Jülich - Der Countdown läuft für die Realschule Jülich

Der Countdown läuft für die Realschule Jülich

Von: Simone Dolfus
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Im Sommer ist Schluss am Aachener Tor: Dann beginnt der Exodus der Realschule in Richtung Linnicher Straße. 2017 läuft die Schulform endgültig aus. Foto: Guido Jansen
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Rektor Paul Krahe blickt mit etwas Wehmut auf den Grundstein aus dem Jahr 1967 im Schulgebäude am Aachener Tor, das die Realschule bald für immer verlassen wird. Foto: Dolfus

Jülich. Der Countdown läuft. Die Realschule Jülich befindet sich auf der Zielgeraden zum Umzug ins Schulzentrum an der Linnicher Straße. Und bekanntlich läuft die Zeit der Realschule als Schulform in Jülich bereits im Jahr 2017 gänzlich ab.

Das hindert die Schulleitung, das Kollegium und die noch verbleibenden Schüler aber nicht daran, sich in diesen Tagen über ein Jubiläum zu freuen: „60 Jahre Realschule“.

Natürlich hat der eine oder andere da eine Träne im Knopfloch und denkt mit Wehmut an die vielen schönen Zeiten am Standort am Aachener Tor zurück. „Das, was uns als Schule ausmacht, wird auch weiterhin bestehen“, sagt Schulleiter Paul Krahe. Er sieht die Stärken der Realschule unter anderem in der ausgeprägten Neigungsdifferenzierung zwischen Sozialwissenschaften, Fremdsprachen und Naturwissenschaft/Technik und den umfangreichen Zusatzangeboten, die die Schule jahrzehntelang gemacht hat.

Da gab und gibt es zum Beispiel die Teilnahme am Nanoline-Wettbewerb, die Erforschung der Wasserqualität hiesiger Gewässer in der Chemie AG und natürlich die über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Realschul-Big-Band. „Die Realschule hatte schon ihre Daseinsberechtigung“, sagt der Rektor, der die Umstellung vom dreigliedrigen auf ein Einheitsschulsystem aber keineswegs schlechtreden will. Man müsse nun dafür Sorge tragen, dass die neue Sekundarschule gut funktioniere und den Schülern jene Entwicklungsspielräume biete, die die Realschule geboten hat.

Noch einige Pläne

Die Realschule habe für die nächsten drei Jahre durchaus noch einige Pläne und will den Umzug ins Schulzentrum als Chance begreifen und dort in neuen Räumen mit moderner Unterrichtsausstattung noch eine gute Zeit erleben. „Die Entscheidung, die Realschule aufzugeben und eine Sekundarschule zu schaffen, ist vom Schulträger getroffen worden. Da jetzt noch ewig nachzukarten hat keinen Sinn“, will Krahe positiv in die Zukunft blicken. Ihm und seinen rund 20 Kollegen geht es vor allem darum, dass „uneingeschränkt und bis zum letzten Tag eine wohlfunktionierende Realschule für die Schülerinnen und Schüler aus dem Jülicher Land existiert.“

Das Jubiläum bietet einen willkommenen Anlass, sich vom Umzugsstress und dem Auslaufen der Schulform abzulenken. „Das ist schon schwierig, wir haben ja die neue Sekundarschule direkt vor der Tür“, räumt Krahe ein, dass sich die Realschüler und auch die Lehrer als „Auslaufmodell“ manchmal ein bisschen komisch fühlen. Nichtsdestotrotz beschäftigen sich die Mädchen und Jungen in Projektarbeiten mit dem Rückblick auf 60 Jahre Realschule, angefangen als Holzbaracke am Propst-Bechte-Platz im Jahr 1953.

Der Grundstein aus dem Jahr 1967 im Foyer der Schule erinnert heute noch an den Einzug in das damals moderne, neue Gebäude am Aachener Tor, das im Jahr 2014 fast aus allen Nähten platzt, bevor Real- und Sekundarschule nach den Sommerferien an die Linnicher Straße ziehen. „Wir müssen derzeit riesige Kompromisse bei der räumlichen Situation machen“, berichtet der Schulleiter. Der anstehende Umzug bietet reichlich Gelegenheit, „sich auf das Wesentliche zu beschränken“, so Krahe.

Da wird jetzt schon aussortiert, beispielsweise Bücher, Geräte und Unterrichtsmaterialien für die Klassen 5, 6 und 7, die nach dem Aufnahmestopp vor drei Jahren am neuen Standort nicht mehr existieren werden. „Wir müssen im laufenden Unterricht entscheiden, was brauchen wir hier noch und was kann schon umziehen“, nennt Krahe einen weiteren Knackpunkt. Die Sommerferien, in denen der Hauptumzug absolviert werden soll, werden für das Kollegium gewiss nicht viel Erholungsspielraum bieten.

Neben der Umzugslogistik bereitet dem Rektor und seinen Kollegen vor allem der künftige Schülertransport zur Linnicher Straße einiges Kopfzerbrechen. Die ursprüngliche Idee eines Shuttledienstes vom Walramplatz zum Schulzentrum sei nicht sinnvoll, man arbeite derzeit daran, den Schülerverkehr auf direktem Wege zu organisieren. Beispielsweise werden die Stundenpläne „rhythmisiert“, zumindest mit der Hauptschule, denn die hat mit 45-minütigen Unterrichtszeiten die gleiche Taktung wie die Realschule, während in der Sekundarschule die Unterrichtseinheit 60 Minuten beträgt.

Außerdem habe man mit der Hauptschule, die ja bereits im Schulzentrum untergebracht ist, beschlossen, den Unterrichtsbeginn auf 8 Uhr festzulegen. Ganz harmonisch werden die Abläufe allerdings nicht werden können, denn die Hauptschule ist im Gegensatz zur Realschule im Ganztagsbetrieb.

Was bei alledem nicht bleibt ist Zeit. Denn die läuft umbarmherzig ab und lässt nicht viel Raum, auf 60 Jahre Erfolgsgeschichte ausführlich zurückzublicken. Einige Schüler arbeiten trotzdem an einer Festschrift und ein bisschen wird wohl auch gefeiert werden. „Ein großes Fest wird es angesichts der Situation aber nicht geben“, sagt Paul Krahe ein bisschen traurig und guckt auf die Uhr.

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