Linnich - Craft-Beer-Hersteller aus Kofferen schätzt Reinheitsgebot

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Craft-Beer-Hersteller aus Kofferen schätzt Reinheitsgebot

Von: Guido Jansen
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Walter Müller macht Bier: 15 000 Liter produziert er mittlerweile in seiner kleinen Brauerei in Kofferen. Bier anderer Hersteller schenkt er nicht mehr aus. Foto: Guido Jansen
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Zweimal Marke Eigenbräu: Das Stout und das Zwickel von Walter Müller. Foto: Guido Jansen

Linnich. Zwei Ereignisse der Zeitgeschichte hatten maßgeblichen Einfluss darauf, dass Walter Müller aus seiner Gaststätte in Linnich-Kofferen einen Brauereigasthof gemacht hat, in dem er sein eigenes Bier herstellt.

Am Donnerstag vor 499 Jahren hat der bayerische Herzog Wilhelm IV. die älteste Lebensmittelverordnung der Welt erlassen: das deutsche Reinheitsgebot, das besagt, dass Bier nur aus Wasser, Hopfen und Gerste bestehen darf. „Hefe kannte man damals noch nicht“, erklärt Müller, warum die ursprüngliche Version des Bier-Gesetzes unvollständig ist. „Trotzdem ist das Gebot absolut sinnvoll“, sagt Müller. Und deswegen hat der Tag des deutschen Bieres, der am Donnerstag gefeiert wird, auch für ihn als Deutsch-Amerikaner eine Bedeutung.

„Deutsches Bier steht für Qualität. Genau wie belgisches, tschechisches und immer mehr auch amerikanisches Bier. Die Amerikaner, die nach dem deutschen Reinheitsgebot brauen, haben aufgeholt“, sagt der Mann, der eine von rund 1300 Brauereien in Deutschland betreibt.

Ereignis Nummer zwei, das Müller vor neun Jahren dazu gebracht hat, unter die Brauer zu gehen, liegt in der Familie. Ende 2005 war er in Kaster im Rhein/Erft-Kreis auf einem Konzert für mittelalterliche Musik. Müller wusste, dass ein Teil seiner Vorfahren in Kaster gelebt hatte. Er kam ins Gespräch. Als Resultat daraus hielt er irgendwann ein Buch in Händen.

Band 30 der Buchreihe Forum Jülicher Geschichte mit dem Titel „Kaster an der Erft im Jahre 1799. Geschichte und Bevölkerungsstruktur einer ehemaligen jülichschen Amtsstadt im Jahr 1799“. Darin las er etwas über einen Ludwig Spickernagel (1747-1827), von dem Müller wusste, dass er ein direkter Vorfahre ist. Spickernagel war als Gastwirt verzeichnet.

„Und ich habe mich gewundert, warum er einer reichsten Menschen in Kaster war“, berichtet Müller vom ausschlaggebenden Fund. Spickernagels Schwager war Bierverkäufer. Nachdem Müller das einstige Haus seiner Vorfahren besucht hatte, setzte sich das Bild im Kopf zusammen. Spickernagel hat selbst gebraut, eine Gastwirtschaft betrieben und dazu ein Hotel. Das sei damals normal gewesen. „Ich habe seinen Businessplan aus dem Jahr 1799 übernommen“, sagt Walter Müller. „So einen Zulauf hatte ich vorher nicht“, berichtet der brauende Gastronom.

Offensichtlich kommt die Idee an, selbst zu brauen. Craft Beer ist der englische Begriff für das Selbstgebraute. Mittlerweile gibt es im McMüller‘s in Kofferen kein eingekauftes Bier mehr, nur noch Hausproduktion. „Das wird immer mehr zunehmen“, sagt Müller. Nicht nur bei ihm, sondern allgemein. „Diese Bewegung steht gerade erst am Anfang.“ Mittlerweile stellt der studierte Maschinenbauer und Kaufmann 15.000 Liter Bier jährlich in seinem Zwei-Komponenten-Sudwerk in Kofferen her, zwölf Rezepte hat er erarbeitet.

Einen Meisterzwang gibt es für das Bierbrauen nicht mehr. Allerdings gebe jenseits aller hygienischer Vorschriften und behördlicher Auflagen eine weitere Voraussetzung. „Man muss das Brauen wirklich können. Wenn nicht, dann schmeckt das nicht und dann trinkt das keiner.“ So simpel das Reinheitsgebot im Wortlaut auch klingt, so komplex ist Thema Brauen trotzdem.

Müller blättert durch das Portfolio eines Malzbierherstellers und hört nach der 20. Sorte mit dem Zählen auf. Wie beim Kaffee sei das mit den verschiedenen Röstungen. „Ich hatte vorher keine Idee davon, wie viele Möglichkeiten es gibt. Heute macht es mir tierisch Spaß, mit den Rezepturen zu experimentieren“, sagt Müller. Und dabei geht Müller dann auch schon mal über das Reinheitsgebot hinweg. „Was spricht dagegen, ein bisschen Anis beizumischen?“

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