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CDU-Ortsverband Jülich-Süd: Feinstaub-Belastung durch Tagebau

Von: ptj
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Diskussion über Feinstaub: v.
Diskussion über Feinstaub: v.l. Dipl.-Ing. Klaus Gödde von RWE, Wolfgang Schaefer, stellvertretender Vorsitzender im Netzwerk Bergbaugeschädigter im Rheinischen Braunkohlenrevier, Strahlenexperte Reinhold Biel und Hilde Viehöver-Emde, Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Jülich-Süd. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Liegt die Lücke, die wir schließen müssen, nicht in der Politik?” Diese rhetorische Frage, deren Faden Landtagsabgeordneter Josef Wirtz (CDU) gerne aufnahm, formulierte Hilde Viehöver-Emde, Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Jülich-Süd.

Der Ortsverband hat sich auf die Fahnen geschrieben, jedes Jahr ein Thema aufzugreifen, das Jülicher Bürgern am Herzen liegt, um es mit Fachleuten zu diskutieren. An der Reihe war der viel diskutierte Themenkreis „Feinstaubemissionen”.

Es referierten jeweils rund 30 Minuten Wolfgang Schaefer, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter im Jülicher Forschungszentrum (FZJ), nunmehr stellvertretender Vorsitzender im Netzwerk Bergbaugeschädigter im Rheinischen Braunkohlenrevier, und Dipl.-Ing. Klaus Gödde von RWE Power. „Kohlenstaub und (k)ein Ende” war Schaefers Vortrag überschrieben, der sich auf den Tagebau Hambach konzentrierte. Anhand zweier Dokumentationsfilme und einiger Berechnungstabellen stellte er die Gefährlichkeit von Stäuben in Tagebaunähe heraus, die zu 56 Prozent aus Grobstäuben, zu 39 Prozent aus den Feinstäuben PM10 und zu 5 Prozent aus den sehr gefährlichen ultrafeinen Feinstäuben PM 2.5 zusammensetzen.

Der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft von PM10 als Tagesmittelwert darf nicht öfter als 35 mal jährlich überschritten werden. Dieser Wert ist im laufenden Jahr im Tagebau Hambach laut Schaefer bereits 31 mal überschritten worden. Zudem hatte er ausgerechnet, dass die PM10-Emissionen des Tagebaus mit 145 t/d fast genauso hoch seien wie die gesamten Verkehrsemissionen in Deutschland mit 153 t/d. Außerdem würden 88 Tonnen Uran im Tagebau Hambach freigebaggert, die zu fünf Sechsteln verkippt und zu etwa einem Sechstel der Verbrennung zugeführt würden.

Gödde referierte zu Immissionseinwirkungen durch den Tagebau Inden und belegte unter Benennung eines enormen Maßnahmenkataloges die Einhaltung des Immissionsgrenzwertes an allen 75 Messtellen, die zudem deutlich unterschritten würden. Er räumte allerdings ein, 2011 sei ein „meterologisch schwieriges Jahr gewesen”. Trotzdem sei die tagebaubedingte Zusatzbelastung durch die Gegenmaßnahmen sogar um 50 Prozent zurückgegangen.

Eine in der Tabelle der Feinstaubminderungsmaßnahmen sichtbare „blaue Blume” begründete er mit der „Zusatzbelastung durch Hausbrand vor Ort”. Zum Thema Uran betonte er: „Ich finde das nicht gut, wenn hier Menschen verunsichert werden, sie könnten durch die Tagebaue radioaktiv belastet werden”. Diese These widerlegte er anhand diverser Expertenaussagen und versprach die fortlaufende Optimierung der Staubminderungsmaßnahmen.

In der anschließenden Diskussionsrunde wehte ihm allerdings ein starker Gegenwind entgegen. Sowohl Wirtz als auch der CDU-Stadtverordnete Jülich-Süd, Peter Hüvelmann, und die Altenburger Ortsvorsteherin Irene Fröhlich unterstrichen, dass mit dem sensiblen Thema Radioaktivität keine Panikmache betrieben werden solle. Göddes Hausbrand-These wurde allerdings als unvereinbar bezeichnet. Zudem verstecke sich der Konzern „ein wenig hinter Grenzwerten: 26 Überschreitungen sind 26 zu viel”, hieß es. Die Messstellen seien außerdem nur für Grobstaub repräsentativ.

Wirtz unterstellte, die Beregnungsmaßnahmen mit Staubbindemitteln des Bergbautreibenden seien „intensiver, wenn gemessen wird”. Bei Abbau der Messanlage würden sie hingegen nicht eingesetzt. Ein Besucher aus Elsdorf-Berrendorf, der wie einige andere unter den Zuhörern aus der Interessengemeinschaft der „Anrufungsstelle Bergschaden Braunkohle NRW” kam, wollte wissen: „Schützt der Grenzwert unser Gesundheit”? und „Wieviel Feinstaub emittiert RWE?” Letztere Frage konnte Gödde nicht beantworten, weil keine Berechnungsvorschrift existiere. Es sei bereits angedacht, eine Doktorarbeit zu diesem Thema in Auftrag zu geben. „Wie kommen wir an eine Feinstaubmessstation?”, fragte ein Anwohner aus der etwas abseits liegenden Waldstraße in Altenburg. Sogleich erklärte sich Viehöver bereit, diesbezüglich einen Antrag einzureichen. Über die Kommune geht dieser an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv).

Zum Thema Radioaktivität meldete sich Reinhold Biel zu Wort, der als ehemaliger Strahlenexperte aus dem Forschungszentrum bekannt ist. Er habe auf den Tagebau Hambach bezogen immer das Gefühl gehabt, „hier stimmt etwas nicht”. Inoffiziell, so Biel, habe der renomierte Strahlenphysiker Prof. Herwig Paretzke seine These bestätigt.
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