Randlage geraten, auch wenn später zur Zeit des I. Weltkrieges das Reichsbahnausbesserungswerk erbaut und für den Wohnungsbau das Heckfeld erschlossen worden sei.

Und auch von der im 19. Jahrhundert beginnenden Industrialisierung habe Düren mehr profitiert. Schließlich sei Jülich im Dezember 1944 auch deshalb Opfer eines verheerenden Bombenangriffs gworden, weil die Westalliierten glaubten, sie müssten ein schwer bewaffnetes Fort an der Rur stürmen. Und so wurde die „schöne Altstadt” nahezu komplett zerstört.

Doch es sei „beeindruckend”, wie schnell die Stadt nach 1945 „auf die Beine kam”.

Es sei aber auch eine „Ironie der Geschichte”, dass Jülich heute mit ihren militärischen Altlasten, der Zitadelle aus der Renaissance-Zeit und dem Brückenkopf aus der napoleonischen Ära, werben könne. Und auch noch andere Relikte sind noch vielerorts sichtbar.

Und sei es, dass die Back- und Blausteine abgerissener Festungswerke anderswo erneut vermauert wurden - wie etwa für den Sockel des Amtsgerichtsgebäudes.

Die Ausstellung stellt in Wort und Bild auf 21 digital erstellten Schautafeln die Geschichte der Festungsanlagen von der spätrömischen Zeit, als Legionäre ein Kastell errichten, über die Nutzung der vormals militärisch genutzen Areale für die Erweiterung der Stadt bis zum Jahre 1972, als im Zuge der Kommunalreform Jülich den „Fluch der FestungsstadtÓ nochmals spürte und ihren Status als Kreis-Metropole verlor und auch das „JÜL”-Kfz-Kennzeichen von den Straßen verschwand.

Und anderenfalls? „Ob es uns dann besser ginge”, so Nieveler, „wer weiß ...”
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