Das Nordviertel wird 50: „Wir haben alles, was wir brauchen!”

Von: Dorothée Schenk
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Blick in die Vergangenheit: 1957 standen im „Nordviertel” lediglich die Häuser „Am Wallgraben”. Repro: Stadtarchiv

Jülich. Das Nordviertel hat Geburtstag. Vor 50 Jahren beschloss der Jülicher Stadtrat die ersten Bebauungspläne. Wo einst Soldaten Schießübungen machten, Jülich 1910 sein Nachkriegs-Ersatzfußballfeld fand und der Turnverein Feld-Handball trainierte, wuchsen Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie Hochhäuser im Zuge der Ansiedlung der „Kernforschungsanlage” (KFA), des heutigen FZ.

Wenn sich Jülich vergrößerte, hatte das in den vergangenen 100 Jahren stets mit der Ansiedlung von Großunternehmen zu tun: 1910 sorgte das Eisenbahninstandsetzungswerk für die Gründung des Stadtviertels Heckfeld, 50 Jahre später wurde der Bedarf neuer Wohnungen durch die KFA begründet.

Einer, der bereits visionär 1934 ein „Nordviertel” skizzierte, war der Architekt des Jülicher Wiederaufbaus, René von Schöfer. So beschreibt es Ulrich Coenen im Jülicher Jahrbuch der Geschichte 1991. Umgesetzt haben es aber die Architekten von Drause und Kohl der Technischen Hochschule Aachen, wie in den Beiträgen zur Jülicher Geschichte, Band 45, bei Heinz Scheuer nachzulesen ist. Eine planerische Herausforderung, denn das an die Festungsanlage anschließende Wohngebiet sollte an der Zitadelle „ausgerichtet” sein und den Bollwerken optisch folgen.

Interessant war das Areal für Häuslebauer, da die Grundstücke preiswert waren: 25 DM, erinnert sich Heinz Kräling, zahlte man etwa für den Quadratmeter. Kräling, Jahrgang 1932, kennt das Nordviertel seit Kindertagen - damals mit vielen Feldern, vereinzelten Häusern und dem bäuerlichen Betrieb Johanneshof, wo seit 1970 die Saleskirche ihr Oktogon in den Himmel zeichnet, dem Alleenweg von der heutigen Linnicher bis zur Mannheimer Straße.

Krälings Elternhaus steht an der Artilleriestraße, damals noch der Kommstraße zugehörig. 1930 war es die erste reine Wohnbebauung - ohne angeschlossene landwirtschaftliche oder gewerbliche Nutzung. Einen Kanalanschluss gab es auch nicht, statt dessen einen eigenen Grundwasserbrunnen und Sickergruben für das Abwasser.

Für den Jungen war es „eher einsam”, da Spielkameraden rar gesät waren. Dafür konnte er im Sumpfgebiet hinter dem Trommelwäldchen Molche fangen und im Winter Schlitten und Schlittschuh fahren, erinnert sich der einstige Konrektor der Zitadelle.

Ebenfalls vor Augen hat Heinz Kräling noch die Übungen der Soldaten und den Artilleriefahrplatz als kleinen „Flugplatz”. Da das Gelände eben war, konnte hier der „Fieseler Storch” starten und landen, ein Propellerflugzeug zu Beobachtungs- und Sanitätsflügen. „Die Piloten waren freundlich, da durften wir uns auch mal auf die Tragflächen setzen”, sagt der 78-Jährige und schmunzelt.

Als Lehrer kam Heinz Kräling 1960 frisch verheiratet zurück ins Elternhaus nach Jülich und erlebte die Belebung des einstigen Ackers zur Wohnsiedlung Nordviertel. Auf dem Gelände der alten Ingenieurschule, die 1964 an der Berliner Straße entstand, unterrichtete er später die aus Platzmangel „ausgelagerten” Schüler des Gymnasiums Zitadelle.

Bis heute schätzt Heinz Kräling die Nähe zur Innenstadt und auch in den vergangenen 50 Jahren gewachsene Infrastruktur. Die Grundversorgung vor Ort gewährleisten seit 1970 verschiedene Lebensmittelgeschäfte, Metzger, Bäcker, Floristen, Apotheke, Eisdiele sowie Gaststätten.

Das Angebot hat sich teilweise verändert und in einigen Bereichen erweitert. Im Jahr 2000 richtete die Rurtalbahn eine Haltestelle Jülich-Nord ein.

„Wir haben hier alles, was wir brauchen”, sagt Heinz Kräling. Und mit Blick auf die Kritiker betont er: „Das Gute nimmt man als selbstverständlich.”
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