„Der Doppelpass würde perfekt passen“

Von: gep
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Junge Aldenhovener Deutsch-Türken: Sie sprechen sich für die doppelte Staatsbürgerschaft aus. Links im Bild Yükel Özdal, der 1970 als Kind nach Deutschland kam und seit 1995 deutscher Staatsbürger ist. Er war zunächst Bergmann, heute ist er Großgeräteführer bei RWE Power. Foto: gep

Aldenhoven. In der Diskussion um die doppelte Staatsbürgerschaft sprechen sich junge Deutsch-Türken aus Aldenhoven klar für den Doppelpass aus. „Das würde perfekt passen“, sagt Fatih (20) während einer Gesprächsrunde im Türkisch-Islamischen Kulturverein, die das Ratsmitglied Yüksel Ozdal (SPD) organisiert hat.

 „Auf jeden Fall dafür“ ist auch Yaren (16). Beide haben bereits die deutsche Staatsbürgerschaft. Fatih macht gerade Abitur („Stress? Ja klar!“) und spielt mit dem Gedanken, Architektur zu studieren oder sich für den Polizeidienst zu bewerben. Yaren steht vor dem Fachabitur und will Modedesign studieren. Sie sagt: „Wir leben hier und wollen nicht zurückkehren.“ Murat (21), der bei RWE eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert und dessen Eltern seit über 30 Jahren hier leben, betont: „Ich will mein ganzes Leben hier verbringen.“ Mit einem deutschen Pass habe er berufliche Vorteile. Es gebe aber auch sportliche Gründe: Als Ringer des TuS Aldenhoven wolle er schließlich auch an hiesigen Meisterschaften teilnehmen.

Die rot-grün regierten Bundesländer will die doppelte Staatsangehörigkeit einführen und damit die seit dem Jahr 2000 geltende Optionsregelung im Staatsangehörigkeitsrecht kippen. In vielen anderen Staaten werde der Doppelpass als Normalität akzeptiert und auch in Deutschland könne bei jeder zweiten Einbürgerung der alte Pass behalten werden, begründet etwa NRW-Arbeits- und Sozialminister Guntram Schneider (SPD) den Vorstoß. „Bei der Einbürgerung von EU-Bürgern wird der Doppelpass hingenommen. Mittlerweile werden deshalb mehr als 50 Prozent aller Einbürgerungen unter Hinnahme von Mehrstaatigkeit vollzogen.“

Auch die Optionspflicht für junge Erwachsene müsse, so der Alt-Gewerkschafter, abgeschafft werden. Einwandererkinder, die ab 1990 in Deutschland geboren werden, haben zwei Staatsangehörigkeiten. Ab 18 und bis spätestens zum 23. Geburtstag müssen sie sich für eine entscheiden. Unternehmen sie nichts, verlieren sie automatisch den deutschen Pass. Der Minister: „Wir müssen verhindern, dass Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund, die in der Kita und in der Schule Deutsche waren, wieder zu Ausländern gemacht werden, wenn sie volljährig werden. Das ist integrationspolitisch eine Rolle rückwärts.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will indes die Optionspflicht beibehalten. Integrationspolitisch sei die Staatsbürgerschaft nur ein Thema von vielen, Integration sei aber vor allem eine Frage der „Teilhabe in unserem Land“. In Teilen der Union grassiert auch die Angst vor einer stärkeren Einflussnahme der türkischen Regierung in der Bundesrepublik und vor der Entstehung von „Parallelgesellschaften“. Dagegen befürwortet Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) die doppelte Staatsangehörigkeit. Angesichts des Fachkräftemangels wäre sie ein „zusätzlicher Anreiz, um qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen“.

„Die jungen Leute hier braucht man in ein paar Jahren“, sagt auch der Aldenhovener Sozialdemokrat und Gewerkschafter Özdal, der 1970 als Kind nach Deutschland kam und seit 1995 Deutscher ist.

Deutscher ist auch Abdülkerim (16), der nach der Realschule an einem Berufskolleg das Abitur anstrebt, „um vielleicht zu studieren“. Auch er unterstreicht, dass die deutsche Staatsangehörigkeit, die er bereits hat, die besseren beruflichen Chancen biete. Dann habe man auch „mehr Rechte“. Zum Beispiel auch das Recht, wählen zu gehen, fügt Yaren hinzu.

Mehmet Emin (17) macht seine Position so klar: „Im Herzen bin ich ein Türke, aber ich lebe in Deutschland, liebe das Land. Ich will aber auch bei meinen kulturellen und religiösen Wurzeln bleiben.“ Bünyamin (18), der schon die heilige Stadt Mekka besucht hat, merkt dazu an: „Wir sind Muslime. Und für uns geht die Religion vor.“ Er wolle aber auch „in Deutschland ein guter Muslim sein.“

Dass aber bedinge, so Fatih, dass jeder „Respekt“ vor der Religion des anderen habe, Toleranz müsse es auf allen Seiten geben. Zudem, so Ayse (17), gebe es auch Türken, die nicht Muslime seien. „Für die Deutschen sind wir Türken, für die Türken Deutsche“, sagt Fatih. „„Almanci“ (Deutschländer) werden sie am Bosporus genannt. Aber mit einem Doppelpass wäre es in der Türkei, „unser Urlaubsland“, leichter, etwa Familienangelegenheiten oder Erbsachen zu erledigen.

Und was meinen die jungen Leute zum Thema „Integration“? Für Yaren heißt das, „gut Deutsch zu sprechen und die Gesetze zu beachten“. Es bedeute nicht, so Mehmet Emin, Weihnachten zu feiern, Schweinefleisch zu essen und Alkohol zu trinken. „Wir werden von den meisten akzeptiert“, sagt Ayse, „aber nicht immer gut behandelt“. So verweist sie auf spitze Bemerkungen auch deutscher Akademiker über die türkische Lebensart oder die Religionsausübung. Fatih kritisiert vor allem Angehörige der „Unterschicht“: „Die sollten sich mal in Deutschland integrieren.“ Aber Vorurteile gebe es eben weltweit.

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