Dasgip AG: Wellness-Center für die Industrie

Von: Volker Uerlings
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Laborgeräte von der Jülicher
Laborgeräte von der Jülicher Dasgip AG werden in alle Welt verkauft. Das Unternehmen hat seine Kapazitäten im Königskamp nun verdreifacht und stellt auch weitere Mitarbeiter ein. Foto: Uerlings

Jülich. Wachstum ist nicht alles, macht aber auch nicht unglücklich - das könnte die Devise der Jülicher Dasgip AG sein. „Wir wachsen schneller als der Wettbewerb”, erklärt Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas Drescher, und dabei huscht ihm ein leichtes Lächeln übers Gesicht. Den Erfolg kann man im Gewerbegebiet Königskamp auch sehen.

Das Biotechnologie-Unternehmen, das Laborgeräte und Software-Lösungen herstellt, expandiert auch räumlich. 25 Prozent jährliches (!) Wachstum seit 2006 haben nun dazu geführt, dass der Gewinner des Innovationspreises 2010 der Aachener Region seine Produktions- und Lagerkapazitäten verdreifacht hat.

Made in Germany und made in Jülich - der Hallenneubau manifestiert beides, obwohl Dasgip längst global operiert. Die Produkte sind in aller Welt im Einsatz, vor allem in Europa, Nordamerika und Asien. „Die räumlichen Verhältnisse waren zu eng bei der Menge an Geschäft und Produktion”, erklärt Drescher die stattliche, aber nicht näher bezifferte Investition. Und da der kluge Mensch vorbaut, ist die Halle so konzipiert, dass ein zweites Stockwerk aufgesattelt werden kann. Das Nachbargrundstück hätte man optional auch ganz gern - sicher ist sicher.

Wenn nüchtern von „Laborgeräten” die Rede ist, kann das ja alles Mögliche sein. Thomas Drescher hat eine gut vorstellbare „Übersetzung” parat. „Wir stellen praktisch Wellness-Center für Mikroorganismen her”, sagt er und deutet auf ein mit Wasser gefülltes Glas. So ähnlich sehen die Behälter aus, die in der Forschung und Entwicklung der Pharma-, Chemie- und Lebensmittel-Industrie benötigt werden und dort „Bioreaktoren” heißen. Die Systeme der Dasgip AG sind natürlich viel mehr als einfache Glasbehälter, aber eben mit allem Drum und Dran genau auf die Bedürfnisse von Forschern zugeschnitten.

Das ist kein Zufall, denn die drei Dasgip-Gründer (Drescher/Arnold/Schneider) kennen das Geschäft aus eigener Anschauung bestens, schließlich haben sie im Forschungszen-trum Jülich gearbeitet und 1991 mit ihrer Idee den Schritt in die selbstständige Vermarktung gewagt. Die erste Heimat war das Technologiezen-trum Jülich, bevor sich das Unternehmen, das von 2,5 Mitarbeitern auf 60 gewachsen ist, dann endgültig in der Herzogstadt niedergelassen hat. Der nach eigener Darstellung „hochspezialisierte Nischenanbieter” gibt dem Markt derzeit genau das, was dieser benötigt. Die Systeme aus Jülich werden nämlich in den Wachstumsbereichen wie der Herstellung von Bio-Kraftstoffen und Bio-Polymeren benötigt. Vor dem Hintergrund knapper werdender fossiler Rohstoffe dürfte sich die Entwicklung in diesem Segment eher intensivieren denn abschwächen.

Die „Wellness-Center” liefern gedeihliche Voraussetzungen für Mikroorganismen, die Prozesse wiederum große Mengen an Daten. Daher verwundert es nicht, dass Dasgip auch spezielle Softwarelösungen zur Analyse liefert, um wertvolle Information in hoher Geschwindigkeit zu gewinnen. Den Innovationspreis 2010 gab es für ein Produkt dieser Unternehmenssparte.

Dasgip hat eine App (Applikation, Anwendung) entwickelt, die parallele biotechnische Kultivierungsprozesse per mobilem Endgerät überwacht und steuert. Das bedeutet in der Praxis, dass die wissenschaftlichen Mitarbeiter nicht mehr wie früher neben den Bioreaktoren zur Not im Schlafsack übernachten müssen, um bei Bedarf eingreifen zu können, sondern auch von zu Hause aus alles im Blick und im Griff haben. „Auch 2012 werden wir etwa zehn neue Mitarbeiter einstellen”, erklärt Vorstandsvorsitzender Thomas Drescher, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. Benötigt werden vor allem Ingenieure und Softwareentwickler, beschäftigt auch sechs Auszubildende, „die direkt übernommen werden”.

Der Standort Jülich ist laut Drescher „gut gelegen”, um permanent Nachwuchs für das Unternehmen zu rekrutieren. Die Fachhochschule vor der Haustür in der Herzogstadt mit ihren biotechnischen Studiengängen ist geradezu ein idealer Partner, die RWTH in Aachen sowieso, aber auch die Berufskollegs in Mönchengladbach und Düren werden „angezapft”. „Es steht für uns außer Frage, dass wir unserem Produktionsstandort treu bleiben”, legt Thomas Drescher ein „Gelübde” ab. Er selbst hat sich auch in einem Jülicher Stadtteil häuslich niedergelassen, was wiederum zeigt, dass die zahlreichen Spezialunternehmen in dieser Stadt nicht nur Pendler von außerhalb beschäftigen.

Bei allem Lob gibt es vor der Haustür des Dasgip-Stammsitzes mit der markanten Holzfassade auch Verbesserungspotenzial. „In Sachen Öffentlicher Personen Nahverkehr ist das hier Prärie!”, sagt Drescher und steht damit nicht allein. Höchste Zeit, dass sich die Politik in Stadt und Kreis mit diesem Thema noch einmal auseinandersetzt, bevor die „Cowboys” davonreiten...
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