„Das junge Radio”: Feste Sendezeiten gibts im Internet nicht

Von: Nicola Gottfroh
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Sie machen Radio für junge Menschen: Christine Brockerhoff, Christian Goerke, Michael Pannitz (hinten v.l.) Jan Hanke, Jörg Schröder und Bernd Flücken (vorne v.l.) hoffen auf viele Hörer bei DaJuRa. Foto: Gottfroh

Jülich. Die Augen von Jörg Schröder leuchten voller Begeisterung, während er spricht. „Wir haben einige neue Projekte rund um die offene Kinder- und Jugendarbeit MIB im Jülicher Roncalli-Haus”, erzählt der 36-jährige Leiter des Jugendtreffs.

Stadionatmosphäre mit stylischen Tribünen, sagt Schröder, herrsche inzwischen im Konzertraum, in dem abwechselnd samstags und sonntags Spiele der ersten und zweiten Bundesliga übertragen werden. Auch Konzerte sind in der Planung. So werden beim Nikolauskonzert die Bands „Überflüssig”, „Die kleinste Band der Welt” und „Tanzmob” das Roncalli-Haus rocken. Geplant sind auch Pokerspiel-Abende und Lan-Parties.

Neues Herzstück

Herzstück der neuen Aktionen und Schröders „Baby” ist aber das Webradio, mit dem er und seine Mitarbeiter von nun an regelmäßig auf Sendung gehen. „DaJuRa” hat das junge Team aus Ehrenamtlichen den Sender getauft, eine Abkürzung für „Das junge Radio”. Der Name will hierbei Programm sein, die Zielgruppe seien Kinder und Jugendliche, erklärt Schröder.

Für das Team des Roncalli-Jugendtreffs ist das Webradio-Projekt nicht der erste Ausflug in die Welt des Hörfunks. Bevor sie mit Dajura ihr eigenes Radio an den Start brachten, produzierten die Radiofans schon Sendungen für den Bürgerfunk eines Lokalradios - wurden damit jedoch nicht wirklich glücklich.

„Das sind die Radiosendungen, bei denen man meistens abschaltet”, grinst Schröder zur Erklärung. Dann fügt er versöhnlicher hinzu: „Nein, Quatsch. Beim Bürgerfunk muss man sich an die vielen Vorgaben des Landesmediengesetzes halten. Deshalb mussten immer rein lokale Geschichten geliefert werden, dafür kaum Musik und Comedy. Das hat uns nicht wirklich gefallen”, berichtet er. Obwohl der Bürgerfunk nicht zum Team passte, wollten doch alle mit dem Radio weitermachen. „Die Jungs und Mädchen hatten Blut geleckt”, sagt Schröder.

Deshalb kam dem Team das Web-Radio gelegen. Dort habe man zwar nicht so viele Zuhörer. Dafür gestalte man aber etwas völlig eigenes. Zunächst lief das Projekt noch unter dem Dachverband der „Deutschen Radio Nation” - unter dem Namen „Jülicher Jugend Radio”.

Doch auch dabei mussten sich die Jülicher Radiomacher zu ihrem Leidwesen an Vorgaben und Sendeschemata halten. Seit Anfang August machen sie mit dem Roncalli-Jugendradio „DaJuRa” nun ihr „ganz eigenes Ding”. Mindestens eine Stunde am Tag, so haben es sich die Radiomacher vorgenommen, wollen sie mit Wortbeiträgen füllen. Die übrigen 23 Stunden können sich die Zuhörer mit Streammusik, zeitweise vom automatischen „Auto DJ” aufgelegt, berieseln lassen.

Wie die Sendungen aussehen sollen, das wissen die Nachwuchsmoderatoren genau: „Wir wollen ein Radio für junge Menschen mache mit Themen, die Jugendliche auch wirklich interessieren”, sagt Christian Goerke. Der 21-jährige Abiturient und ehrenamtliche Mitarbeiter des Jugendtreffs hat bei DaJuRa seine eigene Sendung. „Inside” heißt sie und wird sich mit den Themen Popkultur, Kino und Technik beschäftigen.

Wann Goerke am Mikro sein wird, weiß er noch nicht. „Wir möchten Spontanradio machen - gänzlich frei von festgelegten Zeiten. Ich denke, das entspricht auch ein wenig dem Zeitgeist”, erklärt er. Ein Format mit Wochenrückblick á la TV Total, in der skurrile, aber auch ernsthafte Nachrichten aufbereitet werden, hat Michael Pannitz für seine gleichnamige Show entwickelt.

Auch die übrigen Sendungen richten sich voll und ganz an junge Menschen - neben lustigen Themen sollen auch junge Probleme oder Themen wie die Arbeitsplatzsituation sowie die Bildungsreform bei DaJuRa diskutiert werden. „Natürlich sollen sich die Zuhörer auch selbst mitteilen”, so Schröder.

„Jeder, der Lust hat, bekommt die Möglichkeit, eine Sendung zu produzieren. Kinder und Jugendliche, die etwas loswerden möchten, bekommen bei uns eine Chance dazu”, erklärt der Jugendtreff-Leiter. Natürlich, betont er, sei „rechter Kram” und Musik, die auf dem Index steht, auch bei DaJuRa verboten.

Neben dem Spaß-Faktor hat das Web-Radio für Jörg Schröder gleichzeitig einen pädagogischen Hintergrund. Darum erzählt er von zwei zwölf und 13 Jahre alten Jugendtreff-Besuchern, die bereits eine eigene Sendung auf die Beine gestellt haben. „Die Jugendlichen sind richtig aus sich herausgekommen”, freut sich der 36-Jährige.

Auch kürzere Beiträge können von Radioneulingen entwickelt werden - dabei denkt er beispielsweise an Podcasts. Für welche Variante man sich entscheidet, für den Leiter des Jugendtreffs steht fest: „Beim Web-Radio kann man ganz verborgene Talente entdecken”
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