Chopin hätte seine reine Freude gehabt

Von: Hilde Viehöfer-Emde
Letzte Aktualisierung:
8498196.jpg
16 Jahre jung und schon eine begnadete Konzertpianistin: Laida Hitaj schlug das Jülicher Publikum in der Schlosskapelle in ihren Bann. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. „Das Klavier ist mein zweites Ich“ – dieser Ausspruch des großen Komponisten Frédéric Chopin, der seine völlige Identifizierung mit dem Instrument ausdrückt, lässt sich auch auf die Interpretin des Konzertabends in der Jülicher Schlosskapelle übertragen.

Laida Hitaj, die 16 Jahre junge albanische Pianistin, bot einen Chopinabend, der die Genialität des Komponisten und seine Leidenschaft für das Instrument spürbar machte.

Mit Chopin brach eine neue Epoche für das Klavier an. Unnachahmlich ist seine Musik dazu erschaffen, die Klangmöglichkeiten voll auszuleben und von den Pianisten höchste technische Qualifikation und höchstes musikalisches Einfühlungsvermögen einzufordern.

Glanzvolles Auftreten

Diese Anforderungen erfüllte die Solistin des Abends in besonderem Maße. Laida Hitaj bot einen beglückenden Konzertabend, der das Publikum begeisterte. So wie in der Komposition des ersten Etüden-Zyklus die Jugend Chopins nicht spürbar ist, so war auch die Darbietung der Pianistin von vollendeter Reife. Ihr bescheidenes, sympathisches, aber glanzvolles Auftreten bildete den Rahmen und ließ die Musik absolut im Mittelpunkt stehen.

Die schwierige Etüden Folge op. 25, I. bis XII. stellen jeweils eine formale Geschlossenheit dar, die thematisch für sich steht und eine technische Spezialität beinhaltet. Musikalität und Virtuosität für diese Herausforderung brachte Laida Hitaj in hohem Maße mit. Sie malte bei jeder Etüde ein farbkräftiges Charakterbild und arbeitete die unterschiedlichen Stimmungen und Themen präzise heraus.

Begeisterung für Balladen

Chopin begeisterte sich schon in seiner Kindheit für Balladen und Legenden seiner Heimat Polen. Diese Begeisterung fand Niederschlag in seinen Balladenkompositionen. Es wird vermutet, dass er sich dabei an die alte Form der „Ballata“, einem Tanzlied, orientierte, da alle Balladen im Sechsviertel- und Sechsachteltakt gehalten sind. Eine besonders einheitliche Gestalt findet man in der vorgetragenen Ballade f-Moll, op.52.

Die Pianistin spielte dieses Meisterstück mit träumerischer Eleganz bis hin zum Rhapsodischen Pathos. Sie beherrschte die ganze Skala, um unterschiedlichste Emotionen auszudrücken.

Als Meister der großen Form erweist sich Chopin in seinen Sonaten. Lebendige Ausnahme ist seine Sonate b-Moll, op.35, zu der Schumann schreibt : „Dass er es Sonate nannte, möchte man eher ein Caprice heißen, wenn nicht einen Übermut, dass er gerade vier seiner tollsten Kinder zusammenkoppelte, sie unter diesem Namen vielleicht an Orte einzuschwärzen, wohin sie sonst nie gedrungen wären.“

Der Trauermarsch als poetisches Grundthema bestimmt den Charakter der ganzen Komposition. Dieses romantische Prinzip der Einheitlichkeit der Stimmungen wurde von Laida Hitaj deutlich herausgearbeitet, obwohl jeder einzelne Satz in seiner Besonderheit erschien.

Der festlichen Abschluss des Konzertprogramms gelang mit der Polonaise As-Dur op. 53, auch die „Heroische“ genannt. Sie spiegelt musikalisch den heroischen Aufschwung des zu der Zeit schon schwer kranken Chopins wider. Die Schwankungen zwischen Elegie und strahlendem Glanz wurden feinsinnig von der Pianistin umgesetzt.

Mit großem Applaus und großer Begeisterung wurde Laida Hitaj von den Zuhörern gefeiert.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert