Linnich - Das Konzept Boarding House ist noch heiß

Das Konzept Boarding House ist noch heiß

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
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Schlagzeilen liefert die Stadthalle in Linnich nur noch im Negativen wie hier bei dem Brand Mitte des letzten Jahres. Foto: Horrig

Linnich. Das geflügelte Wort „Aus dem Auge, aus dem Sinn” mag auf vieles zutreffen - auf die Stadthalle in Linnich gewiss nicht. Sie liegt schlicht und ergreifend zu augenfällig, als dass man sie übersehen könnte. Dabei schreit der erbärmliche Zustand des Gebäudes nach einem Mantel, unter dem es sich verbergen kann, bis es von selbst zu einem steinernen Häufchen Elend verfällt.

Schlagzeilen liefert der zentrale Veranstaltungsraum besserer Tage nur noch im Negativen. Ob es der Brand im August 2008 war oder die immer wieder beobachteten Fälle von Vandalismus. Vielleicht ändert sich das ja in diesem Jahr. Noch ist das Projekt „Boarding House” nicht zu den Akten gelegt, auch wenn es von manchem schon totgesagt war.

„Wir wollen eine Entscheidung bis Juni über die Bühne haben”, sagt Norbert Finkeldei. Der Linnicher Architekt steht als Planer hinter dem „âBoarding House”. Der Investor, eine große deutsche Privatbrauerei, hat sich ebenfalls noch nicht abgewandt. Aber die Finanzkrise hat Investoren generell vorsichtig gemacht, räumt der Planer ein. Da wird lieber einmal mehr durchkalkuliert, um auf Nummer sicher zu gehen. Und um, wie man so sagt, noch Einsparpotenziale zu generieren. Man sei dabei, ein Konzept zu entwickeln, sagt Norbert Finkeldei und hält die Karten vorsichtig bedeckt. „Wir sehen das noch optimistisch”, ist sein Tendenzkommentar.

Tragender Pfeiler

Am Grobkonzept dürfte sich nichts geändert haben. Auf dem Gelände der Stadthalle, das sich von der Rurstraße bis zum Place de Lesquin erstreckt könnte ein Neubau entstehen, der nicht mehr nur einem Zweck dient, wie noch sein hinfälliger Vorgänger. Boarding, die Unterbringung von Gästen, ist der neue und in erster Linie wirtschaftlich tragende Pfeiler des Konzepts. „Eine Stadthalle ohne Boarding House rechnet sich nicht”, bringt es der Architekt auf den Punkt. Das Potenzial an Unterkunftssuchenden scheint gegeben.

Nicht nur Linnichs größter Arbeitgeber, SIG Combibloc, könnte ein dankbarer Nutznießer von Unterkünften für durchreisende Geschäftspartner sein. Auch für das Gewerbegebiet in Baal mit seinem Teleshop-Giganten QVC wäre das zusätzliche Unterbringungspotenzial in relativer Standortnähe interessant. Bis nach Aachen könnte ein Boarding House in Linnich Firmen interessieren, überlegt Finkeldei. Diesen Bedarf abzufragen, sei man gerade dabei.

Über die Grundsatzentscheidung hinaus stellt sich die Frage nach dem Betreiber des Boarding House- und des Stadthallenbetriebs. Dies dürfte keine großen Probleme aufwerfen.

Der Investor, die Brauerei, verfüge naturgemäß über die Kontakte, Pächter für ein solches Projekt zu akquirieren. Dass dafür nicht die Stadt Linnich in Frage kommt, ist angesichts der Haushaltssituation ein Fakt.

Finanziell ist da ohnehin nichts zu erwarten. Würde sie das Gelände „baureif” machen, also die Stadthalle abreißen, käme sie gerade mit einem blauen Auge davon. Nach der jüngsten Berechnung lägen die Abriss- und Entsorgungskosten noch im fünfstelligen Bereich. Da bliebe aus dem Verkaufserlös des Grundstückes sogar noch etwas übrig.

Schwarze Zahlen sind jedenfalls viel besser als schwarz verbretterte Fenster oder schwarz verkohlte Balkenstummel nach dem Brand. Noch wichtiger wäre es, wieder einen echten Veranstaltungstempel zu bekommen. Denn: Was eine funktionstüchtige Stadthalle für die Stadt bedeutet, hat sich in Linnich zu einer vagen Erinnerung verflüchtigt.
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