Das Forschungszentrum Jülich lässt die Kräne tanzen

Von: Volker Uerlings
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Gleich hinter dem Haupttor zum Forschungszentrum findet sich die erste Großbaustelle: Hier entsteht ein neues Verwaltungsgebäude. Foto: Volker Uerlings

Jülich. Das Forschungszentrum Jülich (FZJ) kann man durchaus als „Stadt in der Stadt” betrachten. Über 4600 Beschäftigte - und damit 138 mehr als ein Jahr zuvor - gingen 2009 im Stetternicher Forst ihrer Arbeit nach. Tendenz: steigend.

Einen Stadtteil dieser Größe gibt es außerhalb der Jülicher City nicht. Wer in den letzten Monaten aber das Gelände betreten hat, sah vor lauter Kränen die vielen Baustellen nicht. Der FZJ-Vorstand und andere Kostenträger finanzieren einen beachtlichen Bauboom. Die „Stadt in der Stadt” wächst.

Riesiger Rückstau

„Mich wundert es manchmal, dass sich kaum ein Kollege beschwert bei den vielen Arbeiten, die ja auch nicht gerade leise ablaufen. Aber wir hören keine Klagen, die Mitarbeiter sehen einfach: Hier passiert was”, sagt Vorstandsvorsitzender Prof. Achim Bachem im Gespräch mit unserer Zeitung. Und erklärt: „Es gibt einen riesigen Rückstau. Wir geben derzeit 30 Prozent der investiven Mittel für Gebäudebau und -sanierung aus.”

Das sind allein 20 Millionen Euro und geht ans Eingemachte. Zudem fließen 10 Millionen Euro aus den Töpfen der Helmholtz Gemeinschaft, dem das Forschungszentrum angehört. Zum Glück - muss man bei den „Gaben” sagen.

Nicht nur die Hochbauten, auch Teile der Infrastruktur im FZJ sind 50 Jahre alt. An ihnen nagt schon lange der Zahn der Zeit. „Früher hat man gesagt, bevor wir Geld in Beton investieren, kaufen wir lieber wissenschaftliche Geräte. Das war auch richtig”, so Bachem. Jetzt aber sei ein Punkt erreicht, an dem das nicht mehr geht.

Bagger, Kräne, Lastwagen

Das FZJ-Vorstandsmitglied Dr. Ulrich Krafft hat in der Mitarbeiterzeitschrift „intern” beeindruckende Zahlen aufgelistet: „Inzwischen werden 16 Kilometer Fernheizleitungen, 7,5 Kilometer Stromkabel und rund 8 Kilometer Kanäle erneuert.” Das gereicht manch kleiner Stadt zur Ehre, wenn sie denn noch nicht pleite ist.

Unterdessen gibt es kaum einen Bereich auf dem großen Gelände, der nicht von Baggern, Kränen, Lastwagen heimgesucht wird. Für Aufsehen sorgte im Dezember der Neubau für den Projektträger Jülich (PTJ), der inzwischen knapp 500 Menschen beschäftigt, aber in Baracken untergebracht war (wir berichteten).

40 Schwertransporter haben die Gebäudemodule mit einer Nutzfläche von insgesamt rund 1700 Quadratmetern angeliefert. Schon im Frühjahr 2011 werden 90 Mitarbeiter die Büros auf drei Geschossen beziehen.

Die größte Baustelle auf dem FZJ-Areal bildet der entstehende Medizinkomplex. Laut Forschungszentrum werden hier um die 25 Millionen Euro investiert, von denen ein Großteil in die Gebäude des „PET-Zentrums” für die Hirnforschung fließen. Die Neurowissenschaftler sollen Anfang 2012 die Labor- und Büroräume nutzen können.
Achim Bachem hat noch weitere Großvorhaben auf der Liste - von den neuen Gewächshäusern des Bio-Economy-Zentrums über das Peter-Grünberg-Zentrum bis zum Photovoltaik-Technikum. Und er fasst zusammen: „Wir müssen Attraktivität für künftige Generationen schaffen.”

200 Millionen Euro Drittmittel

Dieser Bauboom könnte darauf hindeuten, dass er den Standort Jülich langfristig sichert und hier vor allem die Arbeitsplätze. Ein Job-Wachstum von 210 neuen Stellen über zwei Jahre ist ebenfalls ein Indiz. Bachem: „Wir strengen uns an, in den Kerngeschäftsfeldern zu den ersten Drei oder Fünf auf der Welt zu gehören und immer Mittel zu akquirieren, die es uns erlauben, gesund zu wachsen.”

200 Millionen Euro eingeworbene Drittmittel in 2009 sind ein Rekordwert, der nur schwer zu halten ist. Das macht Bachems Äußerung verständlich: „Alle unsere Stellen stehen unter Wettbewerbsdruck.”

Eine Baustelle freilich gibt es immer noch nicht: die für das dringend notwendige Gästehaus des Forschungszentrums. Der Vorstand hat bei zwei Ausschreibungen für den Bau innerhalb des FZJ keinen einzigen Interessenten gefunden, obschon man eine „70-prozentige Mietgarantie” zugesichert habe. „Wir haben uns jetzt für einen Standort in der Stadt Jülich entschieden”, sagt Bachem gegenüber unserer Zeitung.

Jetzt fehlt aber ein Investor, denn der Bau für die jährlich 1000 Gastwissenschaftler, die für Wochen und Monate zum FZJ kommen, „ist nicht unser Geschäftsfeld”. Derweil stehe das Zentrum in Verhandlungen mit der Stadt, um zu klären, ob „eine internationale Begegnungsstätte” mit „Herberge” auch im kommunalen Interesse liege. Viel Zeit bleibt aber nicht, sonst ist das Forschungszentrum gezwungen, auch gegen seine Überzeugung selbst aktiv zu werden.
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