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„Castle Gate”: Was wird aus dem Nato-Befehlsbunker?

Von: Otto Jonel
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Oliver Krischer (l.) vertiefte
Oliver Krischer (l.) vertiefte sein Wissen über den Nato-Bunker und will seinem Parteifreund Cato Hilfert helfen, den Friedensacker direkt neben dem Bunkergelände unter Schutz zu stellen. Foto: O. Jonel

Glimbach. Bei der Suche nach Informationen muss man mitunter in die Tiefe gehen. Das stand dem kreisdürener Bundestagsabgeordneten der Bündnisgrünen, Oliver Krischer, bevor, als er dem Nato-Bunker in Glimbach buchstäblich auf den Grund ging.

Sechs Stockwerke tief in den Boden führte ihn und seinen Begleiter, den Linnicher Grünen-Ratsherren Karl-Heinz Hilfert, die ungewöhnliche Info-Tour, die Krischer recht unbefangen anging: „Ich hatte überhaupt keine Vorstellung, wozu der Bunker dient und was da drin ist.”

Das „leere Blatt” füllte der derzeitige Leiter der der Nato unterstehenden Einrichtung, Oberstleutnant Peter Flemming nicht nur mit Fakten, sondern auch in bemerkenswerter Offenheit, wie Krischer feststellte. Der Bunker „Castle Gate” ist ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges nämlich, als er konzipiert wurde als eine Befehlszen-trale, die dem Führungszentrum der Nato im niederländischen Brunsum unterstellt ist.

Mit der Veränderung der weltpolitischen Lage verlor der Nato-Bunker in Glimbach, der 1983 in Bau ging, seinen ursprünglichen Daseinszweck. Ab seiner Fertiggstellung 1992 fiel er in einen zehnjährigen Dornröschenschlaf. Erst seit 2001 wurde das „Burgtor” wieder bewirtschaftet. 41 Mann stark ist seine Besatzung. „Ein Drittel davon sind Techniker, der Rest ist militärisches Personal”, erfuhr Krischer.

Diese Minimalbesatzung gewährleistet die Funktionsfähigkeit der auf 600 Kräfte ausgelegten Anlage. Die befindet sich, wie sich der Bundestagsabgeordnete überzeugen durfte, „in einem tiptop Zustand” und sei sofort einsatzbereit. „Ein Libyen-Einsatz der Nato wäre wohl von hier aus koordiniert worden”, so Krischer. Wie lange die Nato an dem Bunker festhält, der auf einer fast Fußballfeld großen Grundfläche knapp 30 Meter in die Tiefe reicht und jährlich rund eine Million Euro an sächlichen Instandhaltungskosten verschlingt, ist nach Oliver Krischers Aussage offen.

Hier beginnen interessante Gedankenspiele. Wozu lässt sich eine solche militärische Einrichtung nutzen, wenn das Militär sie aufgibt? Eine Möglichkeit läge nahe, so Krischer. Da die gesamte Bunkerkonstruktion nicht nur gegen biologische und chemische Einflüsse gesichert ist, sondern durch einen „Kupferhaube” vor einem EMP, dem gefürchteten Elektromagnetischen Puls bei einer nuklearen Explosion, abgeschirmt ist, „wäre sie durchaus geeignet zur Lagerung von elektronischen Backup-Daten. Krischers Resümee aus dem Besuch: „Ich habe ein gutes Gefühl gewonnen für das, was da passiert.” Ein Fragezeichen müsse hinter den großen Aufwand gesetzt werden, der zum Betrieb der Anlage notwendig sei. Eine zivile Nutzung als Datensicherungszentrale in der Nachfolge der militärischen Vergangenheit sei zumindest denkbar.


Nach einer Nachfolgeregelung, wenngleich anderer Art, ist auch Cato Hilfert interessiert. Er hat dabei das Gelände zwischen dem Bunkerzaun und der Ortslage Glimbach im Sinn. Der Streifen Land war in den 1980er Jahren von weit über 1000 Anteilseignern, darunter eine Reihe von Prominenten wie Petra Kelly oder dem späteren Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, aufgekauft worden, um die Ausweitung des Bunkerbaus zu blockieren.

Seitdem blieb dieser Friedensacker sich weitgehend selbst überlassen. Einige Jahre lang fanden dort noch regelmäßig Gottesdienste der Friedensbewegung statt. „Es stellt sich die Frage, ob man das Gelände nicht unter Schutz stellen kann”, sagt Hilfert. Es könnte dann weiterhin ohne menschliche Pflege der Natur überlassen bleiben, aber auch eine Nutzung als Friedwald sei denkbar.

Ausgerechnet die Konstruktion der Vielzahl von Anteileigner, mit der seinerzeit denkbare Enteignungsverfahren in die Länge gezogen werden sollten, wird nun zur Hürde der Unterschutzstellung. „Theoretisch müsste jeder Einzelne dazu sein Einverständnis geben”, so Hilfert. Ein langwieriges und zähes Verfahren. Der Linnicher Grüne hofft nun eventuell mit Hilfe der Biologischen Station des Kreises Düren und Oliver Krischers, zu einer dauerhaften „natürlichen” Regelung für den Friedensacker zu gelangen.


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