Jülich - Denkmalschutz für Häuser am Markt: Ausschuss ist dagegen

Denkmalschutz für Häuser am Markt: Ausschuss ist dagegen

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
denkmal_bu
Diesen Jülicher Nachkriegsbau am Marktplatz 7-10 wollen die Denkmalschützer bewahren - der Ausschuss für Kultur, Integration und Soziales hat gegen eine Unterschutzstellung gestimmt. Einige Mitglieder schlagen vor, nur die Fassade, nicht aber das Innere zu erhalten. Foto: C. Diels

Jülich. Außen ein Denkmal, innen modernisieren: Wenn es nach Wolfgang Gunia (CDU) ginge, könnte ein Kompromiss die Hängepartie um die Unterschutzstellung des Wohn- und Geschäftshauses am Marktplatz 7-10 beenden. „Den Jülichern geht es darum, dass der Denkmalschutz für den Markt eine Bereicherung ist.”

Sprich: Dass eine sanierte Fassade nach historischem Vorbild für ein schöneres Stadtbild sorgt. Im Gebäudeinneren dagegen würde Gunia dem Eigentümer freie Hand lassen, „es modern zu gestalten”. Doch das Rheinische Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) will das Gebäude aus der Nachkriegszeit komplett unter Schutz stellen - und kann wohl auch nicht anders.

Die Denkmalschützer begeistern sich nicht nur für die Außenfassade nach Vorbild der 50er Jahre, sondern auch für das Innere. Hier beziehen sie sich auf „original erhaltene hölzerne Treppenhäuser einschließlich Böden, Wandschränken und Wohnungstüren bis hin zu Details wie Klingelknöpfen”. So werde der sehr einfache Einrichtungsstandard der Nachkriegszeit anschaulich überliefert. Schon Anfang 20008 stellten sie den Antrag, den Komplex auf die Denkmalliste zu setzen.

Im Ausschuss für Kultur, Integration und Soziales wundert sich nicht nur Gunia über die Welle der Anträge auf Unterschutzstellung. Auch Mathias Hoven (JÜL) fragt sich, wer diese Verfahren auslöst. Im Fall des Marktplatzes hatte der Förderverein Festung Zitadelle Jülich den Wohn- und Geschäftskomplex den Denkmalpflegern empfohlen.

Beigeordneter Martin Schulz sagt: „Gerade sind die Gebäude aus den 50er Jahren dran.” Die Mehrheit der Mitglieder im städtischen Ausschuss setzt einen anderen Schwerpunkt. Neun lehnten den Antrag des LVR ab, einer enthielt sich, und sechs stimmten dafür.

Die Ablehnung bedeutet nicht, dass das Haus nicht unter Schutz gestellt wird. Nun ist dem LVR „in begründeter Form” mitzuteilen, warum die Untere Denkmalbehörde, also die Stadt, eine andere Meinung hat.

Schulz verweist auf die Verwaltungsvorlage. Darin steht, dass die Eintragung in die Denkmalschutzliste „eine gebundene Entscheidung ist. Es ist nur auf die gesetzlichen Tatbestandsmerkmale abzustellen, die individuellen Belange des Eigentümers, seine Nutzungsinteressen und Vermögensverhältnisse, die Erhaltungsaufwendungen und Folgewirkungen der Eintragung sind für die Eintragung rechtlich unerheblich”.

Ein Ausgleich der Interessen, heißt es weiter, erfolge in der zweiten Stufe des Denkmalschutzes. Eigentümer und Denkmalschützer können Kompromisse eingehen. Laut Verwaltung konnte mit dem Eigentümer Marktplatz 7-10 vorab keine Einigung erreicht werden.

Bernhard Rehers, Denkmalfachmann in der Jülicher Bauverwaltung, sieht die Angelegenheit gelassener. „In der Praxis ist das nicht so problematisch und so starr. Man kann mit den Denkmalschützern reden.” Und auch Schulz bezieht sich auf die Worte von Denkmalschützerin Octavia Zanger, die das Gutachten erstellt hat. Es sei wichtig, habe sie gesagt, dass das Gebäude auch den Ansprüchen der heutigen Zeit genüge.

Ob die Denkmalschützer das Gebäudeinnere von der Liste streichen? Es kommt auf die Begründung der Stadt an. Wenn das Gegengutachten nicht überzeugt, wird der Komplex Marktplatz 7-10 ein Denkmal. Innen und außen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert