Das Geheimnis der kleinen Gesundmacher

Von: Stefan Herrmann
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Petersilie enthält Stoffe, di
Petersilie enthält Stoffe, die präventiv zum Beispiel gegen Krebs wirken. Aber warum ist das so? Foto: imago/imagebroker, Stefan Herrmann

Jülich/Bonn. Power-Petersilie? „Ach, was”, sagt Ingar Janzik und lacht. Es interessiert sie zwar, warum die Petersilie für den Menschen so gesund ist, wie sie gesund macht und wo genau sie wirkt. Aber nicht, um dann eine noch gesündere Petersilie zu züchten. Ingar Janzik fängt lieber von vorn an. Ganz von vorn.

Ingar Janzik ist Biologin und arbeitet als Professorin am Institut für Bio- und Geowissenschaften im Forschungszentrum Jülich. Um ganz von vorn anfangen zu können, ist sie dabei, aus leichtem Gemüse und leichten Kräutern schwere Varianten zu ziehen. Schweres Gemüse, schwere Kräuter, so was in der Art. Nur so kann sie nachvollziehen, wie und wo genau diese Gesundmacher im menschlichen Körper wirken. Das herauszufinden, das wäre mal ein Anfang. Ingar Janzik sagt: „Wir wollen verstehen.”

Den Flavonoiden, so heißen die Gesundmacher, die Ingar Janzik untersucht, wird eine vorbeugende Wirkung zugeschrieben, sie wirken antioxidativ. Gegen Krebs, gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gegen vieles andere auch. Flavonoide, nehmen Ingar Janzik und andere Fachleute an, wirken präventiv und helfen wie kleine gute Geister. Nur wie? Und wo?

Ergebnisse schon Mitte 2012

Um zu verstehen, wie Ingar Janzik und ihre Kollegen in Jülich das herausfinden wollen, muss man Folgendes wissen: Alle Pflanzen enthalten Flavonoide. Sie entstehen aus Zucker, der vorher bei der Photosynthese entstanden ist. Bei der Photosynthese werden, einfach gesagt, aus Lichtenergie verschiedene Stoffe in Pflanzen gebildet, unter anderem eben Zucker, aus dem alle anderen Stoffe entstehen. Für die Photosynthese benötigt die Pflanze neben Licht auch Kohlendioxid CO2. In der Erdatmosphäre enthält das CO2 vor allem den Kohlenstoff 12C. Es gibt allerdings noch zwei weitere Kohlenstoffe: 13C und 14C. Interessant für die Jülicher Forscher ist 13C, denn er ist ein bisschen schwerer als 12C.

In einer Klimakammer im Jülicher Forschungszentrum haben die Wissenschaftler Petersilie, Spinat und Pfefferminze gepflanzt. Dann wurde die Tür für vier Wochen geschlossen. Anstatt normaler Luft, wie sie auf der Erde vorkommt, bekamen die Pflanzen die spezielle Atmosphäre mit dem schwereren Kohlenstoff 13C statt dem natürlich vorkommenden, aber leichteren. Sie nahmen den schweren Kohlenstoff anstandslos auf. So entstanden schwereres Gemüse und schwerere Kräuter.

Und, besser noch: Die gesundheitsfördernden Flavonoide wurden mit dem 13C-Kohlenstoff gewissermaßen markiert, Ingar Janzik und ihre Kollegen können ihren Weg im menschlichen Körper nun verfolgen. Sie sagt: „Im Prinzip haben die Flavonoide nun eine Signalweste an.” Was für ein Erfolg.

Für diese markierten Flavonoide interessieren sich nun besonders die Ernährungswissenschaftler aus Bonn. Rund zwei Kilogramm Grün haben die Jülicher Forscher geerntet und an die Universität Bonn geschickt. Dort sollen Anfang 2012 Versuche mit Testpersonen beginnen. „Sie bekommen die markierten und extrahierten Flavonoide in üblichen Speisen gereicht, zum Beispiel als Pfefferminztee”, sagt Peter Stehle von der Uni Bonn. Geklärt werden kann jetzt: Wo wirken die Flavonoide? Im Magen? Im Darm? Im Blutkreislauf? Oder überall? Bisher ist der Mensch in Sachen Flavonoiden nämlich ein bisschen wie eine Black Box: Nun aber gehen die 13C-Flavonoide in den Körper rein, und man kann sehen, was sie in ihm veranstalten. Das jedenfalls hoffen die Wissenschaftler.

Erste Ergebnisse will die Uni Bonn schon Mitte 2012 ausgewertet haben. Geht es nach dem Wunsch der Forscher, sollen die Tests danach weitergehen. „Denn über die Wirkung von Flavonoiden in Pflanzen und Menschen gibt es noch viel zu lernen”, sagt Ingar Janzik.

Und wenn man dann gelernt und verstanden hat, kann man aus den 13C-Flavonoiden dann Turbo-Spinat oder Power-Petersilie machen, die noch gesünder sind als die leichteren Varianten? Janzik schüttelt den Kopf. „Wir machen hier Grundlagenforschung”, sagt sie. Power-Petersilie, das ist nicht so ihr Thema. Ingar Janzik forscht lieber ganz am Anfang.

Flavonoide sind zum Beispiel für die rote, blaue, gelbe und auch violette Farbe von vielen Pflanzen verantwortlich. Diese Nährstoffe verstecken sich häufig unter den Schalen oder Randschichten von vielen Obst- und Gemüsesorten. Ernährungsexperten raten daher, bei der Zubereitung von Lebensmitteln das Schälen zu vermeiden, um die Flavonoide zu erhalten.

Das Wissen über die Flavonoide ist noch relativ spärlich, sagt die Jülicher FZ-Biologin Ingar Janzik. Die positive Wirkung der Stoffe noch nicht vollständig nachgewiesen. Das Forschungsprojekt der Wissenschaftler aus Jülich und Bonn soll weiteres Licht ins Dunkel bringen.

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